Gipfeltreffen
EU wagt mit Medwedjew einen Neuanfang

Ausgerechnet in den Weiten Sibiriens wollen die Europäische Union und die russische Führung wieder zusammenfinden. Nach zwei Jahren des Streitens unter anderem über polnisches Fleisch und litauische Ölimporte wagt die EU mit dem neuem Kremlchef Dmitri Medwedjew einen Neuanfang.

HB MOSKAU/BRÜSSEL. Experten erwarten auch ohne Medwedjews Vorgänger Wladimir Putin schwierige Gespräche über Energielieferungen, Menschenrechte und Sicherheitsfragen auf dem weiten Weg zu einem neuen Partnerschaftsabkommen. Das Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag in der sibirischen Ölstadt Chanty-Mansijsk dürfte aber ganz im Zeichen des guten Willens stehen.

Die Fußball-Europameisterschaft 2008 wird auch einen weiten Schatten nach Westsibirien werfen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit der Brüssler Führung um EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Donnerstagabend will Medwedjew Kreml-Angaben zufolge auf keinen Fall das Halbfinale Russland gegen Spanien im Fernsehen verpassen.

Da die Begegnung aber frühestens um 2.40 Uhr Ortszeit in Chanty-Mansijsk beendet sein wird, wurde der offizielle Beginn der Gipfelgespräche kurzerhand auf den Freitagmittag geschoben.

Vor dem 21. Gipfeltreffen der beiden Partner betonte Russland ausdrücklich sein Interesse an einer Wiederannäherung an die EU. "Das ist ein sehr wichtiges Ereignis für unsere Zusammenarbeit mit der EU", sagte Medwedjews außenpolitischer Berater Sergej Prichodko in Moskau.

Das klang im Vorjahr noch anders. Russland zeigte sich der ständigen Kritik aus Brüssel an der Menschenrechtslage im Land überdrüssig und warf im Gegenzug der EU vor, es als "eine Art Labor" zu missbrauchen, in dem an der Gestaltung einer gemeinsamen Außenpolitik experimentiert werde. Unvergessen ist bis heute der offene Schlagabtausch, den sich im Vorjahr Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel als damalige EU-Ratsvorsitzende am Ufer der Wolga lieferten.

Die Wunschliste auf beiden Seiten bleibt lang. Die EU will von Russland mehr Sicherheit für die Versorgung mit Öl und Gas sowie für Investitionen im Energiebereich bekommen. Innerhalb der EU liebäugeln manche auch mit der Bildung einer übergeordneten Schiedsstelle für Energiestreitigkeiten. Immerhin decken die Staaten der EU 44 Prozent ihres Erdgas- und 27 Prozent des Rohölverbrauchs aus Russland.

Seite 1:

EU wagt mit Medwedjew einen Neuanfang

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%