Globalisierung
Asiaten sichern sich in Afrika Agrarrohstoffe

Im weltweiten Wettkampf um Rohstoffe gewinnen die Agrarprodukte an Bedeutung. Asiatische und arabische Länder pachten Anbauflächen auf dem ganzen Globus, um ihren steigenden Bedarf zu decken. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor neokolonialen Tendenzen.

TOKIO/GENF. In der weltweiten Konkurrenz um Nahrungsmittel und Biotreibstoffe sichern sich Asiens Industrieländer Agrarflächen in Übersee. Der südkoreanische Handelskonzern Daewoo Logistics gab bekannt, auf Madagaskar 13 000 Quadratkilometer Ackerfläche für 99 Jahre zu pachten - fast so viel, wie Schleswig-Holstein groß ist. Daewoo will dort Mais und Palmöl anbauen und langfristig die Hälfte seines Maisbedarfs von der Insel im indischen Ozean beziehen. "Wir erwarten eine Jahresproduktion von vier Millionen Tonnen Mais und einer halben Millionen Tonnen Palmöl", sagt Shin Dong-Hyun von Daewoo Logistics.

Dabei handelt es sich um den größten Vertrag dieser Art. Zuvor hatten arabische Staaten angekündigt, in Afrika, der Ukraine oder in Zentralasien Flächen zu kaufen oder zu mieten (siehe: "Ein Deal auf Gegenseitigkeit"). Experten der Uno-Landwirtschaftsorganisation FAO warnen vor "neokolonialen" Tendenzen, sehen aber auch potenzielle Vorteile für die unterentwickelten Länder.

Japans Unternehmen gehen die Beschaffung von Weizen, Rindfleisch, Sojabohnen oder Mais schon fast so systematisch an wie die Förderung von Kupfer, Uran oder Erdgas. "Wenn wir alles, was die Japaner heute essen, so weit wie möglich im Inland anbauen wollten, dann würde das pro Kopf rund 800 000 Euro im Jahr kosten", sagt Yasuhiko Nakamura von der Tokyo University of Agriculture. "Japan profitiert in hohem Grade von der Globalisierung, indem es landwirtschaftliche Produkte einführt", bekräftigt Jin Jianmin vom Fujitsu Research Institute.

Der Mais aus Madagaskar und Brasilien ist in Asien für den menschlichen Verzehr und zur Nutzung als Futtermittel bestimmt. Doch auch die Nachfrage nach Biosprit und andere Alternativen zu Erdöl treibt die Preise für Agrarerzeugnisse hoch. "Korea hat derzeit großes Interesse an der Entwicklung erneuerbarer Energiequellen und sieht hier auch großes Potenzial für den Ausbau von Beziehungen zu deutschen Unternehmen", sagt Yoon Deok-Ryong, Seniorberater im koreanischen Ministerium für Strategie und Finanzen. Asiens Autokonzerne haben wie ihre westlichen Konkurrenten auch Konzepte für Biodiesel-Fahrzeuge entwickelt - unsicher ist bloß, woher sie angesichts knapper weltweiter Anbauflächen ihren Sprit beziehen sollen.

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