Gipfeltreffen in Washington
IWF findet keine Lösung im Währungsstreit

Trotz der wachsenden Angst vor einer Abwertungsspirale infolge des ungelösten Währungsstreits ist das Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Wie auch? Die Chinesen selbst entscheiden über eine Auf- oder Abwertung des Yuan, sonst niemand. Soll der IWF mehr Macht bekommen?
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Am Freitagmorgen ist das Four Seasons Hotel auf der Pennsylvania Avenue belagert. Schwarze Lincoln und Mercedes-Limosinen stehen dicht gedrängt und versperren Ein- und Ausfahrt. Ein schwarzer Portier versucht dem Ganzen Herr zu werden. Bläst heftig in seine Trillerpfeife und hält ein Schild hoch: San Paolo Imi steht darauf. Nur Nobelkarossen, die von Gästen der italienischen Bank gefahren werden, sollen hier parken. Alle anderen nicht.

Ein Bild, wie es regelmäßig im Herbst in allen Tophotels in Washington zu beobachten ist, ob sie nun Fairmont, Ritz Carlton oder Westin Grand Hotel heißen. Immer im Oktober nutzen Banker aus allen Ecken der Welt die Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank, um Geschäfte einzufädeln, Kontakte zu knüpfen und über die wichtigen Finanzthemen dieser Welt zu diskutieren. Basel III liegt ihnen diesmal schwer im Magen. Die neuen Eigenkapitalregeln für die Banken sollen die neue Welt nach der Pleite der Investmentbank Lehman sicherer machen.

Mindest ebenso wichtig für vielgescholtenen Banker ist jedoch, was am Wochende im Herzen Washingtons passiert, dort, wo die Pennsylvania Avenue sich mit der 19. Straße kreuzt. Dort, wo zwei wuchtige Bürokästen stehen: rechts der Internationale Währungsfonds (IWF), links die Weltbank. Menschentrauben blockieren die Fusswege. Männer aller Hautfarben und jeden Alters im dunklen Tuch, dazwischen Frauen im Business-Kostüm mit hochhakigen Schuhen und weißer Bluse und als Farbtupfer ein paar Westafrikaner mit ihrer bunten traditionellen Stammestracht, die der Wind hoch weht. Wieder und immer wieder nerven die heulenden Sirenen der Polizeifahrzeuge. Und laute Rotorengeräusche der Hubschrauber sind die Begleitmusik einfliegender Top-Politiker.

Tausende streben auch 2010 in die Gebäude von IWF und Weltbank. Die Hauptakteure, die Politiker und Notenbanker der inzwischen 187 Staaten, die zur Jahreshauptversammlung zusammenkommen. Ein Anlass, besser ein Finanzgipfel, der neben Bankern auch Entwicklungsexperten und Ökonomen aus aller Herren Länder anlockt.

Obwohl. Eigentlich ist in diesem Jahr bereits das meiste gesagt. Erstaunlich im Jahr drei nach der Finanzkrise, die die Welt an den Rand des Abgrundes drängte, als der IWF plötzlich unter dem Franzosen Dominik Strauß-Kahn aus der Versenkung auftauchte.

Heute ist die Rolle unstrittig, die der Währungsfonds und vor allem sein Chef als Retter der Welt spielen. DSK, wird der Franzose auch genannt. Eine Dreier-Buchstabenkombination, die Wichtigkeit ausstrahlt wie der IWF selbst oder gar die USA. Und Monsieur Wichtig gab schon einmal am Donnerstag allen die entscheidende Botschaft mit auf ihren Weg nach Washington.

Er griff China direkt an und forderte von der Volksrepublik, endlich ihre Währung stärker aufzuwerten. Sonst könnte es zu einer neuen Krise kommen, warnte Strauss-Kahn in der französischen Zeitung Le Monde. Und sein Kollege und Weltbank-Chef Robert Zoellick, setzte noch einen drauf. Der Amerikaner und ehemalige oberste US-Politiker des Welthandels warnte ganz im Sinne der amerikanischen Regierung: Es bestehe die Gefahr, die Fehler der 1930er Jahre zu wiederholen. Damals hatten die wichtigen Staaten ihre Grenzen dicht gemacht, der Welthandel kollabierte und die Weltwirtschaftskrise verschärfte sich dramatisch.

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  • Es gibt keine lösung...

  • Der sog. Währungsstreit ist ein harter Poker zwischen den USA und China, der Rest der Welt ist dabei bestenfalls Randstaffage.

    Nicht ganz zufällig hat China die besseren Karten und erhöht den Einsatz. Die USA sind viel zu lange den bequemen Weg gegangen und haben nichts gegen ihr wachsendes Handelsdefizit mit China, aber auch weltweit, unternommen. Nun ist es vielleicht schon zu spät, da die industrielle basis inzwischen weitgehend weggebrochen ist. Eine bittere Erkenntnis.

    Strafzölle gegen China? Dann hat Wal-Mart nichts mehr zu verkaufen und die US-Firmen, die schon längst in China fertigen, müssen ihre Preise neu kalkulieren. Das wäre der offizielle Einstieg in die inflationsspirale, die den Dollar erst recht tauchen ließe.

    Den Dollar gleich weiter abwerten? Das ist ja schon im Gange. Und das Erwachen wird rüde sein, sobald Rohstoffe dann nicht mehr in Dollar gehandelt werden. Aber auch dieser Tag wird kommen.

    Den Chinesen das Gold in Fort Knox anbieten für ihre $-Guthaben. Der Präsident kann besser gleich Harakiri begehen.

    Das amerikanische Modell - immer größer, immer besser, immer reicher - beerdigen? Die Amis sind eigentlich schon seit 2000 dabei, nur gemerkt haben sie es noch nicht.

    Leute, zieht Euch warm an, es wird noch einige Überraschungen geben in nächster Zeit.

  • ich schließe mich der Auffassung von Zeitzeuge [1] mit Punkt und Komma an. Handel ist erforderlich, um den Vorteil der geteilten arbeitswelt auszukosten. Die Kosten, die die Finanzmärkte herbei führen, sind schwer verdaulich, oder sagen wir toxisch.

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