Griechenland-Anleihen: EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis

Griechenland-Anleihen
EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis

Die EZB hat am Freitag ihre Griechen-Anleihen umgetauscht. Damit will sie sich einen Sonderstatus sichern, falls es zu einem erzwungenen Schuldenschnitt kommt. Ökonomen fürchten, dass dies anderen Krisenländern schadet.
  • 17

Frankfurt/DüsseldorfÖkonomen befürchten, dass der Tausch griechischer Anleihen aus dem Bestand der EZB anderen Euro-Krisenländern schaden könnte. Am Freitag hatte die EZB in einer überraschenden Aktion ihre griechischen Anleihen gegen neue Anleihen mit gleichen Konditionen, aber neuer Kennnummer getauscht.

Durch den Anleihetausch umgeht die EZB die Gefahr von Verlusten, falls Griechenland seine alten Gläubiger per Gesetz zu einer Umschuldung zwingt. Nach den bisherigen Planungen soll der Schuldenschnitt freiwillig erfolgen. Wenn jedoch nicht genügend Gläubiger mitmachen, könnte Athen die Gläubiger durch eine nachträgliche Änderung der Anleihebedingungen zu einer Teilnahme zwingen.

Eine zwangsweise Beteiligung könnte durch die rückwirkende Einführung von Umschuldungsklauseln erfolgen. Dann müssten - je nach Ausformulierung - 50 Prozent der Anleiheeigner für einen Schuldenschnitt stimmen, um alle Eigner zur Teilnahme zu zwingen.

Durch den Tausch ihrer Anleihen sichert sich die EZB hiergegen ab und bekommt einen Sonderstatus: Ihre Griechenlandanleihen können bei einem Schuldenschnitt außen vor bleiben.

Viele Ökonomen halten diesen Sonderstatus für problematisch. Schließlich hält die EZB auch größere Bestände von Anleihen anderer Euro-Krisenländer. Wenn die EZB mit ihren Griechenlandanleihen gegenüber anderen Gläubigern bevorzugt wird, könnten Anleger dies auch in anderen Fällen erwarten.

„Ich denke, dass die Aktion dazu führt, dass der Markt die EZB in Zukunft als vorrangigen Kreditgeber, ähnlich wie den IWF, sehen wird“, sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. „Damit hätten wir dann drei Institutionen, die diesen Status haben: IWF, EZB und künftig der ESM.“ Das werde die Risikoprämien von Ländern erhöhen, die in den Genuss von Krediten dieser Institutionen gekommen sind oder noch kommen.

Auch der Direktor des Brüsseler Forschungsinstituts Center for European Policy Studies, Daniel Gros, kritisierte den Umtausch: „Die EZB hat aus engstirnigen juristischen Bedenken heraus einen großen Fehler begangen.“ Er fürchtet, dass dies negative Auswirkungen auf andere Euro-Krisenländer haben könnte. „Die Lage wird jetzt vor allem für Portugal schwierig“. sagt er. „Das Misstrauen der Märkte gegenüber den Anleihen der Peripherieländer wird wieder wachsen. Die Portugiesen sind damit so ziemlich von den Anleihemärkten abgeschnitten“, so Gros.

Seite 1:

EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis

Seite 2:

Rechtliche Risiken für Griechenland

Kommentare zu " Griechenland-Anleihen: EZB-Tauschaktion bringt Portugal in Bedrängnis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich dachte, unsere Politiker legen bei Amtseintritt einen Eid ab, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Mir hat noch niemand schlüssig erklärt, warum vor 2 Jahren die No-bail out-Klausel einfach ignoriert wurde. Alle bestehenden Parteien im Bundestag finden eine Transfer-Union prima (warum wissen sie wohl selbst nicht). Daß eine Transfer-Union mit der "Schuldenbremse" logisch nicht zusammenpaßt, interessiert niemanden. Das Volk interessiert sich für Bahnhöfe und Schloss Bellevue - es versteht dank schwei-gender Presse überhaupt nicht, was da auf uns zukommt. Die EU wird wie Griechenland in einigen Jahren völlig überschuldet zusam-menbrechen; alle EU-Staaten werden Staatsbankrott anmelden müssen. Deutschland wird, wie Prof Sinn sagt, alles verlieren. Das Szenario ist nun sehr klar geworden, und jeder Einzelne kann seine Anlagenentschei-dungen (ggf. auch Standortentscheidungen!) darauf ausrichten.

  • Alle hier genannten Informationen sind mit Vorsicht zu genießen: In der neuen Politischen Union gelten Statistiken und Vereinbarungen allenfalls zur Verschleierung von Fehlentscheidungen, wie beim Club-Med bisher schon üblich: Die gesamte Verschuldung der EU wird mit 7 Bio. Euro angegeben, wenig glaubhaft, denn das ist die tatsächliche Größe dieses Landes mit dem "Triple A" und bedeutet 280% BIP, Griechenland soll angeblich wieder kreditfähig werden mit 129% BIP, und wo sind die jetzt? Und wo die gesamten PIGS + F?
    In einem FAZ-Interview sagt Prof. Sinn von Ifo München auf die Frage: Wie geht das alles aus?: "Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren. Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein. Dann wird man Deutschland bedrängen, die Summe zu erhöhen, um die alten Kredite zu schützen. Man wird immer wieder neues Geld dem alten hinterherwerfen, um sich bis zur jeweils nächsten Wahl zu retten (...) Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Auslandsvermögens verlieren - entweder über Staatskonkurse, über Inflation oder, am wahrscheinlichsten, über Steuererhöhungen zur Finanzierung der anstehenden Transferunion." und weiterhin auf die Frage: Wie fällt Ihr Urteil über die Verhandlungstaktik der Bundeskanzlerin aus? „Frau Merkel wird von der Wall Street, Obama, der City of London, Sarkozy, Barroso und allen Staatschef der südlichen Länder gedrängt, den Anlegern über die Bad Bank in Luxemburg, die letztes Jahr gegründet wurde (die EFSF; die Redaktion), ihre toxischen Staatspapiere abzukaufen. Dagegen hat sie die Strategie des Durchwurstelns entwickelt. Sie macht ihr Portemonnaie (das heißt unser Portemonnaie, Anm.) auf, wenn der Druck zu groß wird, aber sie gibt nicht alles her, was sie hat, weil sie weiß, dass ihre Freunde dann kein Interesse mehr an ihr haben. Sie versucht ihr Bestes. Aber wir sitzen trotzdem in der Falle.“

  • @ Arminius

    Was in den Verträgen übrigens auch nicht vorgesehen ist, ist die Möglichkeit die Überziehung der Target2-Konten zu begrenzen. Dies haben die Dilettanten bei der Installierung des EURO schlicht und einfach "VERGESSEN". Die einzige Möglichkeit die es hier gäbe, diese Selbstbedienung etwas einzuschränken, wäre, eine höhere Qualität der zu hinterlegenden Anleihen zu verlangen und somit die Inanspruchnahme etas zu reduzieren. Was wurde aber vor ein paar Tagen gemacht? Genau das Gegenteil, die Qualitätsanforderungen für die Sicherheitshinterlegungen wurden zum wiederholten Male gesenkt. Was jetzt als Sicherheit akzeptiert wird, geht kaum über den Wert von alten Zeitungen hinaus - eine Schande. Über die Senkung der Bonitätsanforderungen an die zu hinterlegenden Anleihen wurde übrigen in der EZB abgestimmt. Deutschland war gegen eine Senkung, wurde aber massiv überstimmt. In der letzten Konsequenz heißt dies nichts anderes, als dass die bisherige "Selbstbedienung", nunmehr völlig ohne Limit weitergehen kann. Solange, bis auch der letzte Junk-Bond bei der EZB im Portfolio liegt. Dies ist eine hochgefährliche Situation, weil man auf diesem Wege die EZB endlos mit Schrott vollstopfen kann. Z.Z. sind die Target2-Konten mit ca. einer halben Billion EURO überzogen, ich denke, dass bis zum Herbst die EINE Billion erreicht ist (wenn nichts passiert). Die NL, A, FIN und Deutschland haften für diese Beträge im Verhältnis ihrer EZB-Anteile. Man wird nicht davon ausgehen können, dass die PIIGS und auch Frankreich, in der Lage sein werden, ihre Anteile einzuzahlen und diese also zusätzlich von NL, A, FIN und D übernommen werden müssen. So kann es nicht weitergehen, denn am Ende steht für Deutschland die Pleite (in 2-3 Jahren?) und möglicherweise eine Währungsreform.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%