Gipfel in Sizilien
Nato kann sich mobile Eingreiftruppe nicht leisten

Der Nato mangelt es an mehreren tausend Soldaten und einer klaren Finanzierung für ihre neue mobile Eingreiftruppe, die Kern der Modernisierung des Bündnisses sein soll.

HB TAORMINA. Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerten sich nach Beratungen der Nato-Verteidigungsminister auf Sizilien zuversichtlich, dass die Truppe zumindest bis zum Nato-Gipfel Ende November in Riga steht. Das wäre knapp zwei Monate später als geplant. Rumsfeld stellte dazu am Freitag nach Angaben aus Sitzungskreisen auch US-Soldaten in Aussicht, wenn die USA ihre Truppenpräsenz im Irak abbauen. Europäische Verbündete hätten aber keine weiteren Truppen angeboten. Der Oberkommandeur der Allianz, James Jones, sagte, noch fehle rund ein Viertel der angestrebten Stärke von 25 000 Soldaten. Keine Annäherung war im Streit über die Finanzierung der Einsätze erkennbar. Deutschland will Mehrkosten für sich vermeiden.

Rumsfeld hob die Bedeutung der innerhalb von fünf Tagen weltweit verlegbaren Eingreiftruppe (NRF) hervor. Sie gilt als Eckstein der Reform der Allianz, die ihre künftige Aufgabe in der Terrorbekämpfung und im Eindämmen regionaler Krisen sieht. Die USA haben sich bislang kaum an der einst von Rumsfeld vorgeschlagenen Truppe beteiligt, die vor allem als ein Anreiz für die europäischen Verbündeten zur Neuausrichtung ihrer Streitkräfte auf weit entfernte Einsatzorte entwickelt hat.

US-General Jones sagte: „So wie es jetzt aussieht, bin ich nicht sehr zuversichtlich, die fehlenden 25 Prozent herbeizaubern zu können.“ Er hoffe aber weiter, das Ziel doch noch zu erreichen. Wegen mangelnder Teilnahme der Nato-Staaten hat das Bündnis bereits ein NRF-Großmanöver auf den Kapverdischen Inseln im Atlantik zurechtgestutzt. Die Übung im Juni sollte der letzte Test sein, bevor die NRF für voll einsatzbereit erklärt wird. Jones sagte, statt der geplanten 8000 Soldaten sollten nun nur 6000 an dem Manöver teilnehmen. Der ursprüngliche Umfang sei für einige Staaten zu teuer. Das Ziel der Übung werde aber erreicht.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung verwies auf die große Beteiligung der Bundeswehr, die rund 30 Prozent der NRF stelle. Nun müsse die Truppe handlungsfähig werden, bei der Deutschland von Juni bis Dezember eine Führungsrolle übernimmt.

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