Globale Risiken
Verschuldung schwächt die Staaten enorm

Das Weltwirtschaftsforum blick pessimistisch in die Zukunft: Die Aussichten für 2009 seien düster, sagen die Experten in ihrem Bericht "Globale Risiken 2009". Insbesondere der chinesischen Wirtschaft drohe eine harte Landung und die hohen Defizite der westlichen Länder könnten ihre langfristige Finanzsituation gefährden.

LONDON. Die wachsende Verschuldung westlicher Regierungen, eine harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft und ein weiteres Abbröckeln von Vermögenswerten gehören zu den globalen Risiken, die die Wirtschaft derzeit bedrohen. „Die Aussichten 2009 sind für die meisten Wirtschaften düster“, heißt es in dem Bericht „Globale Risiken 2009“ des Weltwirtschaftsforums, der gestern zwei Wochen vor der jährlichen Konferenz des Forums in Davos vorgestellt wurde. Die Stützmaßnahmen für das Finanzsystem in Ländern mit hohen Defiziten wie den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien höhlten die langfristige Finanzsituation der betroffenen Staaten aus.

Den „fast unvermeidlichen“ Rückgang des chinesischen Wachstums auf sechs Prozent bezeichnet der Bericht als „harte Landung“ mit schweren Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft. Betroffen seien Chinas Sozialpolitik, seine Unterstützung für die Klimapolitik, Handelspartner in Ostasien und Rohstoffländer wie Brasilien. Wegen Chinas Dollarvermögen in Höhe von zwei Billionen Dollar habe Chinas Einbruch auch Konsequenzen für das Weltfinanzsystem.

Ganz oben auf der Liste steht auch ein zum ersten Mal genanntes Risiko – die „Glaubwürdigkeitslücke“ in der globalen Regierungsverantwortung. Mangelnde Koordination und fehlende übergreifende Verantwortlichkeit begünstigten die „Tendenz zu Panikmaßnahmen und Kurzzeitdenken“. Internationale Organisationen seien nicht für eine Krise gerüstet, die keine Grenzen kenne und über die Kompetenz einzelner Regierungen“ hinausgehe.

„Zu den größten Gefahren gehört, dass wir über der kurzfristigen Krisenbekämpfung die langfristige Risikoperspektive aus den Augen verlieren“, warnt einer der Autoren, Daniel Hofmann, Chefökonom von Zurich Financial Services. Als Beispiel der Glaubwürdigkeitslücke nennt er den G20-Gipfel im November. Versprechungen, die Welthandelsrunde schnell durchzuziehen und nicht in Protektionismus zu verfallen, seien nach 72 Stunden gebrochen worden.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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