
BERLIN. Die Golf-Staaten boomen wieder. Seit Ausbruch der weltweiten Finanzkrise waren aus den erfolgsverwöhnten Ölländer der arabischen Halbinsel keine guten Nachrichten zu hören, sie wurden von der Krise sogar schwerer getroffen als der Rest der Welt. Das Glitzer-Emirat Dubai etwa konnte nur mit Milliarden-Finanzspritzen des großen Bruders Abu Dhabi einen Kollaps abwenden. Nun aber geht es wieder aufwärts.
Der Immobilien-Riese Nakheel, Tochter der schwer angeschlagenen Staatsholding Dubai World, hat gestern bekannt gegeben, dass er 2,5 der vier Mrd. Dirham (1,1 Mrd. Dollar) an Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten und Auftragnehmern zurückgezahlt hat. Dubai World verhandelt parallel über die Umschuldung von Verbindlichkeiten in Höhe von 10,5 Mrd. Dollar mit seinen internationalen Gläubigern.
Nach der Rückzahlung wird nun wieder gebaut in Dubai
Der erste Rückzahlungsschritt eröffnet nach Aussage von Nakheels Chairman Ali Lootah den Weg in die Zukunft: So würden bereits im Oktober sechs der mehr als ein Dutzend in der Finanzkrise eingemotteten Projekte wiederaufgenommen und dann zügig fertiggestellt. "Alle Projekte, die Dubai begonnen hat, werden auch vollendet", hatte Dubais Herrscher, Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum, zuvor angekündigt.
In Abu Dhabi hat die bayerische Baufirma Bauer Spezialtiefbau gerade 4536 Pfeiler mit einer Gesamtlänge von über 70 Kilometern in den Wüstensand getrieben und so die Gründungsarbeiten für eine künstliche Insel vor dem Emirat und die dort entstehende Dependance des Pariser Louvre beendet. "Das ist ein wichtiger Schritt gewesen, und wir erwarten die Fertigstellung jetzt 2013", sagte Lee Tabler, Chef der Abu Dhabi Tourism & Investment Company.
Am Golf wird also wieder gebaut und geplant. Und deutsche Firmen sind voller Hoffnung auf neue Großaufträge: "Es geht wieder aufwärts mit den Wirtschaftsbeziehungen in die arabischen Länder insgesamt. Die deutschen Exporte sind in der ersten Hälfte dieses Jahres, verglichen mit dem Minusjahr 2009, um 10,9 Prozent auf über 13,4 Milliarden Euro gestiegen", sagte Abdulaziz Al-Mikhlafi, Generalsekretär der Arabisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (Ghorfa) dem Handelsblatt. Schneller hatten die deutschen Ausfuhren in die Staaten Arabiens nur im Boomjahr 2008 zugelegt.
Angetrieben werden die deutschen Export-Hoffnungen von guten Wachstumsperspektiven der Golf-Staaten: Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für die Region in diesem Jahr ein Wachstum von 4,9 Prozent und für 2011 ein Plus von 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Stützend wirken gewaltige Konjunkturprogramme, etwa in Katar und Kuwait mit jeweils 100 Mrd. Dollar (siehe nebenstehenden Artikel) oder das 385 Mrd. Dollar schwere Programm Saudi-Arabiens. Die Gelder flössen "vor allem in Infrastrukturprojekte, in das Bildungs- und Gesundheitswesen, in die Energiewirtschaft und die petrochemische Industrie", so Al-Mikhlafi. Die deutschen Ausfuhren nach Saudi-Arabien, der mit Abstand größten Volkswirtschaft am Golf, waren von Januar bis Juni nach gerade veröffentlichten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes mit einem Plus von 14 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro überdurchschnittlich groß.
Die Kreditvergabe zieht spätestens zum Jahresende wieder an
Das hohe erwartete Wirtschaftswachstum belebe auch die Kreditvergabe und den Bankensektor, heißt es in einer gerade veröffentlichten Studie der US-Beratungsfirma IHS Global Insight: "Bis Jahresende dürfte demnach die Vergabe von Krediten an Unternehmen in der Golfregion wieder deutlich anziehen" und das Wachstum so zusätzlich beflügeln, heißt es. Bisher gilt vor allem in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wegen der Kreditkrise um Dubai World sowie in Saudi-Arabien wegen der Sorgen um die Bedienung der Schulden von Konglomeraten wie der Al Saad Gruppe das Bankwesen als labil.
Allerdings gab Dubais Regierung am späten Sonntagabend bekannt, sie könnte noch in diesem Jahr wieder eine Staatsanleihe begeben. Omans Geldhäuser konnten ihre Bank-Assets laut der Zentralbank im Juni um 11,5 Prozent steigern.
Ausnahme Bahrain
Herabstufung Während die Wirtschaft in den meisten Golf-Staaten wieder anläuft, gerät Bahrain unter Druck: Gestern stufte Moody?s die Staatsanleihen des Gasexporteurs von A2 auf A3 herab. Als Begründung nannte die Ratingagentur, dass Bahrain immer höhere Ölpreise benötige, um seinen Etat auszugleichen.
Ausblick Moody?s gab zudem einen negativen Ausblick für den Bankensektor Bahrains, das vor der Krise zur Finanzdrehscheibe am Golf aufsteigen wollte. Besonders bedrängt ist dabei das Gulf Finance House (GFH), eine der größten Banken des Landes, die im ersten Halbjahr 47,7 Mio. Dollar Verlust schrieb und gestern die Deutsche Bank als Berater für ihre Restrukturierung anheuerte.