Gipfeltreffen
Merkel bekommt Verbündeten gegen Euro-Bonds

Lange haben Deutschland und Frankreich die Euro-Probleme unter sich geregelt. Dann stieß der italienische Ministerpräsident dazu. Nach der Wahl in Frankreich soll die Runde um einen Euro-Bonds-Gegner erweitert werden.
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BerlinDie vier größten Volkswirtschaften der Eurozone suchen im Ringen um einen Ausweg aus der Schuldenkrise den Schulterschluss. Die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien planen nach Angaben der Bundesregierung dazu ein Gipfeltreffen. Es liefen derzeit die Absprachen für einen Termin, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs neuem Staatspräsidenten Francois Hollande und den Regierungschefs von Italien und Spanien, Mario Monti und Mariano Rajoy, sei in Rom geplant.

Die Initiative ging offenbar von Monti aus. Besonders umstritten ist derzeit die Forderung Hollandes nach der Ausgabe von Euro-Bonds, gemeinschaftlichen Anleihen aller Eurostaaten. Damit würden die Zinslasten der Krisenländer wie Spanien und Italien sinken. Deutschland müsste indes für seine Refinanzierung mehr bezahlen. Monti tendiert für die Einführung von Euro-Bonds, während Rajoy sich eher skeptisch geäußert hat. Merkel indes hat mehrfach klargemacht, dass sie Euro-Bonds strikt ablehnt, solange eine Fiskalunion zur gegenseitigen Kontrolle der Haushaltsführung nicht existiert. Zudem strittig ist die Frage, wie in den Krisenländern Wachstumsimpulse gesetzt werden können. Entscheidungen dazu sollen beim nächsten EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel fallen.

In Deutschland stützt eine große Mehrheit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Ablehnung sogenannter Eurobonds. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sprachen sich 79 der Befragten gegen gemeinsame europäische Anleihen aus, nur 14 Prozent befürworteten sie. Allerdings sind nach der Erhebung viele Deutsche bereit, mit neuen Schulden die Konjunktur anzukurbeln. 62 Prozent befürworten schuldenfinanzierte Wachstumsimpulse, 27 Prozent lehnen dies ab.

Zunehmend skeptisch wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone gesehen. Nur noch 31 Prozent der Befragten plädierten für einen Verbleib, 60 Prozent lehnten dies ab. Im vergangenen November hatten noch 41 Prozent dafür gestimmt, Griechenland in der Währungsunion zu halten, dagegen waren 49 Prozent. Derzeit erwartet jeder zweite Deutsche eher Nachteilen, wenn Deutschland in der Euro-Zone bleiben sollte. Für 45 Prozent hat die Gemeinschaftswährung eher Vorteile.



dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gipfeltreffen: Merkel bekommt Verbündeten gegen Euro-Bonds"

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  • Die IWF Chefin Madame Lagard und H. Draghi suchen über Eurobonds neue Gläubiger (Deutschland) für drohenden Zahlungsausfälle und setzen Merkel unter Druck. Deutschland kann nicht "alles retten"!
    Das Unmögliche muß ausgesprochen werden: Bei Einführung von Eurobonds, sollte Deutschland die "Notbremse ziehen" und den "Währungsraum verlassen"!

  • Merkel steckt in der klemme,mitEurobonds wären vielen Zockern die Grundlage genommen und das europäische Schiff käme wieder in ruhige Gewässer.Wenn das für die Südeuropäer aber gleichzeitig der Startschuss für nochmehr Schulden wäre geht der Schuss nach hinten los.Griecenland ist da ein warnendes Beispiel mit den Aussagen von einigen Politikern die am liebsten die Gelddruckmaschienen rund um die Uhr laufen lassen würden.

  • Beide oben genannten Beträge sind natürlich Mrd, und nicht Mill.Euro. sorry !

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