Gipfel in Istanbul
G7: Berlin will über Wechselkurse sprechen

Die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte steht im Mittelpunkt des Treffens der G7-Finanzminister am Wochenende in Istanbul. Deutschland will bei den Gesprächen auch das sensible Thema Wechselkurse zur Sprache bringen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.
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BERLIN/FRANKFURT. Dabei geht es dem Bund darum, vor allem China von einer flexibleren Wechselkurspolitik zu überzeugen, um den Aufwertungsdruck des Euro zu dämpfen, hieß es. Unterstützung erhält der Bund dabei von der US-Regierung. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lässt sich auf dem G7-Treffen von Staatssekretär Jörg Asmussen vertreten.

Bei der Frage, wie die globalen Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft dauerhaft beseitigt werden können, zeichnen sich im Vorfeld Spannungen ab. Deutschland wehrt sich gegen Forderung anderer G7-Staaten, mit staatlichen Eingriffen die Binnennachfrage zu erhöhen und so den Außenhandelsüberschuss abzubauen. "Wir haben ein Problem damit, dass man Nachfrage von einem zum anderen umschichten soll", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans-Helmut Kotz, zuständig für Märkte und Finanzstabilität. Man könne den Unternehmen schließlich nicht sagen, sie sollten künftig weniger innovativ oder produktiv sein. Es stehe außer Frage, dass zumindest mittelfristig das globale Potenzialwachstum niedriger ausfalle.

Die von den G20 auf den Weg gebrachten Vorschläge zur strengeren Beaufsichtigung der Großbanken sieht man bei der Bundesbank sehr positiv. Entscheidend sei, dass feste Liefertermine vereinbart worden seien. "Es handelt sich nicht um Absichtserklärungen", sagte Kotz. Unstrittig sei, dass künftig mehr Eigenkapital im System nötig sei. Was die Kriterien an die Kapitalausstattung der Banken anbelangt, sieht die Bundesbank aber noch deutlichen Nacharbeitungsbedarf.

Die bisherigen Konzepte sehen vor, nur hartes Aktienkapital oder einbehaltene Gewinne anzurechnen. Damit würden typisch deutsche Instrumente wie stille Einlagen, die gerade bei Sparkassen häufig sind, womöglich entwertet und zu einer Benachteiligung führen. "Wir sind hier relativ zuversichtlich, dass wir Gehör finden", sagte Kotz. Entscheidend sei, ob das vorhandene Eigenkapital an Verlusten teilnehmen oder nicht. Ob es sich dabei um Aktien oder stille Einlagen handele sei letztlich nur eine Systemfrage.

Innerhalb der Bundesregierung hofft man, dass die Beschlüsse des G20-Gipfels in Pittsburgh von allen Mitgliedsländern des Internationalen Währungsfonds mitgetragen werden. Nur so könnten Wettbewerbsnachteile verhindert werden, hieß es in Regierungskreisen.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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