Grenfell Tower: Labour-Partei fordert penible Auflärung

Grenfell Tower
Labour-Partei fordert Aufklärung

Noch ist unklar, was das Flammeninferno im Londoner Grenfell Tower auslöste. Die Opposition fordert aber bereits eine penible Sicherung aller Dokumente. Einige Organisationen könnten „Blut an den Händen“ haben.
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LondonNach dem verheerenden Hochhausbrand in London hat die britische Opposition die Sicherung aller Unterlagen zu dem Bau gefordert. Der Labour-Abgeordnete David Lammy erklärte am Sonntag, die Regierung und die Polizei müssten sofort alle Dokumente beschlagnahmen. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Das Inferno kostete am Mittwoch mindestens 58 Menschen das Leben.

„Die Premierministerin muss umgehend handeln, damit alle Beweise gesichert werden“, erklärte Lammy. Das betreffe alle schriftlichen Unterlagen, aber auch E-Mails, die Korrespondenz mit den Bauunternehmen, Sicherheitsprüfungen und technische Vorgaben. „Wenn die Wahrheit über diese Tragödie ans Licht kommt, werden wir vielleicht feststellen, dass einige Organisationen Blut an den Händen haben“, sagte Lammy.

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass sich die Flammen über die Fassadendämmung so rasch ausbreiten konnten. Der 24 Stockwerke hohe Grenfell Tower wurde erst im vergangenen Jahr renoviert. Schatzkanzler Philip Hammond erklärte am Sonntag, er glaube, dass das brennbare Dämmmaterial in Großbritannien gar nicht zugelassen sei.

Die britische Regierung hat sich derweil gegen scharfe Kritik verteidigt. Nach einem ähnlichen Feuer in London im Jahr 2009 habe es Sicherheits-Empfehlungen gegeben, sagte Finanzminister Philip Hammond am Sonntag der BBC. „So weit ich das beurteilen kann, haben wir darauf korrekt und angemessen reagiert.“

May war am Freitag nach einem Besuch in der Nachbarschaft des ausgebrannten Hochhauses von der Polizei vor wütenden Demonstranten in Sicherheit gebracht worden. Auch Mitglieder ihrer eigenen Konservativen Partei werfen ihr vor, sich zu spät mit Betroffenen getroffen zu haben. Die Regierungschefin steht ohnehin unter Druck, weil sie bei der von ihr selbst ausgerufenen Neuwahl die absolute Mehrheit im Parlament verloren hat. Sie hatte sich von der vorgezogenen Wahl einen Ausbau ihrer Mehrheit versprochen und wollte damit ihre Position bei den am Montag beginnenden Brexit-Verhandlungen mit der EU stärken. Der Abgeordnete John McDonnell von der oppositionellen Labour-Partei hat nach Mays Schlappe zu Massenprotesten im Land aufgerufen, um eine erneute Neuwahl und damit Mays Sturz zu erzwingen.

Theresa May kündigte an, die Hilfe für die Überlebenden vor Ort solle verstärkt werden. Mehr Mitarbeiter sollten in der Gegend unterwegs sein, um den Menschen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, sagte sie nach einem Treffen mit ehemaligen Bewohnern des Hochhauses am Samstag. Mietern, „die nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen“ entkamen, stelle ihre Regierung insgesamt fünf Millionen Pfund (5,7 Millionen Euro) zur Verfügung, teilte May mit. Zu dem Hilfspaket gehöre auch eine Garantie, in der Nähe ihres bisherigen Wohnorts eine neue Bleibe zu bekommen. „Wir werden weiterhin prüfen, was noch mehr getan werden muss“, sagte sie.

Die britischen Gesundheitsbehörden werden den Angehörigen der Todesopfer langfristige Hilfe anbieten. Bisher erhalten 52 Familie eine Unterstützung dieser Art, die ihnen helfen soll, den Verlust von Angehörigen zu verarbeiten. May hat außerdem angekündigt, sich ständig über die Hilfsleistungen für die Betroffenen informieren zu lassen. Dabei geht es auch darum, rasch neue Wohnungen für die nun Obdachlosen zu finden, die vorerst in Notunterkünften und Hotels untergebracht sind.

Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn forderte am Sonntag, die Regierung müsse den Menschen leerstehende Wohnungen und Häuser zur Verfügung stellen. Notfalls müssten die Immobilien zwangsverkauft oder beschlagnahmt werden, sagte er dem Fernsehsender ITV. Die Polizei rechnet damit, dass die Zahl der Todesopfer in den kommenden Tagen weiter steigen wird. Die Identifizierung der Toten werde wohl noch länger in Anspruch nehmen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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