Grenzüberschreitender Warenverkauf ohne großen Aufwand
Vereinfachter Handel zwischen Polen und Deutschland

Seit der EU-Erweiterung hat sich der Handel zwischen Deuschland und Polen vereinfacht. Holger Köhn, Abteilungsdirektor in der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TWG) Gorzow (Landsberg) sieht den Hauptvorteil der Unternehmen, dass diese ohne den bisherigen großen Aufwand ihre Waren grenzüberschreitend verkaufen können.

HB GORZOW.Die Gesellschaft berät deutsche Unternehmer auf dem polnischen und polnische Firmen auf dem deutschen Markt. Auch der Immobilienerwerb sei bis auf wenige Ausnahmen für Deutsche jetzt leichter.

Mit der Grenzöffnung seien alle bisher Zeit aufwändigen Prozeduren, wie Einfuhrumsatzsteuer- und Zollformalitäten, weg gefallen, sagte er. „Es ist fast schon ein Inlandsmarkt, was ja auch das Ziel ist.“ Jetzt könnten auch relativ kleine Firmen Auslandsbeziehungen aufbauen. Das hätten sie sich zuvor wegen des bürokratischen Aufwands nicht leisten können. „Vor allem für die Grenzregion sollte das jetzt doch ein Vorteil sein.“ Mit dem Bekanntwerden des Beitrittsdatums gingen viele Anfragen bei der Gesellschaft ein. „Erst da sind viele Unternehmen in Deutschland aufgewacht und haben sich an uns gewandt.“ Die Anfragen seien in dieser Zeit um 50 bis teilweise 100 Prozent gestiegen. Die Hälfte der Interessenten wollte Informationen zu allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen im jeweils anderen Land, zehn Prozent stellten Fragen zum Thema Investitionen. Die Anfragen kämen zur Hälfte aus der unmittelbaren Grenzregion und zur Hälfte aus entfernteren Regionen in Deutschland und Polen.

„Dies hat sich auch nach dem 1. Mai nicht geändert.“ Das Interesse käme vorrangig aus den Branchen Bau, Metallbearbeitung, Logistik, Transport und Kfz-Zulieferindustrie. Aber auch Unternehmensberatungen sowie das Holz und Textil verarbeitende Gewerbe hätten professionelle Unterstützung erbeten. „Viele Unternehmen suchen in Polen einen Produzenten, der bestimmte Teile für sie fertigen kann.“ Zu möglichen Geschäftsabschlüssen in den vergangenen 100 Tagen konnte Köhn keine Angaben machen. Dafür sei der Zeitraum viel zu kurz. „Von einer ersten Anfrage bis zur Investitionsentscheidung vergeht häufig ein Jahr“, erläuterte er.

Nach Einschätzung des Fachmannes interessiert sich die grenznahe deutsche Seite immer noch zu wenig für die Entwicklung in Polen. Im Gegensatz dazu beschäftigten sich Polen mehr mit dem, was westlich der Oder passiere, sagte Köhn. Dies könnte möglicherweise mit der Wende zusammenhängen, als der Blick der Ostdeutschen zunächst nach Westen gegangen sei. Auch sprächen mehr Polen Deutsch als Deutsche die Sprache des Nachbarn. „Aber Sprache erleichtert Kontakte.“ Zum Arbeitsmarkt sagte Köhn, er gehe nicht davon aus, dass polnische Arbeitskräfte in starkem Maß auf den EU-Markt drängten. „Viele Polen können schon in Deutschland arbeiten, ausgeschlossen sind die Branchen Bau, Industrie-Reinigung und Innendekoration.“ Wer in Deutschland arbeiten wollte, sei schon da, meinte er. Zudem gebe es in den Behörden Unklarheiten zur Umsetzung der EU- Beitrittsbedingungen auf diesem Gebiet. Häufig sei unklar, was praktisch machbar sei und was nicht. „Ich gehe davon aus, dass die strikten Vorschriften dort, wo Arbeitskräfte in Deutschland fehlen, langsam aufgeweicht werden.“ Als Beispiel nannte er den Mangel an Ärzten und Pflegepersonal westlich der Oder.

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