Griechenland
Der Verteidiger der Finanzen

Mitten im Kampf gegen den Staatsbankrott wechselt der Premier den Finanzminister: Verteidigungsminister Evangelos Venizelos ersetzt Giorgos Papakonstantinou. Doch der Architekt der Sparpläne bleibt im Kabinett.
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AthenDas gegen eine Staatspleite kämpfende Griechenland bekommt einen neuen Finanzminister. Verteidigungsminister Evangelos Venizelos soll das Schlüsselressort von Giorgos Papakonstantinou übernehmen, sagte ein Regierungsvertreter am Freitag in Athen. Die Kabinettsumbildung solle noch am Vormittag bekanntgegeben werden.

Venizelos war vor dem Aufstieg ins Verteidigungsministerium Kulturminister. Er gilt jedoch in der sozialistischen Partei als Nummer zwei hinter Papandreou. Er wird nun auch Vizepremier und damit Mitglied in Papandreous innerem Kabinett, dass der Premier im Zuge dieser Kabinettsreform neu einrichtet. Insgesamt tauschte Papandreou fünf Minister aus und reduzierte die Gesamtzahl von 17 auf 16.

Papakonstantinou ist der Mann hinter dem drakonischen Sparprogramm, gegen das seit Tagen Tausende Griechen auf dem Athener Syntagma-Platz rebellieren. Er hat Gehälter im Öffentlichen Dienst gekürzt und die Mehrwertsteuer mehrfach angehoben, um an die milliardenschweren Hilfsgelder von EU und Internationalem Währungsfonds zu kommen.

Papakonstantinou soll einem Bericht des Fernsehens zufolge allerdings im Kabinett bleiben und neuer Umweltminister werden. Neuer Außenminister soll der Europaabgeordnete Stavros Lambrinidis werden.

Mit der Regierungsumbildung versucht Papandreou einen Befreiungsschlag. Er steht unter Druck, weil Tausende Griechen seit Tagen gegen das harte Sparprogramm der Regierung auf die Straße gehen. Ohne neue Sparmaßnahmen wiederum droht dem hoch verschuldeten Land die Staatspleite, weil dann weitere Milliardenüberweisungen von EU und Internationalem Währungsfonds auf der Kippe stehen.

Papandreou steht auch in seiner eigenen sozialistischen Partei unter starken Druck, hier sorgt der von EU und IWF aufgezwungene Sparkurs für starken Widerstand. Bis Dienstag will sich der Premier einem Misstrauensvotum im Parlament stellen - und dann entweder mit einem neuen Mandat gestärkt den Spar- und Reformkurs fortsetzen oder das Feld räumen.

Der Oppositionschef, der Vorsitzende der bürgerlichen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras, fordert bereits vorgezogene Parlamentswahlen. Das Volk wolle dies, sagte Samaras am Donnerstagabend im Fernsehen. Die konservative Nea Dimokratia vertritt die Ansicht, dass das harte Sparprogramm der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou die Wirtschaft abwürge und deswegen geändert werden müsse.  

Kommentare zu " Griechenland: Der Verteidiger der Finanzen"

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  • Würden Sie einer Kuh Tischtennis-Spielen beibringen wollen ? Wer sagt denn, dass die Griechen ihre Korruption und Sozialbetrug überhaupt loswerden wollen ? Vielleicht gehört das seit Jahrtausenden zu ihrer Kultur und macht Spaß ? Alles ordentlich erledigen und fleissig und vorbildlich sein wird nicht überall als positive Eigenschaft empfunden.

    Die Gutdünker sind immer so gewollt naiv und untergraben mit ihrem Helfersyndrom jede Leistungs-Gerechtigkeit. Jeder Bedürftige ist erstmal chancenlos. Klar doch.

  • Ich kann garnicht verstehen warum die Griechen demonstrieren!! Sie haben Ihre Regierungen in den letzten Jahren immer wieder gewählt obwohl alle wußten wie es um das Land steht. Obwohl jeder Grieche weiß dass man ohne Bestechung in Griechenland nichts erreichen kann, wurden immer wieder die gleichen Politiker gewählt, immer wieder wurden die gleichen Beamten in die wichtigen Positionen eingesetzt usw. Vetternwirtschaft ohne Ende!!!! Solange alles gut ging und das Ausland nicht in die "Bücher" Griechenlands geschaut hat, hatten sie auch alle ihren nutzen! Nun da es heißt "liebe Griechen so geht es aber nicht weiter" gehen sie auf die Straßen und verwüsten ihre Heimat! Wie verrückt ist das denn? Die Griechen, nicht nur die Politiker in Griechenland sondern auch das Volk selbst sind selbst schuld an der Krise in Griechenland und deshalb habe ich keinerlei Verständnis dafür dass die anderen EU Staaten noch mehr Geld nach Griechendland schicken! Wo sind die 30 Mio. hin die Griechenland von der EU bekommen hat um ein Katasteramt einzuführen? Wo ist das Geld? Nicht einmal ein Drittel Griechenlands wurde vermessen! Was wurde mit dem Geld bezahlt bzw. angestellt welches von der EU/IWF etc. zur Verfügung gestellt wurde? Wahrscheinlich wurde das Geld wieder für neue Bestechungen verwendet... Griechenland ist ein Fass ohne Boden!! Aber bis der Rest der EU sich das eingestehen wird, werden wir noch ein paar Milliarden nach Griechenland, Irland usw. schicken um irgendwann festzustellen...alles war umsonst! Wir erlassen ihnen die Schulden und fangen bei Null an...wie lachhaft das alles ist...

  • Sowas tut man, wenn man sonst nichts mehr tun kann und in der EURO-Gruppe sucht man nach jemandem, dem man den "Schwarten Peter" zuschieben kann, wenn Griechenland Insolvenz anmeldet. Merkel und Schäuble schreien schon seit zwei Wochen ganz laut "hier"! Das einzeige, was die ganze EURO-Bande noch glaubt, ist, daß bei den Deutschen noch mehr rauszuholen ist. Tausenden kritische Politiker in allen europäischen nationalen Parlamenten kommen schon lange nicht mehr öffentlich zu Wort, es herrscht umfassende Zensur und die "Rechtspopulisten", wie sie diffamierend öffiziell bezeichnet werden, werden gute Ergebnise einfahren - außer in Deutschland! Aber ich weiß, wo ich zukünftig mein Kreuzchen hinmachen werde!

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