Gipfel in Russland
Nahostkämpfe bedrohen US-Konzept für G8

Die Wildschwein-Party ist vorbei: Nach seinem Treffen mit Angela Merkel in Stralsund ist der amerikanische Präsident George W. Bush von Mecklenburg-Vorpommern weiter zum G-8-Gipfel ins russische St. Petersburg geflogen. Die Kanzlerin wird ihm folgen. Konfliktstoff bietet bei dem Treffen vor allem die neue Krise in Nahost.

HB ST. PETERSBURG. Während US-Präsident George W. Bush bei der lauschigen Grill-Party in Trinwillershagen in gelöster Stimmung das knusprige Wildschwein anschnitt, betrieb sein Führungsstab im Hintergrund fieberhaft Krisenmanagement. Manche US-Journalisten vor Ort mussten schließlich am späten Abend aus ihren Hotelbetten geholt werden - denn die US-Regierung wollte unbedingt eine „Botschaft“ loswerden, fürchtet sie doch, dass der aufgeflammte Nahostkonflikt das Konzept der USA für den am Samstag beginnenden G8-Gipfel in St. Petersburg ruiniert.

Als US-Außenministerin Condoleezza Rice und US-Sicherheitsberater Stephen Hadley mit ernsten Mienen vor die kleine Schar der aufgeschreckten US-Korrespondenten in Heiligendamm traten, wollten sie vor allem ein Signal in die Welt schicken: Israel müsse sich militärisch zurückhalten, das sei „extrem wichtig“, so Rice. Die US- Regierung sei „sehr besorgt“.

Rice setzte damit offenbar gezielt einen deutlich anderen Akzent als ihr Chef Stunden zuvor: Bush hatte am Nachmittag in Stralsund vor allem das „Recht Israels auf Selbstverteidigung“ betont und die „Extremisten der Hisbollah und der Hamas“ für die Eskalation in Nahost verantwortlich gemacht. Auf der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel widmete der heiter gestimmte Präsident der Weltmacht USA der bevorstehenden Wildschwein-Party fast mehr Aufmerksamkeit als dem israelisch-arabischen Konfliktherd.

Im sichtlichen Bemühen um deutsch-amerikanische Harmonie hatte auch Merkel vor allem die Schuldfrage in Nahost angesprochen. Allerdings verwies sie - wie später auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier - auf die Notwendigkeit, dass Israel „angemessen“ reagiere. Im Verlauf des Donnerstags stellte sich heraus, dass weltweit, von Paris über Peking bis Moskau, das israelische Vorgehen als unangemessen betrachte wurde. Die USA konnten nur mit einem Veto im UN-Sicherheitsrat in New York eine Maßregelung Israels wegen der Militäroperationen im Gazastreifen verhindern.

Also galt es für die Amerikaner in Heiligendamm zurückzurudern. Denn in St. Petersburg möchte Bush die Weltführer trotz ohnehin schon bestehender Widerstände vor allem in Peking und Moskau zur Einigkeit im Konflikt mit dem Iran bewegen.

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