Gnadengesuch
Polanski-Festnahme wird zum Politikum

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski will die US-Behörden um Gnade für den in der Schweiz verhafteten Roman Polanski bitten. Die französische Regierung zeigte sich überrascht von der Festnahme des Starregisseurs mit französischer Staatsbürgerschaft.

HB WARSCHAU. Er erwäge derzeit ein Ersuchen, damit der US- Präsident die Möglichkeit überprüfe, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen, sagte Sikorski der Polnischen Presse-Agentur PAP am Sonntag. Das würde den Fall "ein für allemal" abschließen. Sikorski betonte, Polen habe "das größte Recht, die Stimme zu ergreifen", weil die ursprüngliche Staatsbürgerschaft immer am wichtigsten sei. Der aus Polen stammende Regisseur hatte erst Mitte der 1970er Jahre den französischen Pass angenommen. Er besitzt nach wie vor auch die polnische Staatsbürgerschaft.

Auch Präsident Lech Kaczynski deutete an, er wolle mit der US-Seite sprechen. Er werde wahrscheinlich in nächster Zeit eine Gelegenheit zum Meinungsaustausch haben, sagte Kaczynski. Solche Fälle seien aber "verdammt schwierig". Zuständig seien nicht Bundesbehörden, sondern ein US-Staat.

Der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand erklärte im Rundfunk, er sei "höchst erstaunt" über "das Vorgehen gegen den international renommierten Regisseur". Präsident Nicolas Sarkozy wünsche "eine schnelle Lösung der Lage". Mitterrand erinnerte daran, dass Polanski französischer Staatsbürger sei. Ohne sich in das Justizverfahren einmischen zu wollen, bedauere er "diese neue Prüfung für jemanden, der bereits so viel durchlebt" habe.

Auch polnische Filmemacher machen gegen die Verhaftung von Roman Polanski mobil. In einem Schreiben an Präsident Kaczynski und Außenminister Sikorski hätten sie um eine „schnelle Intervention“ gebeten, sagte der Chef der polnischen Filmemachervereinigung Jacek Bromski am Sonntag in Warschau. „Das ist eine skandalöse Situation und ein unverständlicher Übereifer“, sagte Bromski der Polonischen Presse-Agentur PAP zum Vorfall in Zürich. Die Verhaftung könnte seiner Ansicht nach gegen das Völkerrecht verstoßen. Nach seinen Angaben unterzeichneten das Schreiben inzwischen Andrzej Wajda, Janusz Morgenstern und ehemalige Kulturministerin Izabella Cywinska. Der Brief soll im Tagesverlauf zugestellt werden.

Wie ein Außenamtssprecher in Warschau sagte, habe der polnische Botschafter in der Schweiz inzwischen Polanski Konsularhilfe angeboten. Polanski soll aber auf das Angebot noch nicht reagiert haben.

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