Griechenland
Die dunkle Seite von Papademos

Vier Tage lang hat er hart verhandelt - nun ist er fast am Ziel: Ex-Notenbanker Papademos bildet die Übergangsregierung. Er gilt als versierter Fachmann, doch es gibt auch ein paar dunkle Stellen in seiner Vergangenheit.
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AthenDer frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos wurde am Donnerstag offiziell mit der Nachfolge des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou beauftragt. Die Regierung der nationalen Einheit soll Schritte zur Konsolidierung der Staatsfinanzen umsetzen, Neuwahlen vorbereiten - und den endgültigen Finanzkollaps des Landes verhindern.

Papademos nannte die Umsetzung des EU-Rettungspakets als Hauptaufgabe seiner Übergangsregierung. Griechenland stehe am Scheideweg, er glaube aber, dass die Probleme des Landes gelöst werden könnten, sagte er. Im Gegenzug zu weitere Milliarden-Hilfen für das hochverschuldete Land verlangen die Geberländer weitere Reformen und Sparanstrengungen von Griechenland. Laut Papademos ist die Dauer seiner Amtszeit noch nicht genau festgelegt. Das von den Parteien für Neuwahlen genannte Datum 19. Februar sei bloß eine Orientierungspunkt.

Die neue Regierung soll den Angaben zufolge Freitag Mittag vereidigt werden. Zuvor hatten der amtierende Ministerpräsident Giorgos Papandreou und die Chefs der Oppositionsparteien Neue Demokratie und LAOS, Antonis Samaras und Giorgos Karatzaferis, tagelang über die Bedingungen ihrer informellen großen Koalition beraten.

Papandreou hatte am Mittwoch offiziell seinen Rücktritt erklärt, konnte zunächst aber keinen Nachfolger benennen.

Auch wenige Stunden vor der geplanten Vereidigung der neuen griechischen Regierung bleibt insgesamt die Zusammensetzung des Kabinetts völlig unklar. Gespräche zwischen dem designierten Ministerpräsidenten Lucas Papademos und den Parteien gingen am Donnerstagabend zu Ende, ohne das eine Ankündigung zur Vergabe der Ministerposten folgte.

Vertreter der Parteien sagten der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, dass der bisherige Finanzminister Evangelos Venizelos voraussichtlich sein Amt behalten werde. Die Vereidigung der Regierung durch Präsident Karolos Papoulias ist am Freitag geplant.

Erst am Vormittag hatte die EU-Kommission gewarnt, Griechenlands Schuldenquote werde schon im kommenden Jahr auf 200 Prozent seiner Wirtschaftsleistung wachsen, sollten die Spar- und Reformprogramme nicht endlich greifen.

Der 64-jährige Papademos, der derzeit an der Universität Harvard in den USA lehrt, war schon Anfang der Woche als möglicher Nachfolger Papandreous an der Spitze einer Übergangsregierung gehandelt worden. Er hatte aber offenbar Forderungen gestellt, die Papandreou zunächst nicht erfüllen wollte. Am Mittwoch hatte deshalb noch Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos, ein Vertrauter Papandreous, als aussichtsreichster Kandidat gegolten. Der Chef der rechtsnationalistischen LAOS-Partei, Giorgos Karatzaferis, legte gegen seine Ernennung jedoch Widerspruch ein.

Die Aussichten, dass der in der Finanzwelt hoch geachtete Papademos das Ruder in Griechenland übernehmen könnte, sorgten für ein Kursfeuerwerk an der Athener Börse: Bankaktien stiegen in der ersten Tageshälfte um bis zu 6,7 Prozent.

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  • Mario Draghi ist auch GoldmanSachs-Kollaborateur,
    ebenso wie der Portugiese, der gerade aus dem IWF ausgeschieden ist.
    Alle wichtigen Entscheidungsgremien sind mit GoldmanSachs-Kollaborateuren durchseucht.
    In D ist die Ackermann-Durchseuchung hoch: Schäuble und fast das ganze Parlament, das am 29.09.11 für die Bankenrettung EFSF gestimmt hat.

  • In der Einblendung
    "Welche Euro-Regierungen ums Überleben kämpfen"
    fehlt Frankreich.

  • Nach dem Unfähigen kommt jetzt der Lügner und Betrüger.
    Armes Griechenland, wie bist Du gesunken!

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