Gipfeltreffen

Merkel bekommt Verbündeten gegen Euro-Bonds

Lange haben Deutschland und Frankreich die Euro-Probleme unter sich geregelt. Dann stieß der italienische Ministerpräsident dazu. Nach der Wahl in Frankreich soll die Runde um einen Euro-Bonds-Gegner erweitert werden.
8 Kommentare
Italiens Ministerpräsident, Mario Monti, Bundeskanzlerin, Angela Merkel, Spaniens Ministerpräsident, Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident Francois Hollande. Quelle: Reuters

Italiens Ministerpräsident, Mario Monti, Bundeskanzlerin, Angela Merkel, Spaniens Ministerpräsident, Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident Francois Hollande.

(Foto: Reuters)

BerlinDie vier größten Volkswirtschaften der Eurozone suchen im Ringen um einen Ausweg aus der Schuldenkrise den Schulterschluss. Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien planen nach Angaben der Bundesregierung dazu ein Gipfeltreffen. Es liefen derzeit die Absprachen für einen Termin, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs neuem Staatspräsidenten Francois Hollande und den Regierungschefs von Italien und Spanien, Mario Monti und Mariano Rajoy, sei in Rom geplant.

Die Initiative ging offenbar von Monti aus. Besonders umstritten ist derzeit die Forderung Hollandes nach der Ausgabe von Euro-Bonds, gemeinschaftlichen Anleihen aller Eurostaaten. Damit würden die Zinslasten der Krisenländer wie Spanien und Italien sinken. Deutschland müsste indes für seine Refinanzierung mehr bezahlen. Monti tendiert für die Einführung von Euro-Bonds, während Rajoy sich eher skeptisch geäußert hat. Merkel indes hat mehrfach klargemacht, dass sie Euro-Bonds strikt ablehnt, solange eine Fiskalunion zur gegenseitigen Kontrolle der Haushaltsführung nicht existiert. Zudem strittig ist die Frage, wie in den Krisenländern Wachstumsimpulse gesetzt werden können. Entscheidungen dazu sollen beim nächsten EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel fallen.

In Deutschland stützt eine große Mehrheit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Ablehnung sogenannter Eurobonds. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sprachen sich 79 der Befragten gegen gemeinsame europäische Anleihen aus, nur 14 Prozent befürworteten sie. Allerdings sind nach der Erhebung viele Deutsche bereit, mit neuen Schulden die Konjunktur anzukurbeln. 62 Prozent befürworten schuldenfinanzierte Wachstumsimpulse, 27 Prozent lehnen dies ab.

Zunehmend skeptisch wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone gesehen. Nur noch 31 Prozent der Befragten plädierten für einen Verbleib, 60 Prozent lehnten dies ab. Im vergangenen November hatten noch 41 Prozent dafür gestimmt, Griechenland in der Währungsunion zu halten, dagegen waren 49 Prozent. Derzeit erwartet jeder zweite Deutsche eher Nachteilen, wenn Deutschland in der Euro-Zone bleiben sollte. Für 45 Prozent hat die Gemeinschaftswährung eher Vorteile.



  • dpa
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Gipfeltreffen - Merkel bekommt Verbündeten gegen Euro-Bonds

8 Kommentare zu "Gipfeltreffen: Merkel bekommt Verbündeten gegen Euro-Bonds"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die IWF Chefin Madame Lagard und H. Draghi suchen über Eurobonds neue Gläubiger (Deutschland) für drohenden Zahlungsausfälle und setzen Merkel unter Druck. Deutschland kann nicht "alles retten"!
    Das Unmögliche muß ausgesprochen werden: Bei Einführung von Eurobonds, sollte Deutschland die "Notbremse ziehen" und den "Währungsraum verlassen"!

  • Merkel steckt in der klemme,mitEurobonds wären vielen Zockern die Grundlage genommen und das europäische Schiff käme wieder in ruhige Gewässer.Wenn das für die Südeuropäer aber gleichzeitig der Startschuss für nochmehr Schulden wäre geht der Schuss nach hinten los.Griecenland ist da ein warnendes Beispiel mit den Aussagen von einigen Politikern die am liebsten die Gelddruckmaschienen rund um die Uhr laufen lassen würden.

  • Beide oben genannten Beträge sind natürlich Mrd, und nicht Mill.Euro. sorry !

  • Meiner Ansicht hat sich die Politik nicht nur als absolut unfähig erwiesen,sondern hat auch das deutsche Volk belogen und getäuscht und daher sollten wir schnellst möglich aus dieser Pleitegemeinschaft austreten.Natürlich möchten die große Mehrzahl der Euroländer durch Deutschlands Bonität von niedrigen Zinsen profitieren um so weiterzumachen wie bisher. Auch das haben viele doch zur Genüge bewiesen, und allen voran GR, das ca. 150 Mill. Euro
    zur Vorbereitung auf den Euro erhalten haben und jetzt wieder ca. 100 Mill durch Schuldenverzicht der privaten Gläubiger, plus Gelder von D und vom IWF. Übrigens sind
    die Portugiesen weit mehr betroffen von Kürzungen als die Griechen, die von so vielen so bedauert werden und die dies so wenig anerkennen sondern noch massiv um mehr Geld feilschen.

  • In Deutschland stützt eine Mehrheit die Ablehnung der Eurobonds. Ja wen wunderts denn, wenn darüber so viel Unsinn in den Medien bei den Menschen verbreitet wird. Wir, das sind die Menschen in Deutschland und in anderen Staaten, zahlen doch jetzt auch schon die höheren Zinsen für Griechenland u.a. an deren Gläubigerbanken. Wenn mit den Eurobonds 3,5% Zins für Bonds von allen Ländern zu zahlen sind, dann hört endlich die Zinstreiberei der Banken gegen einzelne Länder auf und es müssen nicht immer neue Rettungsschirme aufgespannt werde, die bei dem offensichtlichen Scheitern der Austeritätsprogramme nicht mehr ausreichen, wenn Spanien oder Italien wackeln. Man muss sich fragen, warum Frau Merkel das dann weiterhin stur ablehnt. Ist das nicht eine Form katastrophaler Belehrungsresistenz. Es ist doch unser aller Geld, das zur Disposition steht, wenn die Währungsunion scheitern sollte.

  • Europa diskutiert nur noch darüber, wo man für die Neuverschuldung billiges Geld bekommt und wen man dafür zahlen lassen könnte. Auf dieser Basis braucht Deutschland kein Europa und keinen Euro und sollte sinnvollerweise das Ganze einstellen.

  • Auch Österreichs Finanzministerin ist dagegen. Und die Opposition auch. Lediglich Kanzler Faymann SPÖ) ist dafür, wohl um seinem sozialistischen Kollegen Hollande nicht zu widersprechen.

  • Sie werden die Merkel schon weichklopfen und dann kann man kurzfristig unscheniert weiter Schulden machen, bis wir gemeinsam hochgehen und unserer Renten und Sparguthaben im Süden verkonsumiert und auf Schuldenpartys verfeiert wurden. Gott schicke einen Blitz!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%