„Griechenland blutet wirklich“
Samaras' bitterer Bittgang in Berlin

Er schmeichelt, er beschwört, er verspricht: Beim Besuch von Antonis Samaras in Berlin geht es um nicht weniger als die Zukunft Griechenlands. Doch das Verhältnis des Premiers zu Kanzlerin Merkel gilt als schwierig.
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BerlinEs ist eine große Charmeoffensive, mit der Antonis Samaras seinen Besuch in Berlin intoniert. Sein Vater habe in Berlin studiert, verrät der griechische Premier der „Bild“-Zeitung. „Er sagte immer, dass er mit Spreewasser getauft wurde.“ Zu Angela Merkel fühle er eine besondere Verbindung, legt er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ nach: „Sie hat mir am Telefon erzählt, dass ihr Vater Priester war und dasselbe Augenproblem hatte wie ich mit meiner Netzhautablösung.“ Klingt nett. Tatsächlich aber haben Merkel und Samaras ein höchst schwieriges Verhältnis zueinander.

Spätestens seit der Konservative als Oppositionsführer den Reformkurs in Athen torpediert hatte ist die Kanzlerin alles andere als gut zu sprechen auf den smarten 61-Jährigen. Doch das muss nun zurückstehen. Wenn Samaras heute mit Merkel in Berlin - und am Samstag mit Frankreichs Staatschef François Hollande in Paris - verhandelt, steht nicht weniger als der Verbleib Griechenlands in der Eurozone auf dem Spiel.

Eigentlich wollte Samaras mit einer Linienmaschine nach Berlin fliegen, in der Holzklasse, um Geld zu sparen. Aber die Ärzte erhoben Einspruch: Immer noch kuriert der Premier eine im Juni operierte Netzhautablösung aus. Niedriger Kabinendruck könnte die Heilung gefährden. Und so bestieg Samaras gestern Nachmittag einen Embraer-Regierungsjet, dessen Piloten den Regierungschef im Tiefflug an die Spree brachten.

Das Augenleiden ist nicht das einzige Handicap des Griechen. Samaras macht sich keine Illusionen: Einem griechischen Regierungschef, egal wie er heißt, schlägt in Europa Misstrauen entgegen. Das verdankt er seinem Vorgänger Giorgos Papandreou, der Griechenlands Partnern alles Mögliche versprach, um Hilfskredite lockerzumachen, letztlich aber fast keine Reform umsetzte.

Haftbar machen kann man Samaras dafür zwar nicht. Völlig schuldlos am griechischen Desaster ist er aber nicht: Als Oppositionsführer bekämpfte er das Sparprogramm lange, stimmte im Parlament sogar gegen die Hilfskredite und überwarf sich deshalb mit seinen Freunden in der Europäischen Volkspartei (EVP). Erst im November 2011 kam Samaras, konfrontiert mit der Gefahr des unmittelbar drohenden Staatsbankrotts, zur Vernunft und stützte die Übergangsregierung des parteilosen Technokraten Lucas Papademos.

Samaras testet dieser Tage vor allem aus: Erhält Griechenland Aufschub für die Umsetzung des Reformprogramms? Die Bundesregierung versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Für eine Entscheidung sei es zu früh, zunächst müsse der Bericht der „Troika“ der internationalen Geldgeber abgewartet werden, heißt es immer wieder.

Klar ist aber auch: Die Frage, wie Samaras im Kanzleramt und dann im Elysée-Palast auftritt, wie überzeugend er wirkt, wird die weiteren Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Kommentare zu " „Griechenland blutet wirklich“: Samaras' bitterer Bittgang in Berlin"

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  • Herr Samaras bittet für 2 Jahre aufschub um dann auch ja nicht mehr an der Macht zu sein :-) Dieser Mann "War, Ist und Wird" immer ein hinterhältiger Mensch bleiben. Seine Vergangenheit spricht nicht wirklich für seine Glaubwürdigkeit bei den Griechen, daher denke ich, dass der nächste Premier der kommen wird das gleiche sagen wird von seinem vorgänger wie Samaras über Papandreou.
    Ich als Grieche würde meinem Land empfehlen, Internationale unabhängige Finanzbeamte und Unternehmensberater in mein Land zu holen die nicht Käuflich sind.
    Wenn ich nichts zu verstecken habe muß ich such keine Angst haben!

  • Würde der griechische Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Griechenland hätte dann einfach keine Schulden und wir keine Krise.

    Aber so verdienen immer nur die Banken auf Kosten der Steuerzahler. Ein einzigartiges Betrugssystem.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.

  • "Samaras' bitterer Bittgang in Berlin" - naja, mußte von Ihnen schon mal jemand vielleicht beruflich ein Projekt leiten?
    Daß man da auf andere zugeht, sie um etwas bittet, ist dabei völlig normal.
    Insofern habe ich deswegen jetzt kein gesteigertes Mitleid mit dem Herrn. Dennoch - er hat ein Ziel vor Augen, an dem er arbeitet.
    Sie alle, die sich darüber ereifern, sollten lieber bei der nächsten Wahl für diejenigen stimmen, die Herrn Samaras entschlossen entgegentreten. Die ein eigenes Ziel haben, das sie - in unserem Interesse! - vorantreiben.
    Z.B. Herr Schäffler ist einer der wenigen, die hier noch klare Position bekennen, die nicht mit gleichgeschalteter Meinung als reines Stimmvieh im Bundestag auftreten.
    Aber leider, leider, wie ich Sie kenne, werden Sie wieder für die Euro-Sozialisten stimmen, werden sich wieder ködern lassen von denen, die jetzt mit neu gedrucktem Geld nochmal schnell ein Strohfeuer entfachen wollen.
    Oder haben Sie das Rückgrat, den Willen, für Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit einzutreten?

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