Google, Diercke & Co.
Ukraine, Krim und die Nöte der Kartenhersteller

Annektiert oder nicht? Offiziell gehört die Krim noch nicht zu Russland, oder doch? Kartenhersteller sind sich uneinig, wie sie mit territorialen Konflikten umgehen sollen. Google hingegen macht es sich einfach.
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DüsseldorfHeißt es eigentlich Danzig oder Gdansk? Gehört die Krim offiziell noch zur Ukraine oder schon zu Russland? Und was passiert, wenn Kataloniens Referendum doch irgendwann anerkannt werden sollte?

Jeden Tag gehen Menschen irgendwo auf dieser Welt auf die Straße und demonstrieren für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ihres Landes oder einzelner Individuen. Das beschäftigt nicht nur Politiker und Soziologen – bekannte Kartenhersteller, wie Diercke und Co. stehen jedes Mal vor der Frage, wie der territoriale Konflikt kartografisch dargestellt werden soll.

2014 war in politischer Hinsicht ein aufregendes, unruhiges Jahr. Die Terrororganisation Islamischer Staat wurde in Syrien zunehmend mächtiger, die Mehrheit der Krim-Bewohner haben für eine Annektierung gestimmt und die Situation in der Ostukraine ist zeitweilig eskaliert.

Darauf muss der bekannteste Kartenhersteller Deutschlands Diercke aus dem Westermann Verlag reagieren. Diercke verlegt unter anderem den Schulatlas. Für das Unternehmen ist klar, dass es sich nur an „völkerrechtlich verbindliche“ Grenzen hält.

Dass das nicht immer einfach ist, hat in diesem Jahr der Krim-Konflikt mit einem Paukenschlag gezeigt. „Politisch gehört die Insel noch zur Ukraine, verwaltet wird sie aber von Russland. Also arbeiten wir mit einer gestrichelten Linie“, sagt Thomas Michael, Leiter der Kartographie.

Ein Kompromiss, die Lösung für alles. Zumindest, wenn man es sich nicht so leicht macht, wie Google. Der Riesenkonzern betreibt mit „Google Maps“ eins der erfolgreichsten Online-Kartensysteme weltweit. Schließlich benutzen mittlerweile mehr als 100 Millionen Menschen „Maps“.

Damit das Unternehmen sich nirgendwo unbeliebt macht, hat Google eine Art Multi-Lösung gefunden. Wer in der Ukraine ins Internet geht, sieht höchstens die gestrichelte Linie. In Russland hingegen ist eine Grenze zu sehen. Thomas Michael: „Google geht so vor, wie es für das Unternehmen am bequemsten ist.“ (In der Karte sehen Sie die gestrichelte Grenze, wenn Sie rauszoomen.)

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