Globaler Armutsbekämpfer

Weltbank will Euro-Schuldensündern helfen

Kurswechsel in Washington: Unter ihrem neuen Chef Jim Yong Kim ist die Weltbank bereit, entwickelten Krisenstaaten wie Griechenland zu helfen. Allerdings nur auf Einladung. Denn aufdrängen möchte man sich nicht.
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Der neue Weltbankchef Jim Yong Kim. Quelle: dpa

Der neue Weltbankchef Jim Yong Kim.

(Foto: dpa)

Berlin/WashingtonDas Angebot entbehrt nicht einer gewissen Ironie: der globale Armutsbekämpfer Nummer Eins, die Weltbank, will sich jetzt auch um europäische Krisenländer wie Griechenland kümmern. Sind die krisengeplagten Länder des europäischen Währungsraumes schon so weit, dass sie in das vorherrschende Kunden-Profil der Weltbank passen, deren Schwerpunkt bei Hilfen für weniger entwickelte Länder in der Welt liegt? Erste Äußerungen des neuen Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim unmittelbar nach seinem Amtsantritt deuten dies jedenfalls an. Die Weltbank stehe mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen bereit, auch krisengeschüttelten Euro-Ländern wie Griechenland bei Strukturproblemen zu helfen.

Aufdrängen will sich der Arzt und Anthropologe Kim nicht. "Wir gehen nur in Länder, wenn wir eingeladen werden", stellte er klar. Aber wenn die Erfahrungen der Bank gefragt seien, müsse man nur anfragen. Das gelte nicht nur für arme Länder, sondern auch für die, die gemeinhin den "Reichen" zugerechnet werden wie die Euro-Krisenländer. Denn in dieser "entscheidenden Stunde" für die weltweite Konjunktur sehe er es als seine Hauptaufgabe, auch entwickelte Länder zu unterstützen.

Mit seinem Angebot setzt Kim gleich nach Amtsantritt neue Zeichen. Sein Vorgänger Robert Zoellick hatte sich solchen Ansinnen noch verweigert. Womöglich könnten die positiven Effekte einer Helferrolle der Weltbank in Griechenland für das Land weniger nützlich sein, als sie dem Ruf der Weltbank schaden könnte, hatte Zoellick noch Mitte Juni gemutmaßt.

Die Weltbank mit ihren über 9000 Experten hat viel zu bieten, wenn es um die Unterstützung von Reformen von Problemländern geht. Nach ihrer Gründung im Jahre 1944 war der wirtschaftliche Wiederaufbau in vielen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg eine ihrer Kernaufgaben. Allerdings bildete sich in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr eine klare Aufgabenteilung zwischen den Zwillingen Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) heraus: die Weltbank als maßgebliche Institution für die Entwicklungshilfe und -förderung mit Schwerpunkt auf den ärmeren Staaten dieser Welt und der IWF als Helfer auch für die großen "reichen" Länder, wenn es um globale Krisen und existenzielle Gefahren für die weltweite Finanz- und Währungsstabilität ging. Nun könnte die Weltbank dem IWF als globaler Krisenberater und -überwinder Konkurrenz machen.

Weltbank-Schwerpunkt in Europa liegt in Osteuropa
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9 Kommentare zu "Globaler Armutsbekämpfer: Weltbank will Euro-Schuldensündern helfen"

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  • Liebes Handelsblatt, der Weltbankchef ist Arzt und kein Physiker. physician ungleich physicist

  • Das alles ist so unfassbar wie damals als Hitler hochkam und sich einfach vor den Augen aller ein Film abspielte der als Horror endete...und alle gafften munter zu.

  • Der Griechenland-Link ist "bemerkenswert"
    (z.Bsp. Barroso)

  • Der reiche Grieche vom Genfersee
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Der-reiche-Grieche-vom-Genfersee/story/12013534

    Privat sind viele Italiener wohlhabend
    http://derstandard.at/1319183241224/340000-Euro-pro-Haushalt-Privat-sind-viele-Italiener-wohlhabend

    Noch Fragen?

  • "Bislang hat die Institution ihre Ressourcen und Expertise auf Schwellen- und Entwicklungsländer konzentriert. Kernaufgabe ist die Förderung ärmerer Staaten."

    Griechenland IST ein Entwicklungsland!

  • Von mir aus.

    Ist ja nur zu 5,81% deutsches Geld.

    Nur weiter den Kleptokraten den Gierschlund füllen!

  • So lange es auch nur einen griechischen Millionär gibt, gibt es keinen Grund auch nur einen Euro Kredit zu geben. Das gleiche gilt für Spanien und Italien.

  • Nein, diskriminierend und männerfeindlich.
    Sonst noch eine Mitteilung, die am Thema vorbeigeht ? ;-)

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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