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Globalisierungsgegner: Die Antipreneure

Krawalle und Gewalt waren gestern – die Gegner der Globalisierung haben ihre Strategie dramatisch geändert. Die neue Generation der Aktivisten setzt auf Werbung, Internet und eigene Firmen. Die Wirtschaftswelt ist gewarnt. Denn schon kleine Teams können das Image großer Unternehmen verschrammen.

Globalisierungsgegner: Krawalle und Gewalt waren gestern. Foto: dpa Quelle: dpa
Globalisierungsgegner: Krawalle und Gewalt waren gestern. Foto: dpa Quelle: dpa

Auf die naheliegendste Frage, sicher eine der wichtigsten in seinem Leben, hat Andy Bichlbaum keine rechte Antwort: Warum sitzt er nicht im Gefängnis, sondern hier, in einem kubanischen Restaurant in New York vor einem dampfenden Chili? „Ich weiß es nicht.“

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Und dann grinst er, grinst wie ein Schuljunge nach dem gelungenen Streich, verdreht die großen, braunen Augen gen Decke und erzählt. Zum Beispiel vom 3. Dezember 2004. Allein die Ereignisse an diesem Tag, denkt wohl jeder, der die Geschichte hört, sollten ihn eine gewisse Zeit hinter Gitter gebracht haben.

An jenem Tag also sitzt Bichlbaum in einem Fernsehstudio und wird im Live-Programm der BBC angekündigt als Jude Finisterra, Sprecher des Chemiekonzerns Dow. Die Nervosität ist ihm anzumerken, starr blickt er in die Kamera, ein Kopfnicken betont jeden seiner Sätze, und jeder Satz erschüttert den Aktienkurs von Dow.

Es ist der 20. Jahrestag des Chemiedesasters im indischen Bhopal, bei dem 1984 fast 1 600 Menschen starben, als aus dem Werk von Union Carbide eine Giftwolke entwich. Weitere 18 000 Anwohner sind bis heute durch Missbildungen und Krebs betroffen. Dow Chemical hat Union Carbide im Jahr 2001 gekauft und, so Finisterra alias Bichlbaum vor laufenden Kameras, übernehme nun die volle Verantwortung für die Katastrophe. Die Dow-Tochter Union Carbide werde liquidiert, die Opfer erhielten zwölf Milliarden Dollar. Es sei das Ende eines „Albtraums für die Welt und eines Kopfschmerzes für Dow“.

Niemand aber ist überraschter ob dieser Ankündigung als Dow selbst. Es braucht Stunden für die Kommunikationsabteilung des Konzerns, um zu reagieren: Finisterra sei nie Angestellter von Dow gewesen, die ganze Sache eine Fälschung, es gebe keine Entschädigung. Und lustig, lustig sei das alles ganz sicher nicht.

Wieder einmal hatten die „Yes Men“ zugeschlagen. Eine kleine Gruppe von Anti-Globalisierungsaktivisten unter der Führung von Bichlbaum und seinen Freunden Mike Bonanno und Bob Spunkmeyer – alles Pseudonyme.

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