Mit greifbaren Fortschritten oder gar Handelsabkommen sei beim Gipfel nicht zu rechnen, heißt es in der EU-Kommission. Behördenchef Barroso möchte den Schwerpunkt daher auf andere Themen legen. Kampf gegen Armut und Korruption, Klimawandel und nachhaltiges Wachstum heißen die Punkte, mit denen Barroso punkten will. Die harten Wirtschaftsthemen will er auf bessere Zeiten verschieben. Auch den Streit um Biokraftstoffe möchte Barroso am liebsten ausklammern.
Doch ganz so harmonisch, wie es sich Barroso wünscht, wird der Gipfel wohl nicht. Der Rücktritt der brasilianischen Umweltministerin Marina Silva hat gezeigt, dass Biosprit nicht nur in der EU, sondern auch in Lateinamerika umstritten ist. Kanzlerin Merkel will das Problem aufgreifen und die Frage diskutieren, ob der Soja-Anbau in Lateinamerika dazu führe, dass weniger Nahrungsmittel produziert werden. Soja wird vor allem in Argentinien zur Biosprit-Herstellung verwendet.
Biosprit und Nahrungsmittelkrise seien „Riesen-Themen“ für Lateinamerika, sagte die Europaabgeordnete Erika Mann (SPD). Nicht nur Argentinien und Brasilien müssten ihre Politik überdenken, auch die EU sei gefragt: „Wir müssen unsere Biosprit-Ziele überprüfen“, forderte sie. Angesichts der Nahrungsmittel-Krise sei die Förderung möglicherweise nicht mehr vertretbar. Außerdem solle sich die EU für Produktions-Standards einsetzen.
Streit droht in Lima auch wieder einmal mit dem Präsidenten Venezuelas, Hugo Chavez. Nachdem er Merkel in einem Interview attackiert hatte, könnte Chavez auf dem Gipfel nachlegen. Merkel nimmt es jedoch gelassen: Auf die Frage, ob der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva in dem Disput vermitteln könne, sagte die Kanzlerin, dies werde nicht nötig sein. Sie werde auf dem Treffen in Lima jeden Teilnehmer freundlich begrüßen – auch Chavez.


