Grenze zu Syrien
30 Tote bei Terrorangriff in der Türkei

Das Innenministerium spricht von einem Terroranschlag. Mindestens 30 Menschen sterben bei einer Explosion in der syrisch-türkischen Grenzstadt Suruc. Im Verdacht steht die Terrormiliz „Islamischer Staat“.
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IstanbulEin wahrscheinlich von der Extremistenmiliz IS verübter Selbstmordanschlag auf türkischem Staatsgebiet mit 30 Toten hat die Furcht vor einem Übergreifen des Bürgerkriegs auf das Nato-Land verstärkt. Bei dem Anschlag in der Stadt Suruc, zehn Kilometer von der syrischen Grenzstadt Kobani entfernt, wurden mehr als 100 Menschen verletzt.

Die meisten Opfer waren türkische und kurdische Jugendliche, die gemeinsam zu einem Aufbaueinsatz nach Kobane aufbrechen wollten. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, erste Untersuchungen deuteten auf die Islamistenmiliz Islamischer Staat als Urheber des Anschlags.

Der IS beherrscht Teile Syriens und des Irak und hatte über einen längeren Zeitraum hinweg auch Kobane erobert. Dort waren die Extremisten aber von Kurden-Milizen vertrieben worden. Der Anschlag ereignete sich vor einem Kulturzentrum im vorwiegend kurdischen Suruc, als sich dort zahlreiche Studenten und Jugendliche versammelt hatten, um die lokalen Medien über ihren bevorstehenden Wiederaufbau-Einsatz in Kobane zu unterrichten. Medienberichten zufolge war die Attentäterin eine 18-jährige Jugendliche.

Wie der Regierungschef nannten auch ranghohe Sicherheitskreise im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters eine Urheberschaft des IS als wahrscheinlichen Hintergrund des Anschlags. Es könne sich um einen Racheakt für die türkische Beteiligung am Kampf gegen den IS handeln, vermutete ein Insider. Davutoglu kündigte eine Verstärkung der Grenzsicherung nach Syrien an. Die Überwachung der Grenze zwischen beiden Staaten ist schwierig, auch, weil mittlerweile mehr als 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge auf türkischer Seite ausharren.

Aus Furcht vor einem Übergreifen des Bürgerkriegs und einer Ausweitung des Einflusses des IS auf türkisches Staatsgebiet hatte die türkische Armee ihre Präsenz an der Grenze zu dem Nachbarland vor wenigen Wochen bereits deutlich verstärkt. Präsident Recep Tayyip Erdogan gab die Zahl der Todesopfer am Nachmittag mit 28 an. Das türkische Innenministerium erklärte, die Zahl der Opfer könne noch steigen.

Kobane war monatelang von IS-Kämpfern belagert worden und wurde weitgehend zerstört. Die Türkei hatte kurdischen Kämpfern aus dem Irak gestattet, über ihr Staatsgebiet den Verteidigern Kobanes zu Hilfe zu kommen. Mit Hilfe von Luftangriffen der von den USA geführten Allianz schlugen sie den IS zurück.

Auch in Kobane selbst ereignete sich eine Explosion, zu der es unterschiedliche Angaben gab. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die syrische Kurdenmiliz YPG sei mit einer Autobombe angegriffen worden. Ein YPG-Sprecher sagte dagegen, es habe mehrere Explosionen bei der Beseitigung von Munition gegeben, die vom IS zurückgelassen worden sei.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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