Gigantischer Öl- und Gasfund
Brasilien teilt Öl-Bonanza neu auf

Private Investoren in Brasiliens Öl- und Gasindustrie müssen sich auf Gegenwind aus der Politik einstellen. Nach gigantischen Öl- und Gasfunden vor der Küste dringen einflussreiche Politiker darauf, dass der Staat stärker von den Einkünften profitiert und die Regierung privaten Investoren aus dem In- und Ausland den Zugang zu den Vorkommen erschwert.

SÃO PAULO. Mit dem jetzt bestätigten Ölfeld Carioca sowie den im November und Januar entdeckten Vorkommen Tupí (Öl) und Júpiter (Gas) im Atlantik sei das Explorationsrisiko so gering, dass der Staat höhere Abgaben erheben oder die Förderung gar vollständig kontrollieren könne. "Es gibt praktisch kein Risiko mehr für die Konzerne", sagt der Abgeordnete Eduardo Valverde von der regierenden Arbeiterpartei. "Die Regierung will die aussichtsreichen Konzessionen für die staatliche Petrobras sichern", vermutet der Geologe Giuseppe Bacoccoli, langjähriger Mitarbeiter des Staatskonzerns. "Den Privaten überlässt sie Gebiete, wo sie sicher ist, dass dort kein Öl zu finden ist."

Bereits zu Jahresbeginn war es für private Konzerne schwerer geworden, brasilianische Vorkommen anzuzapfen: Nach den großen Funden zum Jahreswechsel hatte die Regierung 41 Ölfelder aus der neunten Bieterrunde ausgeschlossen - eine Woche vor dem Ausschreibungstermin. Dennoch besitzen zahlreiche Konzerne bereits Lizenzen in den aussichtsreichen Gebieten vor der Küste. Neben brasilianischen sind darunter auch ausländische Konzerne wie Exxon Mobil, Hess Corp, die britische BG Group sowie Galp aus Portugal.

Wie wertvoll diese Lizenzen sind, zeigte sich vergangene Woche. Nach Berichten über die Explorationsbohrungen im Ölfeld Carioca mit bis zu 33 Mrd. Fass Öl stieg der Aktienkurs der beteiligten Konzerne Petrobras, BG Group und Repsol YPF zweistellig in die Höhe - und hält sich seitdem auf diesem Niveau. Seit der Öffnung des Ölsektors 1997 durften in- und ausländische Konzerne neben der bis dahin dominierenden Petrobras Explorationskonzessionen ersteigern. Finden sie Öl, dann gehört es ihnen. Sie bezahlen lediglich Royalties, Steuern und Sonderabgaben auf die geförderte Menge. Finden sie nichts, dann ist es ihr Risiko. In Brasilien entschieden sich die Energie-Regulierer für dieses Ausschreibungsmodell, weil die Exploration vor der Küste als risikoreich, also teuer galt.

Mit den neuen Ölfunden, über deren genaue Höhe bisher nur spekuliert werden kann, dürfte sich das Beteiligungsmodell für die privaten Ölkonzerne ändern. Dabei könnten die Konzessionen künftig von einer gemeinsamen Nutzung ersetzt werden: Der private Betreiber gibt den größten Teil des geförderten Öls ab und erhält als Gegenleistung für seine Explorations- und Förderleistung einen kleinen Teil des Öls. Die Kontrolle über Ölfelder und Öl behält der Staat. "Eine künftige Vertragsänderung soll jedoch nicht für bereits bestehende Verträge gelten", versicherte Energieminister Edison Lobão. Er kündigte zugleich an, eine Reform des Ölgesetzes vorzubereiten.

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