Griechenland Am Rosenmontag ist alles vorbei

Für die Griechen ist Rosenmontag ihr Schicksalstag. Entweder Athen und die EU einigen sich – dann ist das Krisenland vorerst mal wieder gerettet – oder die Verhandlungen scheitern. Die Zeitbombe tickt trotzdem weiter.
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Für Griechenland könnte schon am Rosenmontag alles vorbei sein – wenn das Land sich mit der EU einigt. Quelle: dpa
Die Griechen im Karneval

Für Griechenland könnte schon am Rosenmontag alles vorbei sein – wenn das Land sich mit der EU einigt.

(Foto: dpa)

Athen„Kommen Sie“, sagte Francois Hollande und schob Alexis Tsipras auf Angela Merkel zu, „ich stelle Sie der Kanzlerin vor.“ So kam es am Donnerstagnachmittag kurz vor Beginn des EU-Gipfels zur ersten Begegnung. Merkel gratulierte Tsipras freundlich zum Wahlsieg und sagte, sie hoffe auf eine gute Zusammenarbeit – „trotz der Schwierigkeiten“. Lächelnd und mit einer artigen Verbeugung erwiderte Tsipras, das hoffe er auch.

Nichts erinnerte bei dieser kurzen, aber freundlichen Unterhaltung daran, dass Tsipras die Kanzlerin noch im Wahlkampf als „gefährlichste Politikerin Europas“ geißelte, die aus Griechenland eine „Schuldenkolonie“ machen wolle, dort eine „humanitäre Katastrophe“ angerichtet habe und „mit dem Leben der Griechen spielt“.

Der „Euroschreck“ Tsipras kommt langsam in der europäischen Realität an – auch äußerlich. Auf die Krawatte verzichtet er zwar weiter, dafür trat er in Brüssel mit einem akkurat gefalteten weißen Einstecktüchlein im Jackett auf – ein Accessoire aus den 60er Jahren, das heute eigentlich nur noch vereinzelt von älteren, arrivierten Herren getragen wird.

Über stilistische Unsicherheiten sieht man aber gern hinweg, denn in Brüssel gingen Griechenland und die Gläubiger endlich einen Schritt aufeinander zu. Nachdem Tsipras noch am Vorabend seinen Finanzminister Yanis Varoufakis telefonisch zurückgepfiffen und so ein bereits ausgehandeltes Kommuniqué bei der Sitzung der Euro-Finanzminister durchkreuzt hatte, verständigte er sich jetzt mit Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem: Vertreter der griechischen Regierung sollen vom heutigen Freitag an mit Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Einzelheiten einer neuen Vereinbarung beraten.

Hinter der Ankündigung verbirgt sich ein kleines Wunder: Die Troika, von der Tsipras beharrlich behauptet, es gebe sie nicht mehr, und von der Finanzminister Varoufakis sagt, sie sei „tot“ – sie ist wieder auferstanden. Es sind dieselben drei Herren, die nun der griechischen Delegation gegenübersitzen: Declan Costello von der EU, Klaus Masuch von der EZB und Rishi Goyal vom IWF. Einziger Unterschied: Man verhandelt nicht in Athen, sondern in Brüssel. Und man nennt das Trio nicht mehr Troika. Das T-Wort ist zu einem Unwort geworden.

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Tsipras hat ein Problem
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25 Kommentare zu "Griechenland: Am Rosenmontag ist alles vorbei"

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  • Die Aussage :"Tsipras hat ein Problem" ist einfach falsch.Tsipras hat kein Problem ist richtig.Das weiß Tsipras und Merkel und all die anderen Marionetten auch.
    Die Kredite werden auf Rückzahlung St.Nimmerlein umgeschuldet und es kann weitergehen.Bezahlt wird vom kraut.Der weiß das noch nicht.Der muß das auch nicht wissen,stört nur seinen Schlaf.

  • @Herr KeoOma ist, Gottlob, nicht verhungert nach dem ll WK. Aber viele andere Omas und Opas., so wie viele Wehrmachtsoldaten starben den Hungertod. Nicht nur in Russland.

  • Zitat Jürgen Habermas, der einen traurigen Blick auf Europa wirft. "Merkelfromme Medien bestärken die Parteien, das "heiße Eisen" der Europapolitik nicht anzufassen, anders die Alternative für Deutschland." so der allseits respektierte Philosoph und einer der wirklich letzten unabhängigen Intellektuellen in diesem Land.

  • Und täglich grüßt das Murmeltier. Was soll das ganze dämliche Geschreibe von Schicksalstag etc? Die Griechen bekommen wieder Aufschub, und so wird das die nächsten Jahre weitergehen, ohne dass sich in der Substanz was ändert. Der EUR-Raum ist chronisch krank in seiner Zusammensetzung, da hilft nur Symptomdokterei oder man verändert endlich die Struktur des EUR-Raums massgeblich hin zu einer wirtschaftlich-nachhaltigen Zusammensetzung von homogenen Volkswirtschaften. Nie wird Griechenland so aussehen wie Deutschland oder Holland, das behaupten nur diese realitätsfernen Brüssel-Supereurokraten. Der Bürger und nicht mal Experten haben bei diesem Thema was zu sagen, es geht schlichtweg um Interessen und Macht. Der EUR ist eine rein politische Währung, noch dazu nicht ohne massive Subventionen überlebensfähig. Und das ist keine Meinung, sondern empirisch bewiesen anhand der letzten 7 Jahre. Aber wie lange soll das noch so weitergehen? Und wann zahlen endlich die Nutzniesser, also insb. die internationalen Großbanken ihren Anteil. Diese "EUR-rettung" und viele andere politische Entscheidungen haben dazu geführt, dass die Superreichen noch reicher geworden sind und weiterhin werden. Ist das Politik für die Masse, für die Leistungsträger der Mittelschicht??? Nur die AfD sagt dazu die Wahrheit, und manchmal auch die Linke

  • @Herr jochen voss

    Bei dem Herrn kommt "Fackt" wohl von ficken.

  • Fortsetzung

    Stattdessen werden die Menschen voll gedröhnt mit Werten und einer angeblich vorhandenen Wertegemeinschaft bestehend aus Demokratie, unveräußerlichen Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, die mit der tatsächlichen und auf uns zu kommenden Realität immer weniger zu tun haben.

    Mit welchem Recht darf so ein übler Welthegemon und Verbrecherstaat unsere Bündnisbereitschaft, Gefolgschaft und Loyalität einfordern?! Ja richtig, nur mit dem Recht des Stärkeren und des Siegers über den Vorgängerstaat der Bundesrepublik Deutschland und weil sich die deutsche und auch die europäische Politik, also alle etablierten Parteien, der angloamerikanisch-feudalen Weltmacht verschrieben haben. Ändern könnten das nur sehr machtvolle Volksaufstände in Europa oder unsere sklavische Abhängigkeit wird dauerhaft festgeschrieben!

    Im Gesamtzusammenhang und Kontext gesehen beruhen viele innerdeutschen, fast alle größeren innereuropäischen, also auch die griechischen Probleme auf genau diesem schwerwiegendem US-Imperialismus, sie werden mindestens davon provoziert und gefördert. Die USA und Großbritannien bzw. die Machthabenden Eliten in diesen beiden Ländern sind nicht nur das eigentliche Problem und ursächlich für fast alle Probleme in Europa, sondern das Problem der ganzen Welt. Diese Feudalmischpoken sind schlechthin das Hauptübel der Welt, die Todfeinde der Menschheit und tödlicher Hass wäre die einzige angemessene und nachvollziehbare menschliche Reaktion die alternativlos ist!!!

  • Wir haben richtige Probleme und sie hören einfach nicht auf!
    "Washington gleicht einem Zimmer, in dem Leichen liegen. Und fast alle Anwesenden versuchen, sie nicht zu bemerken. Diese Leichen sind die ungeheuren internationalen Verbrechen des US-Imperialismus. Die USA schotten sich gegen jegliche Aufklärung ihrer Verbrechen ab, an rechtsstaatliche Verfolgung der Verbrechen ist überhaupt nicht zu denken, wie in einer Vakuumverpackung, und im Land bleibt immer weniger freie Luft zum Atmen." Die als Whistleblower “negativ“ auffallen werden gnadenlos verfolgt, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte existieren gegenüber erklärten Feinden nicht. Paranoisch wird alles und jeder überwacht. Der klar formulierte Hegemonialanspruch der USA - die Politik der Welt ausschließlich nach ihren eigenen Interessen zu gestalten – wird kompromisslos durchgesetzt. Zum Dreh-und Angelpunkt der amerikanischen Staats-und Sicherheitsdoktrin wurden „hegemony“ und „preemption“, militärische Prävention. Angesichts seiner militärischen Stärke nahmen und nehmen die Vereinigten Staaten keine Rücksicht mehr auf das Völkerrecht und auf bestehende Verträge, weder auf Einwände seiner Alliierten noch auf die anderer Großmächte oder gar auf die UNO, die einzig legitime Konfliktregelungsinstanz. Die Supermacht USA duldet seither keine Autorität über sich, auch nicht die Autorität des Rechts. Sich „lege absolutus“ fühlend, über dem Gesetz stehend, wiederholt der Welthegemon und -polizist damit die Definition des Staatsrechtlers Carl Schmitt: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“ Im Zweifelsfalle geht Macht vor Recht und demokratische Ideale. Das wird noch nicht einmal durchgehend heimlich gemacht, im jeweiligen Einzelfall natürlich schon, die Ton angebenden US Politiker stehen aber freimütig zu dieser Realpolitik, nur die westlichen Mainstream-Medien ihrer Alliierten, verschweigen verschämt diese Tatsachen.

    Fortsetzung

  • Es ist paradox. Griechenland ist pleiter als pleite. Die Griechen wollen von sich aus keine weiteren Kredite mehr. Warnen selbst täglich vor dem „Fass ohne Boden“. Und was machen die Eurokraten, Sie nötigen Griechenland regelrecht zu weiterer Verschuldung, sowas ist doch irre. Ich will jetzt endlich mal von den deutschen Medien erfahren, welches die wahren Gründe dafür sind, Griechenland nicht zur Drachme zurückkehren zu lassen! Und zwar objektiv. Auch will ich endlich Ross und Reiter beim Namen wissen, wer sind die Gläubiger der Griechen, wer genau wird bei einem GREXIT Geld verlieren und warum und wer hat an der Überschuldung Griechenlands jahrelang blendend mitverdient, dass will ich erfahren!

  • Ich vestehe nicht, warum angeblich immer nur der Deusche Michel . Prozetual zahlen alle EU Mitglieder immer das gleiche!

  • Was ist daran falsch?

    Es ist mir nicht bekannt welche Beziehung gr. Eliten zu den gr. Straßenlatenen haben.

    Aber falsch ist es, den Staatsapparat aufzublähen und der Steuerzahler der Euro Zone sollen dafür zahlen. Es gibt auch in D genug Armut, Kinderarmut und Rentnerarmut. Die Subventionierung der gr. Eliten und Banken kann man wohl nicht von uns verlangen. GR ist und bleibt ein SCHWARZES LOCH. Hat was mit Korruption zu tun.

    Schönen Tag noch.

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