Gipfel umfunktioniert: Ukraine ist wichtiger als nukleare Sicherheit

Gipfel umfunktioniert
Ukraine ist wichtiger als nukleare Sicherheit

Aus einem beschaulichen Gipfel über den Schutz nuklearen Materials vor Terroristen wird nichts. Die Ukraine-Krise überlagert ein Treffen von 53 Staats- und Regierungschefs in Den Haag – und ermöglicht ein Treffen der G7.
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Den HaagEigentlich sollte es bei diesem Gipfel um etwas ganz anderes gehen. Aber nun wird er zum ersten großen internationalen Krisentreffen über die neue Weltlage seit der russischen Annexion der Krim. Der seit langem geplante Gipfel über Nukleare Sicherheit (NSS) am Montag und Dienstag in Den Haag wird zweckentfremdet. Statt über den Schutz nuklearen Materials vor Dieben und Terroristen reden die Mächtigen der Welt in den Niederlanden über ihren künftigen Umgang mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

US-Präsident Barack Obama funktionierte das Gipfeltreffen ganz offiziell um: Er lud die Staats- oder Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und Japans zu einem Gipfel der sogenannten G7 ein: Die Gruppe der sieben führenden Industriestaaten gab es seit 1998 nicht mehr, als Russland beitrat und den Kreis zur G8 erweiterte. Nun gibt es sie wieder – und schon das soll ein politisches Zeichen an Putin sein: Er darf am Tisch der Großen nicht mehr mitreden und -essen.

Wie stark Putin das demonstrative Treffen der G7 während des Nuklear-Gipfels in Den Haag berührt, ist fraglich. Schon nach dem Rückzug der anderen Sieben von dem im Juni geplanten G8-Gipfel im russischen Sotschi ließ er über Vertraute wissen, dass er solche politischen Muskelspiele für sehr viel vergänglicher hält als das Faktum, das er mit der Einverleibung der Krim für Russland geschaffen hat. Seine Haltung sei ein trotziges „Dann eben nicht“, heißt es. Putin fühle sich ohnehin im Kreise der größeren G20-Gruppe inmitten neuer und aufstrebender Mächte wohler.

Für Obama versprechen die zwei Tage in klarer Nordseeluft arbeitsreicher und unerfreulicher zu werden als ursprünglich geplant. Der US-Präsident hatte ein ehrenvolles „Heimspiel“ erwarten dürfen – schließlich war er es, der 2009 in einer Rede in Prag die Sicherung von Nuklearmaterial zum Thema machte. Und die Stimmung bei seitherigen NSS-Gipfeln in Washington (2010) und Seoul (2012) war eher beschaulich: Dass Nuklearmaterial nicht in falsche Hände gelangen darf, ist rund um den Globus nicht wirklich umstritten.

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