Giorgos Papandreou

Ein Ministerpräsident zwischen allen Stühlen

Seit zwei Jahren versucht Giorgos Papandreou Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen. Doch die Zustimmung für seine Politik ist gering. Nun will er das Volk auf seine Seite ziehen. Und verwirrt damit Freunde und Partner.
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Giorgos Papandreou: Skepsis begleitet ihn seit seinem Amtsantritt. Quelle: Reuters

Giorgos Papandreou: Skepsis begleitet ihn seit seinem Amtsantritt.

(Foto: Reuters)

AthenKein Name hat die politische Landschaft Griechenlands in den vergangenen fünfzig Jahren so geprägt wie der der Familie Papandreou. Ein Giorgos Papandreou regierte das Land, bevor es in den 60er Jahren unter eine Militärdiktatur fiel, und ein Giorgos Papandreou versucht heute, den finanziellen Ruin des Landes abzuwenden.

Immer wieder hat er auch mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt will er das Volk über das Rettungspaket der Europäischen Union für Griechenland abstimmen lassen - und spricht dabei von einem „demokratischen und höchst patriotischen Schritt“. Seine Freunde und Partner hat er damit eher verstört, viele sehen die mühsam ausgehandelte Euro-Rettung in Gefahr.

Papandreous gleichnamiger Großvater sowie sein Vater Andreas Papandreou gelten als die Architekten des modernen Griechenlands, aber auch als Verantwortliche für den hohen Schuldenberg des Landes. Es war ein schweres Erbe, das Ministerpräsident Giorgos Papandreou nach dem Wahlsieg mit seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) 2009 antrat.

Seitdem musste Griechenland unter den Rettungsschirm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) Zuflucht suchen. Doch mittlerweile wettern nicht mehr nur die Opposition und das Volk gegen die Sparmaßnahmen, auch in Papandreous Partei war es zuletzt immer schwieriger geworden, die Reihen geschlossen zu halten.

Bereits vor seinem Wahlsieg vor zwei Jahren wurde Papandreou von vielen Beobachtern als unfähig kritisiert. Der Sohn und Enkel griechischer Ministerpräsidenten galt als schwaches Abbild seines dynamischen und charismatischen Vaters Andreas, der die PASOK 1974 gegründet und sie mit eiserner Hand von 1981 bis 1993 drei Mal zum Wahlsieg geführt hatte.

Giorgos Papandreou galt als sympathische, aber kaum respektierte Persönlichkeit, der nur wenige Dinge gelangen. Selbst seine Wahl zum Präsidenten der Sozialistischen Internationale 2006 gab Anlass zu Bemerkungen, dass viele seiner Vorgänger in diesem Amt Politiker gewesen seien, deren beste Zeiten vorüber waren.

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16 Kommentare zu "Giorgos Papandreou: Ein Ministerpräsident zwischen allen Stühlen"

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  • Sollten die Griechen noch ein Funken Ehre und national Stolz haben, dann sollten sie auch die politischen Konsequenzen tragen und aus der Gemeinschaftswährung und der EU austreten. Dann können Sie so weiterwurschtln wie bisher. Sowieso sollte die Europäische Gemeinschaft deren politischen Sumpf weiter finanzieren.

  • Ich kann Papandreou durchaus verstehen. Das Volk und auch die Opposition leistet sich den Luxus einfach gegen die Sparerei aber auch gegen den Euro-Austritt zu sein. Eins von beiden geht nun mal nur. Das Volk muss, sagen was es will.

    Wobei es vermutlich für die Drachme stimmen wird (in Konsequenz geht es ja genau darum, auch wenn Papa es nicht nicht so sagt), weil die Perpektive 10 Jahre Gürtel so eng schnallen, das man keine Luft bekommt, um am Ende immer noch bei 120% Verschuldung zu stehen, nicht besonders lockend sein dürfte. Umgekehrt dürfte die Wiedereinführung der Drachme kurzfristig deutlich härter werden als die angedachten Sparmaßnahmen. Keine leichte Wahl aber das Ende mit Schrecken scheint mir plausibler. So ist es eben, wenn Politiker in der Währungspolitik mitmischen dürfen, wovor die Bundebank immer gewarnt hat. Sie neigen dazu in ihrem Gestaltungswillen/Größenwahn die Zwänge ökonomischer Realitäten zu unterschätzen.

  • Papandreou erpresst den gesamten Euro-Raum und hält ihn dazu zum Narren. Das Schlimme an der Sache, es geschieht vermutlich ganz im Interesse der USA! Griechenland hätte niemals in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen, jetzt aber gehören sie endgültig rausgeschmissen!

  • Es ist doch am besten wenn die Griechen sich selbst für Pleite erklären und damit denn politischen Konkursverschleppern endlich die Realität aufzeigen.

  • So bewahrheitet sich wieder einmal die einfache Formel:
    ''Ein Darlehen beginnt mit Liebe und endet mit Streit.''
    So wird der Schuldner Griechenland seine Knechtschaft
    gegenüber den Banken und der Umklammerung durch die EU
    früher oder später beenden und zu einer Nationalwährung
    zurückkehren, die sie vielleicht aus Ironie den Super-
    euro nennen werden, auch wenn er nur den Umtauschwert
    der ehemaligen Drachme haben wird.
    Wichtig ist nur, daß sie im Geiste gute Europäer bleiben,
    denn nach Angela Merkel zählt nur das, weil Einbildung
    alles ist, auch wenn du bankrott bist.

  • Ich stimme Ihnen 100% zu!

  • Klar! Notstandsgesetzte müssen her. OMG!
    Wie wäre es, wenn man einfach auf die grundlegenden Tugenden baut: Ehrlichkeit, Verläßlichkeit, Loyalität.
    Aber all dies scheint in GR ja unbekannt zu sein. Daher keine Notstandsgesetze sondern einfach die übliche Konsequenz: Weg mit der Eiterbeule bevor sie den ganzen Organismus verdirbt. Heilung scheit hier ja nicht möglich.
    Aber dafür brauchts konsequente Politiker mit o.a. Tugenden. Das aber bedeutet: Armes Deutschland.

  • Guten Tag,.... Fast meine ich die Welt ist aus den Fugen. Wegen zwei dutzend Griechen wird Europa nicht absaufen. Haetten wir den Saecken sofort einen Tritt in den Hintern gegeben waere Portugiesen, Italiener, Spanier, Belgier und Franzosen viel zutraulicher. Besten Dank

  • Wie würden Sie ihre Aussage juristisch werten ? Glauben Sie, dass solche Foren ein rechtsfreier Raum sind ? Ich nicht.

  • Ein klares und trauriges Beispiel für die mangelhafte politische Abstimmung Europas! Hier fehlt der klare Durchgriff der europäischen Regierung, da Demokratie in derartigen Krisenzeiten klar an ihre Grenzen kommt. Wie soll der griechische Bürger diese komplexe Lage verstehen und dann auch noch über seine Individualinteressen hinweg abstimmen? Hier ist eine starke zentrale Notstandspolitik gefragt.

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