"Glorreiche“ Jahre unwiederbringlich vorbei
Italiens Wirtschaft vor hartem Wandel

Italiens Wirtschaft ist oft mit dem schiefen Turm von Pisa verglichen worden: Ständig auf der Kippe, dennoch erstaunlich resistent gegen den Verfall der Zeit. Ob diese These noch immer Gültigkeit besitzt, ist aber ungewisser denn je.

mab MAILAND. Grund: Viele Faktoren, die Italien in den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders geholfen waren, gibt es heute nicht mehr. Jene „glorreichen“ Jahre, in denen die Unternehmen zu Hause hinter den dicken Zäunen der Protektion gedeihen konnten und dennoch gute Geschäfte mit dem Rest der Welt machten, sind unwiderruflich vorbei. Der Niedergang des einstigen Nationalsymbols Fiat ist mehr als ein Einzelfall – er signalisiert die tiefen Strukturprobleme Italiens.

So ist die stets wachsweiche Lira durch den zuletzt stahlharten Euro ausgetauscht worden. Folge: Produkte „Made in Italy“ können nicht mehr durch Währungsabwertungen wettbewerbsfähig gemacht werden. Zudem bekommen die traditionell auf Verbrauchsgüter wie Bekleidung oder Möbel konzentrierten Unternehmen besonders stark die Konkurrenz osteuropäischer und asiatischer Billigstandorte zu spüren. Das Stichwort China ist für weite Teile des wichtigen Mittelstandes zu einem Angstfaktor ersten Ranges geworden. Auch ist es den Politikern in Rom mittlerweile verwehrt, ihren „National Champions“ durch Staatshilfen unter die Arme zu greifen, wenn das Geschäft wieder mal stockt. Bestes Beispiel hierfür sind die Verrenkungen, um die sturmreif geschossene Fluggesellschaft Alitalia zu retten, was zunehmend auf den Widerstand der EU-Kommission stößt. Ein Strukturwandel – ähnlich tief greifend und ähnlich schmerzhaft wie jener nach dem Zweiten Weltkrieg – scheint unausweichlich. Damals hatte sich Italien von einem agrarisch geprägten Land dank einer forcierten Industrialisierung zu einer der sieben größten Wirtschaftsnationen der Welt gewandelt.

Das alles ist wahr aber nicht die ganze Wahrheit: Denn Italiens eigentlich Stärke bleibt auch im neuen Jahrtausend intakt – das riesige Unternehmerpotenzial. In keinem europäischen Land gibt es relativ gesehen mehr Selbständige, die Quote beträgt fast 25 Prozent. Sicherlich sind die meisten von ihnen Einmann-Shows, wie der Barbesitzer vom Eck oder der Zeitungshändler auf der Piazza. Die Spitze von ihnen – vom Modezar Armani über den Nudelgott Barilla, das Brillengenie Del Vecchio bis zum Stoffperfektionisten Zegna – zeigt aber, dass italienische Unternehmer zur absoluten Weltspitze zählen.

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