Griechen-Referendum
„Wie ein politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tode“

Der Brüsseler Euro-Gipfel sollte der Befreiungsschlag gegen die Schuldenkrise sein. Doch mit dem geplanten Griechen-Referendum ist das Makulatur: Ökonomen warnen schon vor den verheerenden Folgen für das Finanzsystem
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Düsseldorf/BerlinDie Griechenland-Krise ist mit voller Wucht wieder ausgebrochen - nur wenige Tage nach dem vermeintlich entscheidenden Euro-Gipfel in Brüssel. Dessen Beschlüsse zu den Milliarden-Hilfen für Athen stehen wieder auf der Kippe, weil die dortige Regierung dem Abgrund entgegen taumelt. Innenpolitisch zunehmend isoliert, will Ministerpräsident Giorgos Papandreou seinen Sparkurs und die Hilfszusagen dem Volk zur Abstimmung vorlegen.
Die Entscheidung hat an den Finanzmärkten für heftige Turbulenzen gesorgt. Die New Yorker Börsen schlossen am Dienstag mit kräftigen Verlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel 2,5 Prozent auf 11.657 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 2,8 Prozent auf 1218 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,9 Prozent auf 2606 Punkte. In Frankfurt trieb die neue Unsicherheit über die Griechenland-Krise die Kurse noch tiefer in den Keller. Dort ging der Deutsche
Aktienindex (Dax) fünf Prozent schwächer mit 5834 Punkten aus dem Handel.


Auf internationaler Ebene findet heute wegen der neuen Griechenland-Lage ein Sondertreffen der Spitzen der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy machten im Vorfeld Druck auf Griechenland, das erst vor einer Woche beschlossene Rettungspaket rasch und ohne Abstriche umzusetzen. Es sieht Entlastungen von 100 Milliarden Euro vor, wenn Athen seine Sparauflagen erfüllt.


Doch derzeit sieht es nicht so aus, als ob die griechische Regierung ihren eingeschlagenen Kurs wieder ändern würde. Führende Ökonomen in Deutschland fürchten schon bei einem Scheitern des geplanten Referendums verheerende Folgen für das Finanzsystem in der Euro-Zone. Zwar sei es „für sich genommen nicht falsch“, wenn der griechische Premier Giorgos Papandreou versuche, für seine Politik zur Umsetzung der Gipfelbeschlüsse der Euro-Staaten aus der letzten Woche eine neue Legitimation zu bekommen. Doch bei einem Nein im Plebiszit drohe das „Schuldenevent“, das mit den Beschlüssen vermieden werden sollte. „Die Kreditausfallversicherungen würden gezogen, die befürchteten Schockwellen durch das Finanzsystem wären wohl nicht zu vermeiden“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online.


Papandreou habe so aus guter Absicht Europa bereits „großen Schaden“ zugefügt, zumal auch nicht klar sei, worüber die Griechen eigentlich abstimmen sollen. „Den einseitigen, freiwilligen Schuldenerlass der Kreditbanken? Wohl kaum. Die Hilfen der Euro-Partner und des IWF? Da ist doch längst durch. Die notwendige Restrukturierung der Staatsfinanzen? Darüber wären dann aber Neuwahlen herbeizuführen, und man müsste nicht sogleich Europa so stark in Mitleidenschaft ziehen“, erläuterte Hüther und fügte hinzu: „Alles in allem scheint es wie ein politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Da sollte man dann alleine machen.“


Kommentare zu " Griechen-Referendum: „Wie ein politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tode“"

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  • Tut mir ja leid - aber hört doch mal auf die "Experten" zu befragen! Der chefvolkswirt von Deka, der Hr. Kater, hielt z.b. vor vier Jahren noch blumige Vorträge, warum eine Amerikabankenkrise niemals nach Europa überschwappen kann. (Weil die EZB gerade Milliarden in den Markt gepumpt hat.... Denn wir haben die Regierung beraten... Europa ist sicher...)

    Ungefähr zwei Jahre später hielt er wieder Vorträge. Dieses Mal mit dem Thema "Die Krise ist da. Retten Sie ihr Geld."

    Also wirklich - diese Leute mögen ja gute Selbstvermarkter sein. Vielleicht auch gute Politiker. Aber als Experten im Sinne von "sie haben Ahnung wovon sie reden" kann man sie nicht bezeichnen. Und letztlich ist das wohl eine der Ursachen für die Riesenprobleme unter den heute alle leiden.

  • Habe herzlich gelacht - kann so kommen!

  • Das Wirtschafts- und Finanzsystem der Schweiz ist unübertroffen.

    Es gibt einige feine Hightech-Firmen, gehobenen Tourismus, sicherlich ein tolles Gesundheitssystem, hochseriöse Banken... Nur sollte man fragen, wie die Schweiz wirklich funktioniert.

    Ich habe noch keinen üblen Diktator mitbekommen, der nicht einen wichtigen Teil seines Geld in der Schweiz geparkt hatte: angefangen bei Hitler über Marcos, Gaddafi. Die Liste ist sicherlich endlos.

    Dazu kommen eine Unmenge namenloser Steuerhinterzieher und namhafter Steuerflüchtlinge. In der Schweiz ist man immer willkommen, wenn man nur genügend Geld mitbringt, sei es als Kontoinhaber oder als Neubürger. Verdient wird das Geld außerhalb der Schweiz, dann transferiert.

    Natürlich generieren diese Unmengen an Kapital sehr hohe Kapitalerträge. Versteuert mit den moderaten Schweizer Einkommensteuern lässt sich trefflich wirtschaften. Das Problem ist, dass das Kapital in den Herkunftsländern fehlt.

    Die Schweiz ist nicht die Alternative zu unserem fragwürdigen Finanzsystem, sondern ein enormer Nutznießer und eines der wichtigsten Zentren.

    Auf Deutschland oder andere größere Staaten lässt sich dieses "saubere" Wirtschaftssystem leider nicht eins zu eins übertragen. Es sei denn, wir fliegen bald zum Mars und die Marsianer legen ihr Kapital großteils in Deutschland an.

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