Griechen-Rettung

Asmussen erwartet drittes Hellas-Programm

Nach Ansicht des EZB-Direktors ist Griechenland an den Finanzmärkten bis 2016 chancenlos. Ein drittes Hilfspaket scheint unvermeidbar. IWF-Chefin Lagarde nennt als Ziel ein realistisches Programm für Griechenland.
Update: 18.11.2012 - 21:05 Uhr 36 Kommentare
Der deutsche EZB-Direktor Asmussen sieht dringenden Finanzbedarf im griechischen Staatshaushalt. Quelle: dapd

Der deutsche EZB-Direktor Asmussen sieht dringenden Finanzbedarf im griechischen Staatshaushalt.

(Foto: dapd)

Berlin/BrüsselTrotz aller Bemühungen um ein finanzielles Überleben Griechenlands ist nach Einschätzung aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB) ein drittes Hilfspaket unvermeidbar. "Wir sollten die Finanzierung für die Jahre 2013 und 2014 jetzt nächste Woche aufstellen", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen dem ZDF nach einer Vorabmeldung vom Sonntag.

Es sei aber nicht zu erwarten, dass sich Griechenland 2015 und 2016 wieder Geld an den Finanzmärkten leihen könne. "Das heißt, es wäre dann ein Anschlussprogramm erforderlich", sagte Asmussen. Am Wochenende zeichnete sich unter den internationalen Geldgebern vor der Sondersitzung der Euro-Finanzminister zu Griechenland keine Annäherung ab.

Asmussen sagte weiter, ganz klare und endgültige Lösungen seien im Fall Griechenlands schwieriger als anderswo. Hier gebe es eine größere Prognoseunsicherheit, wann das Land auf Wachstumskurs zurückkehren könne. Allein mit Krediten sei Griechenland nicht geholfen. "Das schließt zwar die Finanzierungslücke, erhöht aber gleichzeitig die Schulden des Landes", sagte Asmussen dem ZDF zufolge. Um den Schuldenstand nicht zu erhöhen, kämen ein Schuldenrückkauf oder eine Senkung der Zinsen auf die ausstehenden Kredite infrage.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte am Sonntagabend in der ARD zu einem dritten Hilfspaket, es komme darauf an, was Asmussen gemeint habe. "Vermutlich hat er gesagt, wir brauchen zusätzliche Mittel, um die Finanzlücke zu schließen." Griechenland brauche zwei Jahre mehr Zeit - also bis 2016 - um die Neuverschuldungsgrenze einzuhalten. "Das kostet entsprechend mehr Geld. Wenn Asmussen das gemeint hat, hat er recht. Das sind genau die 14 Milliarden Euro Finanzierungslücke, für die wir eine Lösung finden müssen." Am Dienstag müsse dazu eine gemeinsame Linie gefunden werde, das werde auch gelingen.

Ein neuer Hellas-Schuldenerlass, wie vom IWF gefordert, sei aber nicht möglich, sagte Schäuble. Nach der Rechtsordnung der Mitgliedsstaaten dürfe man nicht gleichzeitig Kredite gewähren und für gewährte Kredite einen Schuldenschnitt machen. Auch der Hauptgläubiger EZB lehne das ab. Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, sprach sich ebenfalls gegen einen Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands aus. Gegenüber dem Handelsblatt (Montagausgabe) sagte er, ein solcher Schritt sei nur in Ausnahmesituationen möglich.

Die Finanzminister der Euro-Länder wollen am Dienstag auf einer Sonderkonferenz beraten, wie eine neue Finanzierungslücke im griechischen Haushalt bis 2014 in Höhe von 13,5 Milliarden Euro gedeckt werden kann.

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36 Kommentare zu "Griechen-Rettung: Asmussen erwartet drittes Hellas-Programm"

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  • @Buerge_r
    Glauben Sie wirklich, dass es nur DARAN liegt?

  • Indem man gelassen und respektvoll im Ton aber konsequent in der Sache NEIN sagt. Das konnte das deutsche Volk und seine Regierungshampelmaenner noch nie. Entweder ueberheblich oder unterwuerfig aber immer ohne das eigene gesunde und dann voellig selbstverstaendliche Mass.

  • Wie wäre es denn, wenn wir gemeinsam versuchen, eine EU-Völker-Konferenz zu veranstalten und somit unseren Politikern das alleinige Handlungsmonopol etwas aus der Hand nehmen?
    Es ginge bei so einer Konferenz um die Zukunft der einzelnen Euroländer, vom Süden bis zum Norden.
    Es dürften möglichst nur Parteilose teilnehmen, damit die Sache nicht instrumentalisiert wird.
    Der Sitzungsort sollte neutral sein – z.B. in Belgrad, das gut zu erreichen ist. Ein großer Sitzungssaal und eine Übertragung nach draussen für die, die keinen Platz gefunden haben.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass man auf so einer Konferenz zu ganz anderen Ergebnissen kommt als es unsere Politiker tun.
    Und die Medien wären sicher dabei – so was kann man sich ja nicht entgehen lassen. Und wenn nicht, müssten wir Mittel finden, sie zu zwingen.
    Das Ergebnis einer EU-Völker-Konferenz kann man nicht einfach so unterm Tisch verschwinden lassen. Die Politiker müssten dann Farbe bekennen und zugeben, dass ihnen der Volkswille egal ist. Und DANN hätte man evtl. auch eine rechtliche Handhabe. Oder auch eine andere.

  • @anonym
    Die Antwort auf Ihre Frage ist zweitrangig. Denn schlimmer als jetzt kann es gar nicht mehr werden. Mir ist es inzwischen total egal, wer danach kommt - alles andere ist besser. Natürlich wäre ein Bürgerkrieg nicht schön - aber selbst DANACH wären die sog. Eliten weg. Ich bin fest davon überzeugt, dass NUR ein fühlbarer Aufprall ganz unten jeden einzelnen Griechen aufweckt. Denn die sog. Eliten werden ihr Volk aus lauter Furcht und Vorsicht immer weiter auf unsere Kosten pampern und sich auf diese Weise vor bösen Konsequenzen retten. Schon jetzt gehen die allermeisten Politiker nur mit Trauben von Bodyguards aus - und selbst dann riskieren sie noch Keile und Schlimmeres.

  • @hafnersp
    Ich habe den o.a. Artikel soeben gelesen. Sie haben recht. Dieser Artikel ist recht informativ und geht inhaltlich weit über den eher traurigen Beitrag des HB (vor einigen Wochen) hinaus. Ich hätte das auch gern im HB gelesen.

  • Zitat:"Natürlich bleibt der IWF an Bord."

    Das halte ich eher für unwahrscheinlich. Beim 2.Rettungspaket ist der IWF prozentual bereits mit weniger als beim ersten und beim dritten noch weniger und irgendwann wir es nur noch eine symbolische Summe sein. Dann ist der IWF nur noch auf dem Papier dabei, aber nicht oder nur unbedeutend mit Geld.

    Dann darf der deutsche Steuerzahler alles allein bezahlen.

  • Die Griechen sind nicht einmal fähig, ihr Olivenöl im eigenen Land zu raffinieren - das müssen die Italiener übernehmen. Die Griechen wissen, dass es sich auch ohne eigene Anstrengung sehr gut leben lässt. Wozu sich also anstrengen? Und das dumme Geschwätz eines Asmussen bestätigt die Griechen auch noch in einer Weise, die geeignet ist, die Party weiter anzuheizen, ...... die wir zu bezahlen haben!

    Wenn es ein weiteres, ein drittes Rettungspaket für die korrupten Griechen geben sollte, Herr Asmussen, ist der soziale Frieden in Europa erheblich gestört - und Leute wie Sie, mit Ihrem dumm-dreisten Geschwätz werden sich sehr warm anziehen müssen.

  • Asmussen darf die Öffentlichkeit scheibchenweise auf das Desaster vorbereiten... Der Realitätssinn unserer Politiker ist unterirdisch - in 10 Jahren werden wir uns über das 25. Hilfsprogramm für Griechenland unterhalten!
    Das Festhalten an Griechenland im Euro-Raum bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Weder private Gelder noch Investitionen werden so möglich. Diese Zwangswährung wird sich noch als Spaltpilz für Europa entpuppen. Andere Länder stehen schon vor der Tür und fordern zu Recht die gleichen Hilfsleistungen wie für Griechenland. Die Verbohrtheit der Politik wird den Euro letztlich zum Scheitern bringen!

  • „Deutschlands noch verbliebenes Rest-Vermögen wird gerettet…“

    „Deutschland wird über Aufwertungsgewinne weiter gestärkt …“

    Ich bin eher kein Verschwörungstheoretiker, aber mir kommen in letzter Zeit doch Zweifel. Kann es sein, dass genau das – siehe Zitat – auch gar nicht gewollt ist? Dient der ganze Mist tatsächlich nur dazu, die Angst vor Deutschlands Stärke (z.B. die von Frankreich vor der Einführung des Euro) ein für allemal zu beseitigen? Das wäre ja unfassbar. Und wie wehrt man sich als Deutscher dagegen, ohne die Angst vor uns gerade dadurch noch mehr zu schüren?

  • Insolvenzverschleppung? Währungsbetrug? Kalte Enteignung? Offene politische Entmündigung?

    Währungssozialismus wäre wohl die richtige Bezeichnung. Die vertraglichen, die politischen und auch ökonomischen Grundlagen dieser Währungszonenunion sind de facto nicht mehr vorhanden. Die vertraglich und rechtliche bindenen Vertragsbestandteile des Maastrichter Vertrages werden laufend uminterpretiert und zu unseren Ungunsten ausgelegt. Mit freundlicher Unterstützung aus Deutschland, da Deutschland vom Euro alternativlos profitiert.

    Der eigentliche und wirkliche Skandal dabei ist jedoch, dass nur in wenigen Medien darüber sachlich, seriös und fundiert berichtet wird. Die Fernsehmedien sind diesbezüglich ein kompletter Totalausfall. Parteipolitisch auf Stromlinienform gebracht. Die meisten regionalen Tageszeitung leider auch.

    So kann man dieses Eurodesaster weiter verschleiern und sich schönreden. Bis zur nächsten Krise, die dann hoffentlich nach der Bundestagswahl kommt. Dann hat man wieder vier Jahre ungestört Zeit.

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