Gouverneursrat entscheidet über dritte Amtszeit des Generaldirektors der IAEA
USA suchen Verbündete gegen Atombehörden-Chef el Baradei

Der Kampf der US-Regierung gegen den Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed el Baradei, geht in die entscheidende Phase. Schauplatz des Showdowns ist der IAEA-Rat der Gouverneure. Das Gremium wird während seiner heute beginnenden Sitzung in Wien über eine dritte Amtszeit el Baradeis beraten.

GENF. Der 62-Jährige ist einziger Kandidat für den IAEA-Topjob. „Viele Länder unterstützen mich“, sagt el Baradei. Die USA stehen in ihrer Ablehnung noch alleine; sie schafften es auch nicht, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Washington wirft dem Ägypter vor allem vor, die nuklearen Ambitionen des Iran nicht energisch genug einzudämmen. Der oberste nukleare Inspektor im System der Vereinten Nationen lasse die Mullahs nahezu ungestört ein Atomwaffenprogramm aufbauen. Derzeit versuchen Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit einer Mischung aus Druck und Zugeständnissen, Teheran von seinen Atomplänen abzubringen.

Ein Lockmittel der Europäer ist etwa die mögliche Mitgliedschaft Irans in der Welthandelsorganisation (WTO). Bislang blockieren aber die Amerikaner eine WTO-Aufnahme Teherans. US-Präsident George W. Bush schließt selbst eine militärische Lösung des Iran-Problems nicht aus. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, sagte er bei seinem Europa-Besuch.

El Baradei hingegen drängt auch die USA, sich an dem Dialog mit dem Iran zu beteiligen. „Der Iran-Disput wird nur gelöst, wenn die Amerikaner sich voll hinter die Anstrengungen der Europäer stellen“, sagt der IAEA-Chef. Allerdings muss auch el Baradei einräumen, dass Teheran die IAEA-Inspektoren des öfteren belog und täuschte. So versteckten die Iraner lange eine Anlage zur Urananreicherung - eine Voraussetzung zum Bau nuklearer Waffen. Laut el Baradei könnten die Iraner in zwei bis drei Jahren die „Bombe“ haben: „Sie haben ohne Zweifel das Know How und die industrielle Infrastruktur.“

Washington trägt dem Araber el Baradei auch dessen Opposition gegen den US-geführten Angriff auf den Irak nach. Nachdem die Amerikaner in dem besetzten Land keine Massenvernichtungswaffen fanden, fühlt sich el Baradei bestätigt. Der offiziell Grund der US-Regierung, die Absetzung el Baradeis zu fordern, ist jedoch die „Genfer Regel“. Große Uno-Staaten wie die USA und Deutschland einigten sich darauf, dass Chefs internationaler Organisationen nach zwei Amtszeiten ausscheiden müssen. „Wenn die USA als mächtigstes Land der Welt ernsthaft el Baradei weghaben wollen, dürfte es eng für ihn werden“, analysiert Joseph Cirincione, Direktor bei der Carnegie-Stiftung in Washington.

Um el Baradei zu verhindern, braucht Washington Gefolgsleute im IAEA-Rat der Gouverneure. Das Entscheidungsgremium bestimmt mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den IAEA-Chef - 35 Länder, darunter Deutschland, haben im Rat jeweils ein Mitglied. Diplomatische Kreise nennen Großbritannien, Australien, Kanada und Japan als mögliche Verbündete der USA.

Falls die Gouverneure in der März-Sitzung keine Antwort auf die höchste IAEA-Personalfrage finden, bleibt ihnen als letzte Gelegenheit die Juni-Sitzung ihres Gremiums. Am 1. Dezember soll el Baradei oder ein neuer IAEA-Chef antreten. Egal jedoch wer den Posten in Wien einnimmt, der nächste Generaldirektor wird neben dem Iran auch andere explosive Probleme vorfinden: Von der möglichen Bombe des stalinistischen Regimes in Nordkorea über die nuklearen Ambitionen terroristischer Netzwerke wie El Kaida bis hin zum blühenden nuklearen Schwarzmarkt.

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