Glaubenskrieg in der Wüste
250 Tote bei Kämpfen in Jemen

Schiiten gegen Sunniten, Rebellen gegen Stammesangehörige - durch den Jemen verlaufen viele verworrene Konfliktlinien. Ein Friedensabkommen von Ende September hat die Gewalt nicht gestoppt.
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SanaaFünf Wochen nach dem Friedensabkommen im Jemen eskalieren neue Kämpfe: Binnen drei Tagen seien in der Provinz Al-Baida mindestens 250 Menschen getötet worden, hieß es am Montag aus Sicherheitskreisen. Der einflussreiche Kifa-Stamm lieferte sich den Angaben zufolge Gefechte mit schiitischen Huthi-Rebellen und vertrieb diese schließlich aus einem Viertel der Stadt Radaa.

Die Huthi-Rebellen hatten im September handstreichartig Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa übernommen und danach ein Friedensabkommen mit der jemenitischen Regierung geschlossen, das ihnen weitreichende Befugnisse zugesteht. Dennoch kämpfen die mutmaßlich vom Iran unterstützten Huthi weiter gegen diverse Stämme und gegen Anhänger des sunnitischen Terrornetzwerks Al-Kaida.

Vergangene Woche waren sie in die rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegene Stadt Radaa eingedrungen, nachdem ein örtlicher Armeekommandeur mit seinen Truppen von dort abgezogen war. Der Offizier soll ein Anhänger des gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh sein, der wiederum jetzt gemeinsame Sache mit den Huthis gegen die islamistische Islah-Partei machen soll.

Erstmals seit dem Friedensabkommen äußerte der derzeitige Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi heftige Kritik an den Huthis. Die Huthis breiteten sich unter diversen Vorwänden und Parolen in mehreren Provinzen immer weiter aus. Angesichts der Friedensvereinbarung sei dies unverständlich und inakzeptabel, sagte Hadi am Sonntag.

Das verarmte Land auf der arabischen Halbinsel leidet nicht nur unter dem Vormarsch der schiitischen Rebellen und dem Terror von Al-Kaida-Anhängern, sondern auch unter wirtschaftlicher Not. Daraus entsprangen Widerstand und Rebellion. In seinem einst eigenständigen Südteil gibt es eine Abspaltungsbewegung.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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