Giftgasangriff
Französische Beweise belasten syrische Regierung

Frankreich, die USA und weitere Staaten sehen das Militär von Syriens Präsidenten al-Assad hinter einem mutmaßlichen Giftgasangriff Anfang April. Paris legt nun einen Bericht vor, der das beweisen soll.
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ParisFrankreich hat die syrische Regierung in einem Geheimdienstbericht für einen mutmaßlichen Giftgasangriff in dem Bürgerkriegsland verantwortlich gemacht. Es gebe keine Zweifel an der Verwendung des Nervengases Sarin, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault am Mittwoch. „Und auch an der Verantwortung des syrischen Regimes besteht kein Zweifel.“ Bei dem Angriff in Chan Scheichun im Norden Syriens waren am 4. April nach französischen Angaben mehr als 80 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Französische Experten hätten in Proben vom Angriffsort Sarin nachgewiesen, heißt es in dem Bericht. „Wir wissen aus sicherer Quelle, dass das Herstellungsverfahren des Sarins (...) typisch für die Methode ist, die in den syrischen Labors entwickelt wurde“, erläuterte Ayrault nach einem Treffen des französischen Sicherheitskabinetts in Paris. Diese Methode „trägt die Signatur des Regimes, und das erlaubt es uns, seine Verantwortung für diese Attacke festzustellen“. Es handele sich um eigene Proben. Nicht mitgeteilt wurde, wie die Experten an die Proben gelangten.

Die französischen Geheimdienste gehen davon aus, dass nur der syrische Präsident Baschar al-Assad und einige der einflussreichsten Mitglieder seines Umfelds berechtigt sind, den Einsatz von Chemiewaffen zu befehlen. Dem Bericht zufolge soll ein Jagdbomber des Typs Suchoi Su-22 am 4. April von der syrischen Basis Al-Schairat aus bis zu sechs Luftangriffe auf Chan Scheichun ausgeführt habe.

Die syrische Regierung hatte internationale Schuldzuweisungen mehrfach zurückgewiesen. Auch Syriens Verbündeter Russland widerspricht den Vorwürfen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Mittwoch, die Aussagen aus Paris änderten nichts an der Position Moskaus. Präsident Wladimir Putin dringe weiter auf eine internationale Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Syrien, sagte er der Agentur Tass zufolge.

Die Organisation für das Verbot der Chemiewaffen (OPCW) untersucht den Vorfall vom 4. April. Die OPCW-Experten hatten bis zum Januar 2016 die syrischen Bestände von Sarin vernichtet, die die Regierung gemeldet hatte. Bis heute ist unklar, ob Assads Regierung auch alles angegeben hatte. Die US-Regierung und andere Staaten sind überzeugt, dass Assad noch über chemische Waffen verfügt.

US-Präsident Donald Trump hatte als Reaktion auf den Angriff einen Militärschlag gegen einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe angeordnet. Russland ordnete deshalb nun zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für seine Soldaten in Syrien an. Der Angriff stelle eine echte Gefahr für die russischen Truppen in dem Bürgerkriegsland dar, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch in Moskau. Er ging nicht darauf ein, wie Russland konkret die Sicherheit seiner Soldaten stärken will. Russland unterstützt die syrische Armee seit 2015 militärisch. Eine US-geführte Koalition fliegt unabhängig davon Luftangriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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