Gipfelmarathon
Europa-Reise: Kulturschock für Obama

Es gibt viele Wege, Europa zu entdecken - und sicher bessere als den, den Barack Obama jetzt beschreiten muss. Denn dem neuen US-Präsident steht ein echter Kulturschock bevor. Auf dem Plan stehen drei Gipfel in nur vier Tagen. Wichtige Entscheidungen dürften weniger auf den Gipfeln, als auf den abendlichen informellen Treffen gefällt werden.

BERLIN. In nur vier Tagen wird Obama bei seinem ersten offiziellen Besuch auf dem alten Kontinent gleich auf drei Gipfel eilen: das Weltfinanztreffen in London, den Nato-Jubiläumsgipfel in Straßburg und Baden-Baden und den EU-USA-Gipfel in Prag. Dort wird er auch noch von einem EU-Ratsvorsitzenden empfangen, dessen Regierung gerade gescheitert ist. Der europäische Multilateralismus lässt grüßen.

"Europa ist eben der Kontinent der Vielfalt", sagt Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Alles kein Problem, zumal die EU gelernt hat, auch ohne Führung zu funktionieren. Aber so sehr man in Europa den politischen Abstimmungsreigen in Mannschaftsstärke mittlerweile gewohnt ist - für den neuen Mann im Weißen Haus ist er definitiv neu. Und jedes mal, wenn ein US-Präsident über den Atlantik kommt, wird der Kreis derjenigen größer, die sich auf Gipfeln mit ihm ablichten lassen. Die obligatorischen "Familienfotos" gleichen mittlerweile Wimmelbildern. Immerhin wird es Obama leichter als andere haben, sich in der Masse der Staats- und Regierungschef wieder zu finden - er dürfte in der Mitte stehen.

Aber Diplomatie in Europa heißt auch, auf jeder Station dieselben bekannten Gesichter zu sehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarozy etwa jetten wie einige andere Europäer durch den gesamten Gipfel-Reigen. Der Teilnehmerkreis von Nato und EU ist ohnehin fast identisch und der G20-Gipfel längst kein G20-Gipfel mehr. So haben sich neben den G20-Mitgliedern Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien auch die Niederlande und Spanien mit großem diplomatischen Aufwand zusätzlich auf die Einladungsliste mogeln können - was bei nichteuropäischen Teilnehmern nur noch Kopfschütteln auslöst.

Die Häufung der Massen-Gipfel lassen zudem die Protokollabteilungen rotieren. Denn natürlich will jeder Regierungschef fürs heimische Publikum im Scheinwerferlicht glänzen. Besonders Obamas Medien- und Sicherheitsberater verursachen derzeit mit ihren Sonderwünschen in allen Gipfelstädten Kopfzerbrechen.

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