Golfstaaten zaudern
Steinmeier stößt am Golf auf Widerstand im Iran-Konflikt

Wohin deutsche Politiker in der Welt auch gehen, die Sorgen wegen des iranischen Atomprogramms sind überall zu vernehmen.

HB DOHA/KATAR. Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb es in Übereinstimmung mit China von Peking aus Teheran ins Stammbuch: Der Iran darf nicht Atommacht werden. Das war auch der Leitspruch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Donnerstag im Emirat Katar eine sechstägigen Reise durch die Golf-Anrainerstaaten abschloss - allerdings mit einem Knalleffekt.

Merkel und ihr Außenminister trafen überwiegend auf verbale Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Gastgebern. Steinmeier stieß jedoch am Persischen Golf auf ein merkwürdiges Bild arabischer Zerrissenheit: Die Mehrheit der sechs besuchten Staaten äußerte Besorgnis über das Atomprogramm. Auch sollte eine Delegation in Teheran die Bedingungen für eine Verhandlungslösung ausloten. Gleichzeitig zeigten sich die Golfstaaten nachhaltig gespalten. Sie schwächten die eigene Position durch Streit darüber, wer die Delegation wann und mit welchem politischen Gewicht stellen soll.

Das kleine Emirat Katar, die letzte Station auf der Reise, setzte Steinmeier sogar offenen Widerstand zu seiner Iran-Politik entgegen. Außenminister Scheich Hamad bin Jassim folgte ihm nach einer Unterredung in der Hauptstadt Doha nicht in der Bewertung, dass das iranische Atomprogramm gefährlich sei. Teherans Nuklearpläne seien „keine Bedrohung“ zumindest für Katar, erklärte der Scheich.

Das war der Knaller auf der ansonsten politisch eher beschaulichen Reise: Der Scheich erklärte, dass man sich kein Urteil über das Atomprogramm Teherans erlauben könne: „Wir haben nicht genügend Informationen darüber.“ Es sei unpassend, auf Teheran Druck ausüben zu wollen. Iran sei ein Nachbarland Katars: „Wir ziehen es vor, von politischen Dialog zu sprechen,“ versuchte er, Steinmeier zu belehren.

Steinmeier muss sich mehrfach missverstanden gefühlt haben, jedenfalls fühlte er sich zu Klarstellungen verpflichtet. Es gehe darum, eine „nukleare Waffenoption“ Teherans zu verhindern. Das sei sogar die „Pflicht“ der Außenminister. Beide Außenminister lächelten sich trotz des diplomatischen Florettgefechts vor der Presse an. Die Situation schien so haarscharf an einem Eklat vorbeizuschrammen.

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