Griechenland auf Werbetour Warum Tsipras einen Bogen um Merkel macht

Griechenland wirbt bei seinen EU-Partnern für den geplanten Kurswechsel bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Auf seiner Tour trifft Premier Tsipras wichtige Gesprächspartner. Nur Angela Merkel ist nicht dabei – warum?
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Auf Werbetour in Brüssel, aber nicht in Berlin: Griechenpremier Alexis Tsipras. Quelle: Reuters
Alexis Tsipras

Auf Werbetour in Brüssel, aber nicht in Berlin: Griechenpremier Alexis Tsipras.

(Foto: Reuters)

BerlinFür Griechenland steht in diesen Tagen einiges auf dem Spiel. Ende Februar läuft das internationale Hilfsprogramm aus - und ohne eine Verlängerung würde dem hoch verschuldeten Land das Geld ausgehen. Das klamme Mittelmeerland hat jedoch eine neue Regierung aus Linken und Rechtspopulisten, die nun auf Teufel komm raus ihre Wahlversprechen in die Tat umsetzen wollen. Sprich: Sie will die bisher geltenden Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern neu verhandeln. Das Ziel des neuen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ist klar: Er will Erleichterungen bei der hohen Schuldenlast seines Landes durchsetzen.

Allerdings ist auch Tsipras nicht entgangen, dass ein Schuldenschnitt von den Euro-Partnern abgelehnt wird. Also sucht er die Nähe zu den wichtigsten Gesprächspartnern im Ausland, um Lösungsmöglichkeiten  für das Schuldendrama seines Landes auszuloten.

Am heutigen Mittwoch reist Tsipras in die EU-Hauptstadt Brüssel. Geplant sind Treffen mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk. Insbesondere beim Treffen mit Juncker wird es laut Diplomaten um den weiteren Kurs Griechenlands in der Finanz- und Budgetpolitik gehen. Ein Termin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht nicht auf dem Programm. Nicht heute, nicht morgen - und auch nicht die nächsten Tage.

Die Gründe dafür sind in der Vergangenheit zu suchen. Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Ihre eiserne Devise und die von Finanzminister Wolfgang Schäuble: keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bärtchen und in SS-Uniform verhöhnt wurde.

Auch im Wahlkampf hatten Politiker der jetzt regierenden Syriza-Partei die Kanzlerin und die deutsche Regierung scharf angegriffen. Dabei wurde auch immer wieder ein Schuldenerlass gefordert. Die Abneigung von damals ist inzwischen vorsichtiger, taktischer Distanz gewichen. Denn auch Tsipras weiß, egal, was er fordert und was er erreichen will: Am Ende geht in Europa nichts ohne die Zustimmung der deutschen Regierung.

Offene Deutschland-Kritik soll daher vermieden werden. Zumindest Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis, der heute EZB-Präsident Mario Draghi, den obersten Euro-Währungshüter, und am Donnerstag in Berlin Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen will, halten sich an die Abmachung.

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33 Kommentare zu "Griechenland auf Werbetour: Warum Tsipras einen Bogen um Merkel macht"

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  • Warten wir einmal ab, wer sich die Zähne ausbeißt. Frau Merkel täte gut daran, die Herren Tsipras und Varoufakis einzuladen und nicht auf eine Bitte um Audienz zu warten, denn diese beiden Herren wurden vom griechischen Volk gewählt, um die Griechen u.a. aus dem Sumpf von Korruption, Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft herauszuführen.shaft und wir Deutschen haben noch einiges

  • Warum Merkel meiden? Der Grieche ist nun mal kein Herkules, sondern nur ein kleiner dummer Bettler, der sich für besonders clever hält. Er will erst die Phalanx gegen Merkel aufbauen, bevor er den Kampf wagt. Er unterschätzt aber wieviel es seine ClubMed Phalanxisten kostet Merkels Meinung zu ändern. Sie schnitten sich ins eigene Fleisch - und das ist nun mal das eigene Volk. Und dem kann man nicht jedes Jahr einen Schuldenschnitt klarmachen, nur um griechische Milliardären die Steuer nicht zumuten zu müssen.

  • Frau Merkel treffen? Warum? Sie hat doch die totale Bezahlung aller Weltschulden angewiesen. Ihre hemmungslose Unterstützung der Banker/Banken steht immer noch! Zahlen muss doch auf Anweisung unserer, deutschen Politiker immer der Deutsche!

  • Heute traf Tsipras in Brüssel Juncker, Tusk und Schulz
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    Bemisst man das Ausmaß an freundlicher Zuwendung in der Öffentlichkeit nur an der Länge der Begrüßungsgeste, dann könnte Alexis Tsipras nach seinem ersten Auftritt bei den wichtigsten EU-Institutionen eine klare Rangordnung erstellen: Martin Schulz klar vor Donald Tusk und Jean-Claude Juncker.

    Als Erster schüttelte ihm Kommissionspräsident Juncker vor laufenden Kameras beide Hände - nur 23 Sekunden lang. Ratspräsident Tusk hielt mit Tsipras nach dem Eintreffen etwa 26 Sekunden lang distanziert Händchen. Aber er küsste ihn nicht auf die Wangen, wie Juncker.

    So blieb es Parlamentspräsident Schulz vorbehalten, dem Premier von der radikal linken Syriza-Partei einen herzlichen Empfang zu bereiten. Neben ihm konnte sich Tsipras auch kurz zu Wort melden. Er sei "optimistisch", dass man mit den EU-Partnern eine "praktikable Lösung" im Schuldenstreit erzielen werde.

    Diese Begrüßungsrituale gaben ganz gut wieder, wie schwierig den Partnern der Umgang mit der neuen Regierung in Athen fällt, in der Syriza ein Bündnis mit den Rechtspopulisten von Anel eingegangen ist.

    Angeführt von Deutschland drängt eine Mehrheit im Finanzministerrat darauf, dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllt - natürlich nicht uneigennützig, denn alle Eurostaaten müssten für Zugeständnisse an Athen mehr zahlen.

    Quelle: derStandard.at
    http://derstandard.at/2000011292089/Nette-Worte-harte-Bedingungen-fuer-Tsipras

  • Der Bruch der Maastrichter Verträge und die Dauerrettung eines bankrotten Landes zeigt eigentlich, wie erpressbar Deutschland und andere Nettozahler geworden sind. Europa ist mit Staaten wie Griechenland kein attraktives Anlageland mehr, da Verträge und Verpflichtungen nur noch leere Worte sind. Als Investor werde ich europäischen Staatsanleihen nicht einmal mehr mit der Kneifzange anfassen, geschweige denn meinen Kunden empfehlen. Selbst Deutschland muss in seinem eigenen Land Investitionen zurückfahren, weil es dauerhaft Milliarden an Steuergeldern an der Akropolis im Meer versenkt. Das Verhalten Junckers, trotz "Ohrfeige", zeigt, dass man sehr wohl gewillt ist einen Schuldenschnitt - auch mit Deutschland - durchzuführen. Man wird dem Kind nur einen anderen Namen geben, damit der heimische Wähler nicht verschreckt wird und doch zur AfD abwandert.Die Kommission hat doch schon einen Notfallplan entwickelt, um Griechenland bis zum Sommer mit Geld zu versorgen. Frechheit siegt doch anscheinend. Hellas Schulden werden 2015 auf 340 Mrd. € anwachsen. Davon sollen die Hälfte gestrichen werden. Meine Herren, vor 5 Jahren hieß es, dass nur einmalig 20 Mrd. zur Rettung reichen werden. Man muss diese Summe, diesen Bailout mal bitte im Verhältnis zur griechischen Volkswirtschaft und Produktivität sehen. Alter Schwede, und in Dtld. vergammelt so langsam die Infrastruktur und der öffentliche Dienst, weil kein Geld da ist. Klar, braucht man für die Ägäis.
    Italien, Spanien, Portugal, Frankreich werden die nächsten sein.
    Der Euro ist zur europäischen Lira abgestiegen und für mich in den nächsten Jahren ein klarer SHORT.

  • Sie haben recht. Aber es geht nicht um Strafen für die Vergangenheit. Es geht darum Lösungen zu finden die für das griechische Volk akzeptabel sind und auch für die EU. Sich blind einzubunkern mit irgendwelchen Regeln wie es Frau Merkel tut ist keine Lösung

  • Tipras macht einen großen Bogen um Merkel
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    In Griechenland gilt sie als Inkarnation des Bösen. Sie presst die Griechen aus, sie fordert von den Griechen, dass sie sparen und nicht über ihre Verhältnisse leben.
    Merkel wird in Griechenland mit Hitlerbärtchen und Naziuniform abgebildet.
    Deutschland wird als Viertes Reich bezeichnet.
    Vor dem Euro war Deutschland das beliebteste Land in Griechenland, heute das meistgehasste.

  • @thomas ungläubig

    vielen Dank für den Link! Hätte ich auch noch anfügen können:)

    Hoffe, dass diese Sendung endlich um 19 Uhr oder 20:15Uhr im Zweiten oder Ersten gesendet wird!
    Meist schauen sehr wenige diese wichtigen Beiträge an! Das müsste vor allem den Deutschen echt täglich eingetrichtert werden!

  • Wer's noch mal sehen will, hier der Link: http://www.arte.tv/guide/de/048762-000/staatsschulden-system-ausser-kontrolle?autoplay=1?autoplay=1

  • Gestern kam auf ARTE eine hochinteressante Sendung über die Probleme der Geldpolitik! So wie diese Geldspirale nach oben gedreht wird, kann es definitiv nicht lange gut gehen! Die Blase wird platzen und die Verlierer sind nach wie vor die dummen Steuerzahler! Das komplette Geldsystem müsste umgekrempelt werden um dieses Szenario zu verhindern. Nun haben wir in Deutschland Merkel, für die der Raubrtierkapitalismus das A und O sind! Sie wird keinen Schritt zurück gehen von ihrer dummen Mantra "sparen bis zur Pleite"! Ich bin auch nicht dafür, dass einseitig die Schulden anderer Länder bezahlt werden. Nur weil wir Deutschen uns alles gefallen lassen muss das aber nicht auf alle Völker zutreffen! Holt endlich das Geld da wo es bis jetzt verschwunden ist! Bei denen die sowieso schon viel haben! Aber die verschont Merkel, der deutsche Michl merkt gar nicht wie doof er ist! Wir werden so was von verschaukelt, unglaublich! Wenn man alleine die Diskussion um den Mindestlohn betrachtet! Tja und wer will schon mit Menschen gerne reden die stur bis ins Letzte sind! Tsipras kann ich gut verstehen ich würde auch nicht ankriechen wollen wie ein Bettler! Zum Schluß sei noch gesagt, dass in diesem Beitrag genau diese Haltung, "hast du Schulden, musst du dich schlecht fühlen",vermittelt wird! Deshalb werden wir ja auch so ausgepresst und jeder Steuer die einmal da ist wird nie wieder zurück genommen!

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