Gleb Pawlowskij
Interview: „Es kann eine Sensation geben“

Gleb Pawlowskij gehört zu Russlands einflussreichsten Politikberatern. Sein "Fonds für effektive Politik" plant seit Jahren Wahlkämpfe für die dem Kremel nahestehenden Parteien. Diesmal ist er "Spindoctor" für die Kremel-Partei "Einheitliches Russland".

Handelsblatt:

Ist der Ausgang der Dumawahl am Sonntag schon entschieden?

Pawlowskij: Nein, es ist eine Sensation möglich. Vor allem das Einbrechen der Kommunisten ist zu erwarten. Daran haben wir ein Jahr lang gearbeitet, und es könnte so kommen, auch wenn die Umfragen die Kommunistische Partei noch bei mehr als 20 % sehen. Aber keine der bisherigen Wahlen in Russland ist bislang so gelaufen, wie es prognostiziert worden war.

Handelsblatt: Welche Überraschungen sind noch zu erwarten?

Pawlowskij: Die wirtschaftsliberalen Parteien werden vom Wähler abgestraft, es wird eine moralische Zertrümmerung der Rechten geben. Die „Union Rechter Kräfte“ (SPS) kommt wohl noch ins Parlament, aber wenn „Jabloko“ das schaffen würde – wäre das ein Wunder. Die Wähler dieser Parteien sind tief enttäuscht, weil „Jabloko“ und SPS nichts für sie erreicht haben. Diese Wähler werden wohl bei der neuen Vaterlandspartei ankreuzen, die vor allem in den großen Städten Russlands hohe Zustimmungsraten genießt, leider aber eine populistisch-linke Partei ist.

Handelsblatt: Kann die Kreml-Partei „Einheitliches Russland“ eine Zweidrittelmehrheit bekommen?

Pawlowskij: Allein nicht. Aber mit den verbündeten Parteien zusammen kann Präsident Putin immer eine Zweidrittelmehrheit bekommen, wenn er es will oder braucht. Allerdings glaube ich nicht, dass Putin über die Wahlen hinaus noch eine dritte Amtszeit im Jahr 2008 anstrebt.

Handelsblatt: Ist denn Putins Wiederwahl bei der Präsidentenwahl im kommenden März klar?

Pawlowskij: Seine Wiederwahl ist kein Problem. Die Frage ist nur, mit welchem Programm er antritt und was dessen Umsetzung für die Auswahl eines Nachfolgers heißt. Putins Wirtschaftsberater Andrej Illarionow weist ja zu Recht darauf hin, dass die geplante Besteuerung der Rohstoffförderung verheerend für die russische Wirtschaft wäre. Dies könnte darüber hinaus Putins Plan gefährden, das Bruttoinlandsprodukt binnen zehn Jahren zu verdoppeln. Das wird noch eine schwere Schlacht.

Die Fragen stellte Mathias Brüggmann.

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