Griechenland Banken warnen vor Zwangs-Umschuldung

Der Verhandlungsführer der Banken warnt davor, Athens private Gläubiger zum Schuldenschnitt zu zwingen. Das Poker um den Zinssatz für eine freiwillige Beteiligung der Banken, Hedgefonds und Versicherungen wird härter.
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Der Internationale Bankenverband IIF hat vor einer erzwungenen Umschuldung der Verbindlichkeiten Griechenlands gewarnt. Quelle: dpa

Der Internationale Bankenverband IIF hat vor einer erzwungenen Umschuldung der Verbindlichkeiten Griechenlands gewarnt.

(Foto: dpa)

ZürichZur Rettung Griechenlands hat die Eurogruppe die Regierung in Athen und die privaten Gläubiger gemeinsam in den Schraubstock gesteckt: Das Reformprogramm der Hellenen sei „entgleist“ und müsse „erheblich“ nachgebessert werden, bevor neue öffentliche Hilfe überhaupt denkbar sei, machte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker klar. Und um die Schuldentragfähigkeit Athens zu sichern, sollen Banken und Fonds für neue Staatsanleihen Discoutzinsen von „klar unter vier Prozent“ akzeptieren - also weiter unter deren bisheriger Schmerzgrenze.

Der harte Kurs der Eurogruppe erschwert die Verhandlungen Athens mit den Banken erheblich. Schon mehrfach standen sie vor dem Scheitern - was einen Bankrott Athens mit unabsehbaren Folgen für die Eurozone bedeuten könnte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich gelassen. „Wir führen die Verhandlungen so fröhlich und wenig erpressbar wie möglich“, sagte er. Drohungen mit vermeintlich letzten Angeboten „haben sie in jedem Basar, da muss man sich nicht so beeindrucken lassen“. Verhandlungsführer Charles Dallara vom Internationalen Bankenverband (IIF) warnte postwendend, die Stabilität der Eurozone stehe auf dem Spiel. Eine hohe Beteiligung der Banken werde es nur geben, wenn der Schuldenschnitt „freiwillig“ bleibe. Auf Einzelheiten - darunter die Höhe des Zinssatzes, der im Falle eines Schuldenschnitts danach von Griechenland für neue Anleihen verlangt wird - ging Dallara nicht ein.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und wichtige EU-Staaten wollen den Zinssatz Berichten zufolge auf maximal 3,5 Prozent drücken. Nach Angaben eines Mitarbeiters des griechischen Finanzministeriums verlangt der IIF aber vier Prozent. Für Mittwoch wurde eine detaillierte Stellungnahme des IIF zu den Zinsforderungen der Euro-Länder erwartet.

Hinter dem Geschacher steht das Ziel, die griechische Schuldenlast von derzeit 170 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Nur wenn das gelingt, gilt Athen als stabil. Doch davon sei man beim jetzigen Verhandlungsstand „noch ein Stück weit entfernt“, räumte Schäuble ein. Denn hohe Zinskosten würden den Schuldenabbau bremsen. Gelingen kann die Rettung nur, wenn Banken und Fonds für ihre 30-jährigen neuen Papiere Zinsen von unter vier Prozent akzeptieren, und bis zum Jahr 2020 sogar „klar weniger als 3,5 Prozent“, wie Juncker klarstellte. Das würde einen Abschlag des Privatsektors von mehr als 70 Prozent des Gegenwartswertes bedeuten.

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21 Kommentare zu "Griechenland: Banken warnen vor Zwangs-Umschuldung"

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  • "Wer die Musik bestellt, hat sie auch zu bezahlen!" Diese Volksweisheit gilt für EU-Politiker anscheinend nicht - sie ordnen den privaten Banken einen Schuldenverzicht um 50% an und wollen sogar noch die Zinsen diktieren, bleiben aber mit staatlichen Krediten außen vor. Und das, nachdem zuvor gebetsmühlenartig beteuert wurde, Griechenland sei gar nicht Pleite.

  • @BetzeBernhard
    Ihr Vorschlag ist wunderbar. Gut formuliert frisch und frei aus der Feder. Vielen Dank! Ich befürchte nur, daß dieser Totalversager sich nicht danach richten wird.
    @Delinix1 und Krautwickel1962m
    Auch Ihnen vielen Dank für Ihre Ausführungen. Endlich mal eine ernsthafte Analyse und auch Lösungsvorschläge. Ich denke viel darüber nach, warum man unbedingt die Griechen retten muß, zumal noch niemand eine nachvollziehbare Erklärung abgegeben hat. Inzwischen vermute ich, daß die auch niemand weiß. Da wird einfach nur nachgeplappert was irgend jemand vorgeplappert hat. So einfach ist Politik! Ich denke schon lange, daß man Griechenland sich selbst überlassen sollte, denn das Land ist nicht reformierbar. Die enormen Gelder sollten dazu verwendet werden, die nicht griechischen Gläubiger zu retten falls dies nötig wird, auch wenn es sich um die bösen Banken handelt!

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen! Auch ich fühle mich als echter Europäer, und als solcher glaube ich, dass man, um die europäische Idee zu retten, den Euro opfern wird müssen. Nur leider steht sich die Politik bei diesem Gedanken selbst im Weg...

  • Eurogruppe, das sind doch alles nur Versager.

    Die sollten da mal einen echten Profi zu den Kreditverhandlungen schicken, Christian Wulff. Zudem ist der auch noch Bundespräsident und Politiker.

    Der wird denen zeigen wie man von privaten Gläubigern einen Kredit ohne Sicherheiten für nur 4% bekommt und dabei auch noch auf die Tilgung verzichtet. Getilgt wird erst wenn sich die Einkünfte verbessern. Später wird er wissen wie man in einen noch günstigeren Bankkredit umschulden kann. Zudem wird Wulff zeigen wie man auch komplexe Kreditgeschäfte diskret abwickelt.

    Herr Wulff übernehmen Sie!

    Bitte gehen Sie nach Athen.

  • Dann brauchen Sie sich nicht beschweren, dass Sie von Ihrer Regierung verar(sch)mt werden, dass Sie in Ihrem Land nichts, aber auch gar nichts zu melden haben, evtl. dürfen Sie sich über einen Bahnhof aufregen. Soviel Ignoranz und Selbstüberschätzung wie in D gibt es wohl nur noch in den USA...Fassen wir zusammen:

    Griechen lebten auf hohem Fuß, weil ihnen die Politiker das alles ermöglicht haben. Jetzt stehen sie bis über beide Ohren in der Sch.... und sollten schauen, dass sie da irgendwie noch atmen können um sich wie auch immer daraus zu ziehen.

    Deutsche: Sie arbeiten und arbeiten und arbeiten, fahren in solche Länder um auch mal zu leben. Sie beschweren sich darüber, dass die anderen auf großem Fuß lebten und sich mit 55 in Rente begeben. Sie meckern über die Faulheit, Dummdreistigkeit usw. der Griechen und Südländer im Allgemeinen, weil sie das anscheinend mehr stört als die eigenen riesigen Probleme. Sie werden die nächsten 100 Jahre (überspitzt) nicht auf die Straße gehen können, weil die Rechte immer mehr eingeschränkt werden. Sie denken, dass nur sie korrekt wirtschaften wobei die Mehrheit des Volkes von den sensationellen Ergebnisen der dt. Wirtschaft null komma null sieht und sehen wird. Sie schauen sehenden Auges dass die Schufterei zum Leben oftmals nicht ausreicht und klopfen sich auf die Schulter, dass sie in D mit zu den ersten Ländern gehören, die verstanden haben, dass wir bis 67 (bald 70) arbeiten müssen, weil es die Ratio erfordert......Der Deutsche ist reich, wohlhabender als die meisten auf der Welt, er ist fleißig und gesetzestreu und trotzdem seid ihr am Ende des Tages traurige Menschen, denn mit 70-80 werden auch Sie lieber Vorredner sich immer noch über irgend ein Gesindel aufregen, dass nicht wie sie gewirtschaftet hat und sie werden dann wieder auf diese Menschen herabschauen und feststellen - egal wie schlecht es Ihnen finanziell geht, sie haben (die meisten) ein Menschenleben gelebt.

    In diesem Sinne.

    PS: Bin kein Grieche

  • Irrtum! Keiner wird die Reissleine ziehen und daher wird es dazu kommen dass Geld gedruckt wird bis der Arzt (Hyperinflation) kommt.

  • Zusatz:

    ... mehr ausgegeben hat, als ein einnimmt. Wem dieses "Mehr" zugute kommt, obliegt wiederum den Griechen.

  • Teil III:

    Unsere Politik sollte endlich das tun wozu Sie da ist. Nämlich Rahmenbedingungen festzulegen die es Wert sind als solche bezeichnet zu werden, statt ständig nur an irgendwelchen Auswüchsen der Systeme rumzudocktern. Das kann die Politik eh nicht.

    Und eine der ersten Rahmen die es vorzugeben gilt ist ganz klar ein Verbot für jegliche Art von Leerverkäufen und Optionsgeschäften. Und das notfalls auch auf nationaler Ebene, falls die, die vorgeben unsere Partner zu sein, das nicht einsehen.

    Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis zu diesen Erkenntnissen auch der ein oder andere Finanzpolitiker kommt.....

  • Teil II:

    Klar, man kann sich auch dazu entscheiden die einfachere Alternative zu wählen und weiter zu jammern. Dann sollte die EU einfach folgendes machen. Diejenigen, die bei Eintritt Griechenlands in die Eurozone gefälschte Zahlen in Brüssel eingereicht haben zur persönlichen Verantwortung heranziehen und dieses "einschleichen" in eine Wähurungsunion in die Griechenland gar nicht passt aufarbeiten. Dies nicht nur zur Vergangenheitsbewältigung sondern auch dazu, um künftige Aufnahmekanditaten vorzuwarnen. Richtig: Ich gehe davon aus, dass die Eurozone und auch der Euro weiterhin Bestand hat.

    Wenn die Griechen sich also für das weiterjammern entscheiden, würden die privaten Gläubiger von der unausweichlichen Staatspleite Greichenlands hart getroffen. Nur, das kann dann jedes Land für sich regeln. Die deutschen Banken haben längst 50 % der entsprechenden Anleihen wertberichtigt. Sollten durch die Wertberichtigung der letzten 50 % eine deutsche Bank in Schieflage geraten wäre es immer noch einfacher diese Bank zu unterstützen als ganz Griechenland. Das weitaus größere Problem hätten dann zugegebenermaßen die griechischen Banken. Aber, dort ist das Problem ja auch entstanden.

  • Teil I:

    Ich bin der Auffassung, dass die Verschuldungskrise Griechenlands völlig falsch angegangen wird.

    Ausgangslage: Die Staatsverschuldung Griechenlands lag 2009 bei rd. 25.000 € je Einwohner. Zum gleichen Zeitpunkt lag das rechnerische Durschschnittsvermögen der Griechen bei rd. 55.000 €. Für mich liegt also nur eines vor - und da stellt Griechenland keine Ausnahme dar, sondern zeigt das gleiche Bild wie in allen anderen Ländern - das vorhanden Vermögen ist deutlich größer als die Staatsverschuldung. Für mich ist es daher wenig einleuchtend, wenn man nun versucht dieses Thema auf europäischer Ebene zu lösen. Gefordert sind hier ausschließlich die Griechen. Es sollte doch dem griechischen Volk zu vermitteln sein, dass die Staatsverschuldung Griechenlands nicht Italien, Portugal oder einem anderen europäischen Land - und damit auch nicht Deutschland - zuzuschreiben ist, sondern dadurch entstanden, dass der griechische Staat mehr
    Meines Erachtens sollten die Griechen entscheiden was Sie wollen. Dabei gibt es diverse Optionen. Das geht damit los einfach weiter zu jammern und Geld aus Europa anzufordern und den Verhandlungsmarathon noch über Monate fortzuführen ohne Grundlegendes zu ändern.

    Eine Alternative wäre, dass die Griechen ihrem eigenen Staat mit entsprechenden Mitteln zur Verfügung stehen. Über Verzinsung wird da gar nicht erst diskutiert. Statt dessen gibt es einen garantierten Inflationsausgleich. Und schon würden die Griechen ihre ach so ausufernden Staatsschulden aus eigener Kraft in den Griff bekommen.

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