Gipfeltreffen in Moskau
Obama definiert das Verhältnis zu Russland neu

US-Präsident Obama und der russische Präsident Medwedjew wollen ihre Beziehungen aufwärmen und kündigen in Moskau eine verstärkte Zusammenarbeit an. In die Abrüstungsdebatte kommt neue Fahrt: Über ein Nachfolgeabkommen des Abrüstungsvertrages Start-I besteht offenbar Einigkeit.

MOSKAU. US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitrij Medwedjew sind mit ersten Vereinbarungen in ihren zweitägigen Gipfel gestartet: Beide Seiten einigten sich auf eine grundlegende Marschroute bei der Abrüstung von Atomwaffen.

Außerdem sicherte Russland den USA zu, den Luftraum für Militärtransporte nach Afghanistan zu öffnen. Die Präsidenten wollten eine Reihe schwieriger Kapitel aus den vergangenen Jahren schließen und „neue Seiten aufschlagen“, sagte Medwedjew bei der Begrüßung.

Dabei war den Präsidenten klar, dass dies keine einfache Visite werden würde. Die Agenda ist vollgepackt: schwierige Abrüstungsfragen sowie eine gemeinsame Haltung zu den Konfliktherden Iran, Afghanistan und Nordkorea. Dabei sind sich Moskau und Washington weiter in vielen Fragen uneins, von den US-Plänen für eine Raketenabwehr in Mitteleuropa bis zur territorialen Einheit Georgiens und der möglichen Nato-Erweiterung.

Obama trifft zudem auf ein Land, das den USA inzwischen mit tiefem Misstrauen gegenübersteht. Sahen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion rund 80 Prozent der Russen die USA positiv, ist diese Zahl heute auf 36 Prozent geschrumpft. Antiamerikanismus gehört bei vielen russischen Politikern zum guten Ton – selbst wenn sie ihre Kinder zum Studium an eine Elite-Uni in den Westen schicken. Daran hat bislang auch der Wechsel von George W. Bush zu Obama nichts geändert. In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM unterstellten ihm nur fünf Prozent eine positive Haltung zu Russland.

In seinem Team, in dem er eine ganze Reihe namhafter Russland-Experten versammelt hat, herrschen Medienberichten zufolge offenbar auch keine großen Illusionen über die politische Elite in Moskau und ihre nationalistische Grundhaltung, dafür aber auch Einigkeit, dass es keinen Sinn ergibt, Russlands Verhalten steuern zu wollen. Klar ist, dass Obama auf Medwedjew setzt: Über sechs Stunden verbrachte er mit seinem Amtskollegen. Für Ministerpräsident Wladimir Putin bleibt nur Zeit für ein Frühstück.

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