Giuliani und McCain halten Eröffnungsreden
Hunderttausende protestieren gegen Bush

Hunderttausende Amerikaner haben unmittelbar vor dem Wahlparteitag der regierenden Republikaner in New York in den Straßen der Metropole gegen Präsident George W. Bush und seine Politik protestiert.

HB NEW YORK. Auf Transparenten waren Losungen wie „Nie mehr Bush“ oder „Bush lügt, und wer muss sterben?“ zu lesen. Zur Eröffnung des viertägigen Parteikongresses am Montag wollten sich New Yorks früherer Bürgermeister Rudolph Giuliani und der Senator von Arizona, John McCain, an die Delegierten wenden. Zudem waren Reden dreier Angehöriger von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 geplant. Bush steht bei dem Parteitag, auf dem er offiziell als republikanischer Kandidat für die Präsidentenwahl am 2. November gekürt werden soll, vor einer Gratwanderung. Er muss seine Führungsrolle nach den Anschlägen hervorheben, darf dabei aber nicht den Eindruck hinterlassen, im Wahlkampf aus dem Tod von 3 000 Menschen politisch Kapital schlagen zu wollen. In jüngsten Umfragen hat Bush gegenüber seinem Herausforderer John Kerry an Boden gewonnen und liegt nun knapp vor ihm.

Die Organisatoren der Demonstrationen am Sonntag schätzen die Zahl der Teilnehmer, die rund fünf Stunden lang durch die Stadt zogen, auf 400 000. Die Polizei nannte keine Zahl, sagte aber, der Protestzug habe sich über mehr als 1,6 Kilometer auf zwei großen Boulevards von Manhattan erstreckt. Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot präsent. Krawalle blieben aber aus. 200 Personen wurden nach Polizeiangaben festgenommen, aber nur 15 Festnahmen hätten in direktem Zusammenhang mit dem Protest gestanden. „Wie wir erwartet haben, war die große Mehrheit der Demonstranten friedlich“, sagte ein Polizeisprecher. Hunderte Demonstranten umgingen ein Verbot zum Betreten des Central Parks und picknickten dort. Sie legten sich ins Gras und bildeten mit ihren Körpern ein riesiges Friedenszeichen.

Die Route des Demonstrationszuges führte in Manhattan auch am Madison Square Garden vorbei, dem Ort des Parteitags. Der Zugang dort ist aus Furcht vor Anschlägen streng gesichert. Betonblocks sollen Attentate mit Autobomben verhindern.

Giuliani und McCain halten Eröffnungsreden

Den Auftakt zum Parteitag bildeten die Reden McCains und Giulianis, die als gemäßigte Vertreter ihrer Partei das erzkonservative Image der Republikaner aufweichen sollen. Für Dienstag wurde eine Ansprache des ebenfalls moderaten kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger erwartet.

„Er (Bush) hat sich bewährt und der wichtigsten Herausforderung unserer Zeit gestellt“, hieß es im vor Beginn des Parteitages veröffentlichten Redemanuskript McCains. Auch Giuliani verwies in seiner vorab verbreiteten Rede auf Führungsqualitäten von Bush: „Bei der Wahl des Präsidenten wählen wir keinen Republikaner oder Demokraten, keinen Konservativen oder Liberalen. Wir wählen eine Führungspersönlichkeit ... Und in Zeiten der Gefahr, in denen wir uns derzeit befinden, sollten Amerikaner die Führungskraft ins Zentrum ihrer Entscheidung stellen.“ Bush sei Garant für die effiziente Bekämpfung des internationalen Terrorismus und werde die USA sicherer machen.

Umfragen zufolge ist der von Bush ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ trotz aller Unzufriedenheit über die Wirtschaftslage und dem Irak-Krieg für viele Amerikaner der entscheidende Grund, ihm im November ihre Stimme zu geben.

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