Grexit
Der schwarze Schwan

Griechenlands Staatspleite, und damit das Ausscheiden aus der Euro-Zone, scheint nicht mehr abwendbar zu sein. In dem Land selbst droht nun das Chaos. Es wäre ein Wunder, wenn die Börsen ruhig blieben. Ein Kommentar.
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BerlinJetzt ist es also soweit. Der Schwarze Schwan ist mitten in Europa gelandet. Was noch am Freitag für völlig unwahrscheinlich gehalten wurde, ist einen Tag später eingetreten. Griechenlands Staatspleite, und damit der Grexit, scheint nicht mehr abwendbar zu sein.

Sollte nicht doch noch ein Wunder passieren, heißt es am heutigen Sonntag die Ruhe vor dem Sturm zu genießen. Ab dem morgigen Montag wird sich dann herausstellen, ob die Euro-Zone wirklich so gut für den Grexit gerüstet ist, wie so viele Experten immer behauptet haben.

Ein geordneter Austritt Griechenlands wäre das kleinere Übel als ein Verbleib des Landes zu falschen Bedingungen, haben uns Ökonomen in den letzten Monaten immer und immer wieder erzählt. Der Bankensektor in Deutschland sei nicht mehr involviert, nur der Staat und damit der Steuerzahler müssten im Fall der Fälle haften. Was für ein Trost.

Die Kanzlerin hat diesen einschläfernden Prognosen der Ökonomen und selbsternannten Experten nie wirklich getraut. Zu simpel klang das für die Physikerin, die Wert darauf legt, das Ende immer mitzudenken.

Die hektische Nervosität in den europäischen Hauptstädten am Samstag gibt schon mal einen Vorgeschmack darauf, wie sich die Stimmung in der Euro-Zone verändern wird. Ein Austritt Athens wirkt für manche offenbar wie eine Sprengladung, die noch mehr als ein Land in den Abgrund reißen könnte.

Angela Merkel wurde deshalb auch nicht müde, immer wieder zu betonen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch wo eben kein Wille ist, ist auch für die Krisenkanzlerin kein Weg. Sie hat fünf Jahre für die Stabilität Griechenlands gekämpft, in fünf Monaten hat diese Arbeit der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras zunichtegemacht. Ein trauriger Rekord.

In Griechenland droht nun das Chaos. Es wäre zudem ein Wunder, wenn die Börsen ruhig blieben. Und Merkel und ihr Bundesfinanzminister müssen den Bürgern erklären, warum sie Milliarden in ein Land gepumpt haben, das sich nicht helfen lassen will. Montag wird auch ein Tag der Schuldzuweisungen.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Grexit : Der schwarze Schwan"

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  • Nun war ich drauf und dran das Handelsblatt zu abonnieren nach Ablauf des Schnupper-Abos und dann so etwas - ein Kommentar geschrieben in der Dramaturgie eines Arztromans und dann auch noch vom Resortleiter Politik. Griechenland hätte auf Grund seiner wirtschaftlichen Schwäche niemals in den Euro gehört - das hatte auch Theo Waigel bereits seinem griechischen Amtskollegen dereinst mitgeteilt - nun haben sich aber die korrupten griechischen Eliten dereinst mit Hilfe von Goldman Sachs, den Bilanzschönungsexperten von der Wall Street den Zutritt verschafft. Schon als diese Nummer aufflog hätte Griechenland den Euro wieder verlassen müssen, statt dessen haben unsere EU-Politideologen in Brüssel und Berlin jede Menge gutes Steuerzahlergeld dem versenkten schlechten Geld hinterher geworfen und mit dieser Insolvenzverschleppung erst eine größere Nummer daraus generiert. Da kommt eine dahergelaufene linke Regierung, die sich erdreistet im Mutterland der Demokratie das Volk zu befragen doch grade recht, um als Sündenbock zu dienen, dem man alle Schuld für die Geldverluste der eigenen Politik anheften kann, damit man im eigenen Volk nicht in Ungnade fällt. Ihre Lobhudelei für unsere Kanzlerin empfinde ich als unangebracht und beschämend und ich sinniere über die Beweggründe nach, welche einen Resortleiter Politik zu einer derartigen Werbeschalte veranlassen. Ich fürchte Hr. Sigmund, wenn sich die Leser dieses Blattes so leicht für dumm verkaufen lassen, gebe ich mein Geld doch lieber für ein anderes Informationsportal aus, welches dieser Begrifflichkeit mehr Ehre erweist.

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