Grexit
Der Tag danach

Sollte Griechenland austreten, müsste die Euro-Zone gestärkt werden.   Sonst droht mittelfristig die Gefahr, dass auch am Verbleib weiterer Krisenländer gezweifelt wird.
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Brüssel, BerlinOffiziell will niemand über einen Plan B für Griechenland sprechen. Doch da die Verhandlungen mit Athen kaum vorangehen, kommt man bei EU und den Euro-Staaten kaum umhin, einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion durchzuspielen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Was passiert am Tag danach?

Die Einschätzungen, ob es kurzfristig zu Ansteckungseffekten in der Euro-Zone kommt, sind bei den Beteiligten unterschiedlich. Viele halten das Risiko für begrenzt, auch dank des derzeitigen Programms zum Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Allerdings droht mittelfristig die Gefahr, dass auch am Verbleib weiterer Krisenländer gezweifelt wird.

Ausbau der Bankenunion

Um dem zu begegnen, bräuchte es nach einem Grexit ein starkes Signal des Zusammenhalts. Dieser Überzeugung sind nach Informationen des Handelsblatts maßgebliche Regierungen der Euro-Zone. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) halte einen Integrationsschritt für zwingend erforderlich, heißt es in Verhandlungskreisen.

Genannt wird unter anderem eine stärkere finanzpolitische Zusammenarbeit. So kursiert wieder die Idee eines Budgets für die Euro-Zone. Auch wären weitere Kompetenzen für den Rettungsfonds ESM denkbar. Genauso der weitere Ausbau der Bankenunion, etwa bei der Einlagensicherung. Der Haken: Für die meisten dieser Schritte wäre eine Änderung des EU-Vertrags von Lissabon notwendig. In vielen Ländern, wie etwa Frankreich und den Niederlanden, fehlt dazu die Bereitschaft.

Junckers Reform der Euro-Zone

Um dieses Problem weiß auch Jean-Claude Juncker. Er bereitet derzeit gemeinsam mit EU-Ratspräsident Donald Tusk, EZB-Präsident Mario Draghi und Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem einen Bericht für eine Reform der Euro-Zone vor. Neben den Änderungen, die eine Vertragsänderung erforderlich machen, will Juncker Maßnahmen vorschlagen, die kurzfristig umsetzbar sind. Beispielsweise soll die bislang nur befristet für Griechenland eingerichtete Taskforce ausgebaut werden und auch anderen Staaten bei schwierigen Reformen der Verwaltung, des Steuer- und Abgabensystems oder der Sozialversicherung helfen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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