Griechenland-Deal
Ökonomen befürchten „faulen Kompromiss“

Führende deutsche Ökonomen kritisieren die angepeilte Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland. Sie fordern nachgewiesene, umgesetzte Reformen, statt sich mit bloßen Versprechungen zu begnügen.
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BerlinDie angepeilte Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland stößt bei führenden deutschen Ökonomen auf Kritik. „Das dürfte ein fauler Kompromiss werden, der vom ursprünglichen Grundgedanken der Rettungspolitik abweicht – nämlich Auszahlung von Krediten nur gegen nachgewiesene, umgesetzte Reformen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

„Von diesem Grundsatz wird man wohl abgehen und sich mit bloßen Reformversprechen begnügen. Das wird das Regelwerk der Währungsunion weiter beschädigen.“

Andere Experten kritisieren, dass Athen zu sehr auf Steuererhöhungen und zu wenig auf wachstumsfreundliche Reformen setze. „Besser wäre, das Renteneinstiegsalter schneller anzuheben anstatt die Beiträge zum Rentensystem zu erhöhen“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. „Ersteres erweitert das Angebot an Arbeitskräften, das zweite macht Arbeit teurer.“

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht das ähnlich. „Das Land ist chronisch nicht wettbewerbsfähig“, sagte er im Deutschlandfunk. „Selbst wenn man diese Schuldenkrise löst, löst es das Problem ja nun nicht.“ Allein mit Geld könnte man kein Land wettbewerbsfähig machen. Ohne eine Rückkehr zur Drachme und einer Abwertung werde dies wohl kaum gelingen.

Die Gefahr einer raschen Staatspleite sehen die Ökonomen bei einer Einigung aber zunächst gebannt. „Aber wir sind von einer stabilen Lösung noch um einiges entfernt“, sagte der Chefvolkswirt der BayernLB, Jürgen Michels. Griechenland scheine aber nach langem Zögern den Forderungen der Gläubiger entgegenzukommen.

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  • GR muss für die Folgen des GREXIT gegenüber den EU- Mitgliedern haften! GR ist nur durch Betrug mit falschen Finanzdaten in die EU eingetreten. Nun muss GR auch für die Folgen dieses Betrugs haften. Eine Anklage vor dem EuGH durch die EU- Verwaltung unter Herrn Junckers Leitung kann ein entsprechendes Urteil herbeiführen. Auch die EU muss ihre Mitglieder vertragsgemäß schützen!

  • Diese minutiöse Berichterstattung zu jeder kleinsten Bewegung in der "Griechenlandsache" ermüdet eigentlich nur noch.. Entscheidend ist, was jetzt weiter geschieht in der SYRIZA-Fraktion und dann eventuell im griechischen Parlament. Bis es dort zu konkreten Ergebnissen kommt ist alles, was dazu gesagt, geschrieben und kommentiert wird pure Spekulation. Und das wusste Tsipras auch gestern schon. Statt der gemachten Vorscläge, hätte er genau so gut jede beliebigen anderen machen können.

    Warten wir ab. Wie sich gezeigt hat, war auch gestern nicht der "historische Entscheidungstag" für Griechenlands Geschichte. Und der Geschiichte der EU.

  • DEXIT statt GREXIT !!!

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