Giftgas in Syrien
Trump will mit Merkel telefonieren

US-Präsident Donald Trump hat das Assad-Regime in Syrien für einen Giftgaszwischenfall im Land verantwortlich gemacht. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel will er jetzt über mögliche Reaktionen sprechen.
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WashingtonUS-Präsident Donald Trump will am Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über den jüngsten mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Syrien sprechen. Dabei sollten mögliche Reaktionen auf die Gewalt im Land zur Sprache kommen, erklärte das Weiße Haus. Bei dem Angriff in der Provinz Idlib waren am Dienstag 72 Zivilisten getötet worden.

Russland und der Westen streiten derzeit über die Verantwortung für den verheerenden Giftsgaszwischenfall. Das russische Militär erklärte am Mittwoch, die Todesfälle in Chan Scheichun gingen auf einen syrischen Luftangriff auf ein Chemiewaffenlager der Rebellen zurück. Die USA, Großbritannien und Frankreich warfen dem syrischen Militär dagegen den Einsatz von Giftgas vor. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach am Rande einer Syrien-Konferenz in Brüssel von einem Kriegsverbrechen: „Die Verantwortlichen des Assad-Regimes für diese Barbarei müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Mit dem Vorfall wollte sich im Tagesverlauf auch der UN-Sicherheitsrat befassen. Eine Verurteilung ihres Verbündeten, Syriens Präsident Baschar al-Assad, wollte die Regierung in Moskau jedoch nicht mittragen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht mittlerweile von mindestens 70 Toten aus, darunter wenigstens elf Kinder. Nach Darstellung der US-Regierung setzten syrische Kampfflugzeuge bei dem Angriff am Dienstag das Nervengift Sarin ein. US-Präsident Donald Trump machte dafür die Assad-Regierung verantwortlich. Der WHO zufolge weisen die Opfer Symptome einer Vergiftung mit einer Phosphor-Verbindung auf, zu denen auch Sarin zählt.

Ein Rebellen-Kommandeur wies die russische Darstellung als Lüge zurück. „Alle haben gesehen, wie das Flugzeug Gas einsetzte“, sagte Hadsch Ali von der „Freien Armee von Idlib“ der Nachrichtenagentur Reuters. Weder gebe es in der Umgebung Militärstellungen noch Orte für den Bau von Chemiewaffen: „Die verschiedenen Oppositionsgruppen sind nicht in der Lage, solche Substanzen herzustellen.“ Bei einer Sarin-Gas-Attacke in einem Vorort von Damaskus waren im August 2013 Hunderte Zivilisten getötet worden. Die Assad-Regierung hatte die Verantwortung für den Einsatz des geächteten Kampfstoffs damals abgelehnt.

Ein russischer Militärsprecher erklärte über YouTube, die syrischen Kampfjets hätten ein „großes Munitionslager der Terroristen und Militärgerät“ bombardiert: „Auf dem Gelände des Depots waren Werkstätten, in denen chemische Munition hergestellt wurde.“ In dem Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat, in den Reuters Einblick erhielt, wurde eine internationale Untersuchung gefordert. Syrien solle Flugpläne und Logbücher vorlegen und die Namen der Kommandeure nennen. Zudem soll Ermittlern Zugang zu Luftwaffenstützpunkten gewährt werden, von denen aus Angriffe gestartet worden sein könnten. Die Internationale Gemeinschaft sei empört, dass wiederholt Menschen in Syrien durch Chemiewaffen getötet worden seien.

Auch die Bundesregierung geht derzeit von einem Giftgas-Einsatz aus. Es erscheine „durchaus schlüssig, dass es Angriffe aus der Luft gegeben hat“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Anhaltspunkte für die russische Darstellung hat die deutsche Regierung nicht. „Wir haben keine Hinweise darauf, die diese These belegen würden“, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Für derartige Einsätze sei in der Vergangenheit das syrische Regime verantwortlich gewesen. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, einschließlich Assad. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass sich Russland und China einer unabhängigen Untersuchung nicht verweigerten.

„Ich sehe einfach nicht, wie Assad federführend bleiben kann, nach dem, was er bereits getan hat“, sagte der britische Außenminister Boris Johnson in Brüssel: „Von den 400.000 Menschen, die schätzungsweise in Syrien getötet wurden, ist er für den größten Teil der Schlächter-Rechnung verantwortlich.“

Das Außenministerium in Moskau bezeichnete den Entwurf für die Resolution des Sicherheitsrates als inakzeptabel. „Basierend auf völlig falschen Informationen haben die USA, Frankreich und Großbritannien einen Entwurf mit einem vollständig anti-syrischen Charakter eingebracht“, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa der Agentur RIA Nowosti. In der vorliegenden Form werde der Entwurf nicht verabschiedet, sagte sie zudem zu Interfax. Russland hat im UN-Sicherheitsrat ein Veto-Recht.

Der Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte zufolge griffen Kampfjets am Mittwoch neue Ziele in Chan Scheichun an. Zur Nationalität der Flugzeuge wurden von der oppositionsnahen Gruppe keine Angaben gemacht. Es habe fünf Angriffe gegeben. Eine Stellungnahme des syrischen Militärs gab es zunächst nicht.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Giftgas in Syrien: Trump will mit Merkel telefonieren"

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  • Trump will mit Merkel telefonieren Ha Ha Ha das glaub nicht einmal ich.

  • Es gibt ueberhaupt keine Beweise fuer eine Schuld des syrischen Militaers, und es waere absolut
    unlogisch, dass Syrien einen Gasangriff auf ein unbedeutendes Ziel durchgefuehrt haette. Alles
    (auch der Zeitpunkt) spricht dafuer. dass fuer diese Aktion die "Freunde Syriens" verantwortlich
    sind. Wir haben solche Aktionen schon mehrfach gesehen.

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