Gold-Kanutin aus Goch kandidiert in Italien
„Die Lombardei ist unser Ohio“

Turbo-Wahlkampf in Italien: Im Kanu hatte Josefa Idem bei der Olympiade Gold gewonnen, jetzt will sie für die Partei Bersanis in Rom in den Senat einziehen. Das Porträt einer kämpferischen Politikern.
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„Den sicheren Listenplatz wollte ich nicht, ich gewinne wie im Sport lieber erst das Halbfinale und gehe dann in den Schlussspurt“, sagt Josefa Idem am Telefon auf der Autobahn zwischen zwei Wahlkampfterminen in der Emilia Romagna. Dort tritt die blonde Deutsche für die italienischen Demokraten PD bei der Wahl am kommenden Wochenende an. Die parteiinternen Vorwahlen der PD hatte sie mit Bravour gewonnen.

Jetzt will die Frau, die seit Jahren die italienische Staatsangehörigkeit hat, in die zweite Parlamentskammer. Da der Senat im Gegensatz zur Abgeordnetenkammer regional besetzt wird und die PD seit Monaten in den Umfragen die stärkste Partei ist, kann Josefa Idem bald in Rom Politik machen.

„Politisch aktiv bin ich schon lange“, sagt die aus Goch am Niederrhein stammende Frau, die heute in der Nähe von Ravenna lebt. Doch international ist sie bekannt für ihre Goldmedaillen: Josefa Idem startete als Kanutin bei acht Olympischen Spielen, gewann Gold und war mehrmals Kanu-Weltmeisterin. Im vergangenen Sommer startete die 48jährige noch einmal bei der Olympiade in London. Sie kam ins Finale und wurde fünfte.

Über den Sport in kam sie in die Politik, erst vor als zehn Jahren als Beirat für Sport in der Kommunalpolitik in Ravenna, dann für die Region und jetzt für ihre Partei, der sie seit 2001 angehört, in der Hautstadt. Parteichef und Spitzenkandidat Pierluigi Bersani, ebenfalls aus der Emilia Romagna, wollte sie in seinem Team.
Warum kandidiert sie? „Aus Überzeugung“, sagt sie und verfällt in Wahlkampf-Modus, „die italienische Politik ist so schlecht, da hilft es nicht zu jammern, sondern man muss aktiv etwas tun.“ Die Folgen der Krise und der Sparmaßnahmen erlebt sie jeden Tag, „den Leuten geht es wirklich schlecht“.

Dazu kämen die ständige Berieselung der Medien in der Hand von Ex-Premier Silvio Berlusconi und die „völlig unrealistischen“ Versprechungen des Cavaliere. „Er denkt nicht an die Menschen in Italien, sondern an sich und seinen persönlichen Vorteil“, sagt sie, „in den 20 Jahren, seit er in der Politik ist, hat er in die eigene Tasche gewirtschaftet und wurde immer reicher“. Ein Versäumnis ihrer PD sei es gewesen, den Interessenskonflikt nicht gesetzlich geregelt zu haben.

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