Griechenland
Athen: Kein Ende der Gewalt in Sicht

Auch während eines Generalstreiks der Gewerkschaften ist es in Griechenland wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Den fünften Tag in Folge lieferten sich am Mittwoch vorwiegend junge Leute Straßenschlachten mit der Polizei.

HB ATHEN. Die landesweiten Arbeitsniederlegungen aus Protest gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik brachten das öffentliche Leben des EU-Mitgliedslandes zum Erliegen und sorgten für zusätzlichen Druck auf den mit nur einer Stimme Mehrheit regierenden konservativen Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis.

Karamanlis zeigte sich in einer Fernsehansprache fest entschlossen, die Gewalt einzudämmen und die öffentliche Sicherheit wiederherzustellen. Den geschädigten Geschäftsleuten sagte er verbilligte Kredite und Steuererleichterungen zu. Bei den schwersten Unruhen seit Ende der Militärherrschaft 1974 entstand nach Schätzungen der Versicherer in Athen und mindestens zehn anderen Städten ein Schaden von mehr als 20 Mio. Euro an Autos, Bankfilialen und Geschäften. Allein in der Hauptstadt wurden nach Angaben der Stadtverwaltung über 320 Banken und Läden beschädigt.

Regierungskreise traten Gerüchten entgegen, dass Notstandsmaßnahmen geplant seien. Nach der Verfassung können öffentliche Versammlungen verboten werden, wenn von ihnen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht.

Auslöser der seit Samstag andauernden Krawalle waren tödliche Schüsse aus einer Polizeiwaffe auf einen 15-Jährigen. Gegen zwei Polizisten wird deshalb wegen Mordverdachts beziehungsweise Beihilfe ermittelt. Der Anwalt eines Beamten sieht seinen Mandanten durch ein ballistisches Gutachten jedoch entlastet. Der Jugendliche sei durch einen Querschläger getötet worden, sagte Rechtsanwalt Alexis Kougias der Nachrichtenagentur Reuters. „Es war ein Unfall.“ Der Bericht der Kriminaltechniker wurde bislang nicht veröffentlicht. Der unter Mordverdacht stehende Polizist sagte aus, Warnschüsse abgegeben zu haben. Zeugen zufolge schoss er dagegen gezielt.

Tausende Menschen zogen mit „Mörder“-Rufen während einer Gewerkschaftsdemonstration zum Parlamentsgebäude. Die Protestaktion schlug rasch in Gewalt um. Demonstranten warfen Brandsätze auf Polizisten, die Tränengas in die Menge feuerten. Steinwürfe waren die Reaktion aus dem Demonstrationszug.

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