Gipfeltreffen: Entscheiderinnen unter sich

Gipfeltreffen
Entscheiderinnen unter sich

Der „Global  Female Leaders Summit“ in Zürich will zum Davos für Frauen werden. Das erste Gipfeltreffen der Powerfrauen zeigt: Frauen stellen andere Fragen als Männer  – und haben womöglich die besseren Antworten.
  • 0

ZürichWer angesichts der neuen Quotenregelung für Aufsichtsräte fragt: Wo sind die Frauen denn?, dem hätte man wohl diese Woche sagen müssen: in Zürich. Dort, im Luxushotel Dolder Grand mit Blick auf den Zürichsee, hatten sich von Montag bis Mittwochabend gut 100 Top-Managerinnen und Gründerinnen aus der ganzen Welt zum ersten „Global Female Leaders Summit“ getroffen hatten.

Der Anspruch des Treffens: kein geringerer, als einen weiblichen Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum in Davos zu setzen, wo Frauen häufig nur als Begleitung auftreten – selbst in Zeiten, in denen Führungsetagen weltweit merklich weiblicher werden. Die Idee der Veranstalter vom Eschborner Management Circle für Zürich war es daher, Frauen mit Erfahrung und Expertise aus der ganzen Welt zusammenzubringen, über Business-Chancen und Entrepreneurship diskutieren zu lassen und miteinander zu vernetzen.

Auf der Agenda standen gerade nicht die Debatte um Frauenquoten und Chancengleichheit, sondern, gender-neutral und inhaltlich ambitioniert, die Stabilität der Finanzmärkte, die Dynamik der arabischen Länder oder die Energieversorgung der Zukunft.

Zu Gast waren Managerinnen mit bekannten Gesichtern wie Opel-Marketingfachfrau Tina Müller, Mastercard-Finanzchefin Martina Hund-Mejean oder DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Unter den Teilnehmerinnen waren aber auch viele Frauen, die in Deutschland bislang unbekannt sind – und das zu Unrecht, wie ein Blick via www.globalfemaleleaders.com auf ihre beeindruckenden internationalen Werdegänge zeigt.

Männer, das nur als Randnotiz, waren übrigens ebenfalls geladen, sie wollte dort keiner ausschließen. Aber sie hatten allesamt zu spät zugesagt, um noch ins Programm integriert zu werden.

Sie hätten bei den Debatten oder nachmittäglichen Denkrunden auf der Terrasse mit Blick auf den hoteleigenen Golf Course und schneebedeckte Alpen definitiv nicht gestört. Sie hätten auch dazugelernt: Denn wenn Frauen die Mehrheit stellen, werden Themen anders diskutiert.

Etwa, als es um die Dynamik der Länder im arabischen Raum ging und bald die Frage aufkam: Was tun, wenn Voraussetzung für ein Geschäft ist, die Scharia als Vertragsgrundlage zu nehmen? Welche Rolle kann ich als Frau dort einnehmen? Oder als zum Beispiel eine britische Konzernchefin auf dem Podium locker darüber plauderte, dass sie einst, als der Sohn noch klein war und schlecht schlief, nachts oft die Not zur Tugend gemacht hatte: sich auf einen Stuhl stellte und ihre Reden und Vorträge einübte. Kann sich jemand einen deutschen Dax-Chef in dieser Rolle vorstellen? Wohl (noch) nicht.

Kommentare zu " Gipfeltreffen: Entscheiderinnen unter sich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%