International

_

Griechenland: Athen subventioniert Exhibitionisten und Pädophile

Trotz Schuldenmisere verteilt Griechenland weiter großzügige Sozialleistungen. Neueste Bürokratenblüte: die Ausweitung von Beihilfen und Vergünstigungen auf Gruppen wie Spielsüchtige, Pyromanen und Pädophile.

Wer pyromanisch veranlagt ist, der darf sich über Freifahrten im öffentlichen Nahverkehr freuen. Quelle: dapd
Wer pyromanisch veranlagt ist, der darf sich über Freifahrten im öffentlichen Nahverkehr freuen. Quelle: dapd

AthenGiannis Vardakastanis ist empört: „Diese Entscheidung ist mir völlig unverständlich“, sagt der Vorsitzende des griechischen Invalidenverbandes ESAA. Der Zorn des erblindeten Verbandschefs gilt dem Beschluss des griechischen Arbeits- und Sozialministeriums, den Kreis der Behinderten, die Anspruch auf Beihilfen und Vergünstigungen haben, zu erweitern. Seit dem November 2011 zählen in Griechenland auch Pädophile und Pyromanen, Exhibitionisten und Kleptomanen zu dieser Bevölkerungsgruppe. Wer der Spielsucht verfallen ist oder sadomasochistische Neigungen verspürt, kann ebenfalls einen Behindertenausweis beantragen. Der Grad der Invalidität liegt für solche „Gebrechen“ bei 20 bis 35 Prozent. Das reicht zwar nicht für eine Behindertenrente. Aber die Betroffenen können Steuervorteile in Anspruch nehmen, bekommen Rabatt auf die Stromrechnung und Freifahrscheine für öffentliche Verkehrsmittel.

Anzeige

Invalidenfunktionär Vardakastanis schüttelt den Kopf: „Diese Politik ist völlig falsch“. Zumal bei der Überarbeitung der Liste zahlreiche Behinderungen mit niedrigeren Quotienten bewertet wurden, wodurch viele Invaliden ihre Beihilfe verlieren, wie Vardakastanis klagt. Außerdem seien in jüngster Zeit viele private Hilfsprogramme für Behinderte eingestellt worden, weil die staatlichen Zuschüsse wegen der Finanzklemme gestrichen wurden.

Dossier Reportagen aus dem Epizentrum der Krise

20 Handelsblatt-Redakteure recherchierten eine Woche in Griechenland. Sie erlebten ein Volk zwischen Wut, Verzweiflung und Hoffnung.

Dass der Kreis der Begünstigten nun ausgerechnet um Feuerteufel und zwanghafte Zocker erweitert wird, klingt absurd, passt aber ins Bild eines Sozialsystems, das von Willkür und Missbrauch geprägt ist. 6,2 Milliarden Euro gibt der griechische Staat jedes Jahr für Beihilfen aus. Doch viele Bezieher kassieren, ohne dazu berechtigt zu sein. Glaubt man den Statistiken, gibt es in Griechenland in Relation zur Bevölkerung weitaus mehr Invaliden als in jedem anderen EU-Staat. Der Anteil der Behinderten ist doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. „Man könnte meinen, Griechenland hätte am Vietnamkrieg teilgenommen“, scherzt Markos Bolaris, Vizeminister für Gesundheit.

Wie griechische Politiker früher ihren Staat abzockten

Aber gerade Bolaris weiß, wie ernst das das Thema ist. Erschwindelte Invalidenrenten kosten den Staat jedes Jahr Hunderte Millionen. Der Vizeminister geht bereits seit dem vergangenen Jahr Missbrauchsfällen nach. Die scheint es vor allem bei Erblindungen zu geben. Wer sein Augenlicht verliert, hat  in Griechenland Anspruch auf eine monatliche Beihilfe von 300 bis 700 Euro. Eine verlockende Apanage, die offenbar Tausende Griechen dazu verführt, sich blind zu stellen.

  • 11.01.2012, 14:09 UhrPetra

    Mein Gott! Geht's noch? Doch die Griechen haben keine Schuld! Schuld sind unsere Politiker!
    Wieviel muß noch an das Tageslicht bekommen, bevor der Deutsche Zahlmichel endlich mal aufsteht und sich gegen die eigene Politikerkaste wehrt?

  • 11.01.2012, 14:18 Uhrihr

    Man kann diese Hetze nicht mehr hören!! Fasst Euch an die eigene Nase.
    Kein Grieche würde verstehen, daß hier in 16 Kleinstaaten 16 mal die gleichen Gesetze verabschiedet werden. Der finanzielle Schaden daraus ist weit höher als das griechische Bruttosozialprodukt.
    Wir haben 17 Verfassungschutzvereine, die nichts voneinander wissen, wir lassen verbrecher laufen, weil wir aus Geldgründen nicht zur Abarbeitung kommen.

    Wir verteilen die Schulden von Zockerbanken über eine badbank auf die Allgemeinheit!!!


    Das HB hat BLÖD-Zeitungsniveau.

  • 11.01.2012, 14:20 Uhrihr

    und wenn sie schon über die griechen herziehen, warum nicht so:

    Die Griechen sind Pleite, müssen sparen und kaufen Waffen aus Deutschland und Frankreich!!!

    Das ist wohl dann o.K.???

  • Die aktuellen Top-Themen
Nach EU: USA und Kanada erweitern Sanktionen gegen Russland

USA und Kanada erweitern Sanktionen gegen Russland

Nach der EU haben am Freitag auch die USA und Kanada ihre Sanktionen gegen Russland und die annektierte Krim-Halbinsel verschärft. Die Maßnahmen betreffen verschiedene Bereiche sowie Personen und Unternehmen.

Nach Beschuss: Israel fliegt Luftangriff auf Gazastreifen

Israel fliegt Luftangriff auf Gazastreifen

Im Nahen Osten ist es seit dem Kriegsende im Sommer wieder zu einem Zwischenfall gekommen: Zunächst wurde eine Rakete aus dem Gazastreifen abgefeuert. Israel reagierte umgehend mit einem Gegenangriff.

USA und Kuba: Neustart macht Hoffnung auf Investitionszuwachs

Neustart macht Hoffnung auf Investitionszuwachs

Die Beziehungen zwischen USA und Kuba erhalten eine neue Chance: Kubanische Ökonomen freuen sich und hoffen auf einen Anstieg von Investitionen aus dem Ausland. Obama muss indes sein Vorgehen im eigenen Land verteidigen.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International