Gläubiger enttäuscht
Eichel appelliert an argentinische Regierung

Bundesfinanzminister Hans Eichel hat die argentinische Regierung aufgefordert, sich privaten Gläubigern gegenüber flexibler zu zeigen. Das hoch verschuldete Land solle diesen Anlegern „weniger harte Bedingungen“ auferlegen, sagte Eichel vor Wirtschaftsvertretern in der argentinisch-deutschen Handelskammer von Buenos Aires am Mittwoch.

HB BUENOS AIRES. „Die Anleger in Deutschland erwarten nicht, dass ihre Ansprüche zu 100 % erfüllt werden“, sagte Eichel am Mittwochabend in Buenos Aires. Das von der argentinischen Regierung vorgelegte Umschuldungsangebot sei ungewöhnlich hart und betrage bei Bargeldbetrachtung rund 90 %: „Das dürfte die Verzichtsbereitschaft der Anleger jedoch bei Weitem übersteigen.“

Eichel äußerte sich in einer Rede vor deutschen Wirtschaftsvertretern in dem südamerikanischen Land unmittelbar nach einem Gespräch mit Präsident Nestor Kirchner. Kirchner gilt als Vertreter eines harten Kurses des Landes gegen die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Forderungen der privaten Gläubiger.

Das nach der Finanzkrise der vergangenen Jahre unter einem Schuldenberg leidende Argentinien hatte angeboten, auf jeden geliehenen Dollar lediglich 25 Cent zurück zu zahlen. Unter Einbeziehung der aufgelaufenen Zinsen würden die Anleger damit rund 90 % ihres Kapitals verlieren. Der IWF prüft derzeit, ob das Land seine bisherigen Auflagen erfüllt. Kirchner hat die Rückzahlung einer Kredittranche im März davon abhängig gemacht, dass diese Prüfung positiv ausfällt. Eine der Bedingungen des IWF ist ein Beitrag zu Lösung der Schuldenfrage.

„Die Phase, in der Argentinien öffentliche Schulden nicht bedient, dauert schon viel zu lange“, sagte Eichel. Dies sei aus der Sicht eines Europäers nur schwer zu verstehen: „Gerade in Deutschland gibt es viele tausend Menschen, die ihre Ersparnisse früheren argentinischen Regierungen geliehen haben, in der Hoffnung, dieses Geld plus Rendite zurück zu erhalten.“ Die Menschen seien vom Verhalten der argentinischen Regierung tief enttäuscht. Es habe immer noch keine Verhandlungen mit den Gläubigern gegeben.

Eichel betonte, er werde sich nicht mit einem eigenen Lösungsvorschlag einmischen, da die Bundesregierung in dem Prozess keine handelnde Partei sei: „Aber ich würde es sehr begrüßen, wenn Argentinien schnell in konstruktive Verhandlungen mit den ausländischen Gläubigern eintreten würde und ein weniger harsches Angebot einreicht.“ Die Umschuldungsbedingungen seien im Moment so günstig wie selten. Längeres Warten werde für Argentinien eventuell teurer.

„Argentinien wird in Zukunft erneut den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt brauchen“, sagte Eichel. Ohne eine Einigung mit den privaten Gläubigern werde das Land der Zugang zu den privaten Kapitalmärkten auf sehr viele Jahre versperrt: „Diese Wachstumsoption darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ Von der Lösung der Schuldenfrage werde sehr stark abhängen, ob und in welchen Umfang Investitionen in Argentinien stattfinden werden.

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