Glücklichkeits-Studie
Doch nichts faul im Staate Dänemark

Seit dem Triumph über den übergroßen Nachbarn Deutschland bei der Europameisterschaft 1992 ist Dänemark nicht mehr dasselbe. Der Sieg hat das Land in einen Zustand der Euphorie versetzt – mit nachhaltiger Wirkung. Die Dänen sind die glücklichsten Europäer und zählen zu den glücklichsten Nationen der Welt. Forscher suchen nach den Gründen.

STOCKHOLM. Dick sind sie, na gut, rundlich, aber auf jeden Fall fröhlich. Dicke seien die lustigeren Menschen, hat einmal ein kluger Kopf gesagt, und vielleicht hatte der die Dänen im Sinn. Smørrebrød, Pølser und Aquavit, „vi er røde, vi er hvide“ – wir sind nicht Papst, sondern rot und weiß. Der Freudensong der Fußballfans bei der Europameisterschaft 1992 bringt noch bei so manchem Deutschen schmerzliche Dissonanzen in die Gehörgänge, gewann doch das Außenseiterteam völlig überraschend den Titel gegen die deutsche Mannschaft.

Ein Glücksfall? Für Dänemark auf jeden Fall, sagen der angesehene dänische Wissenschaftler von der Universität in Odense, Professor Kaare Christensen, und sein Team. Denn mit den zwei Treffern der Dänen gegen den übergroßen Nachbarn und ehemaligen Besatzer schoss die Nation das Tor zur Glückseligkeit auf. Nach Jahrhunderten mit Rückschlägen, Niederlagen und Verlusten – das kleine Königreich verlor nach Norddeutschland auch noch Schweden, Norwegen, Island und einige Kolonien– konnten die Dänen wieder jubeln. Nachhaltig. „Der Sieg hat das Land in einen solchen Zustand der Euphorie versetzt, dass es seitdem nicht mehr dasselbe ist“, stellten Christensen und seine Kollegen in einer großen Studie fest.

Und ihr Untersuchungsergebnis ist kein Einzelfall. Internationale Studien untermauern Christensens Ergebnisse: Die Dänen sind die glücklichsten Europäer, zählen zu den glücklichsten Nationen der Welt. Die jüngste Studie wurde erst vor einer Woche veröffentlicht: Forscher der Wirtschaftsfakultät der Universität Cambridge untersuchten die EU-15 und bestätigten den Spitzenplatz der Dänen.

In der bisher umfangreichsten Untersuchung der Universität von Leicester wurden insgesamt 178 Länder unter die Glückslupe genommen. In der von dem britischen Sozialpsychologen Adrian White erstellten „Weltkarte des Glücks“ nimmt Dänemark sogar unangefochten den ersten Platz ein. Deutschland liegt auf dem 35. Platz, behauptet sich in Sachen Glücksgefühl aber immerhin gegen Großbritannien (41), Frankreich (62), China (82) und Japan (90). Ganz unglücklich scheinen die Russen auf Platz 167 zu sein. Schlusslichter nicht nur in dieser Studie sind der Kongo, Zimbabwe und Burundi.

White hat für seinen Weltatlas rund einhundert internationale Studien ausgewertet, in denen mehr als 80 000 Menschen nach ihrer subjektiven Zufriedenheit befragt wurden. Sein Fazit: „Diese Studie widerlegt den Mythos, Kapitalismus würde die Menschen unglücklich machen.“ Als Beleg führt er die Nationen an, die ganz oben auf der Glücksskala liegen: Dänemark, die Schweiz, Österreich und Island - allesamt wirtschaftlich gesunde Staaten. „Viele glauben, flexibler Kapitalismus bringe unglückliche Menschen hervor. Doch tatsächlich antworten gerade Menschen in Ländern mit hohem Wachstum, einem guten Gesundheits- und Bildungssystem, dass sie sich glücklich fühlen“, sagt White.

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