Griechenland
EU-Kommissionspräsident mahnt Tsipras

Griechenland verhandelt seit Wochen mit seinen Geldgebern. Es geht um die Bedingungen, zu denen eine ausstehende Hilfstranche ausgezahlt wird. Beim G7-Gipfel findet EU-Kommissionspräsident Juncker deutliche Worte.
  • 1

Schloss ElmauEU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat nach eigenen Angaben noch keine neue Reformliste aus Griechenland erhalten. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipas habe ihm versprochen, bis zum vergangenen Donnerstag einen Alternativvorschlag zur Lösung der Schuldenkrise vorzulegen, sagte Juncker am Sonntag am Rande des G7-Gipfels auf Schloss Elmau. Auch eine zweite Frist bis Freitag habe Tsipras verstreichen lassen. „Ich hoffe, dass uns diese griechischen Alternativvorschläge in Kürze zugestellt werden“, mahnte Juncker.

Griechenland verhandelt seit Wochen mit den Geldgebern von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) über die Bedingungen, zu denen eine ausstehende Hilfstranche von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt wird. Trotz intensiver Gespräche in den vergangenen Tagen gab es bisher keine Einigung.

Am Montag hatte sich Juncker in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident François Hollande und den Spitzen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) getroffen, um einen Plan zur Beilegung der griechischen Finanzkrise zu erarbeiten.

Tspiras legte den Gläubiger-Institutionen nach eigenen Angaben am Dienstag einen kompletten Reformplan vor. Nach einem Gespräch mit Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem erklärte der griechische Ministerpräsident am Donnerstag, sein eigener Vorschlag bleibe „der einzig realistische Vorschlag auf dem Tisch“. Im Parlament in Athen wies er die Vorschläge der internationalen Gläubiger tags darauf als „absurd“ zurück. Seine Regierung werde dem „unter keinen Umständen“ zustimmen, sagte Tsipras mit Blick auf die Forderungen der Geldgeber, unter anderem durch Rentenkürzungen weitere drei Milliarden Euro einzusparen.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone schließe er „nach wie vor aus“, sagte Juncker auf Schloss Elmau. „Das ist darauf zurückzuführen, dass ich ihn nicht wünsche, weil ich die Folgen nicht absehen kann.“

Die Rettung Griechenlands dürfte besonderen Raum beim G7-Gipfel am Sonntag und Montag einnehmen. Merkel empfängt in Bayern die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen. Dazu gehören neben Deutschland Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: EU-Kommissionspräsident mahnt Tsipras"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Während sich die Gäubiger gegenüber Griechenland in unterwürfiger Demut, ja geradezu in politischem Flagellantismus üben, hat Tsirpas mit seiner Kernaussage recht. Diese besteht darin, daß sein eigener Vorschlag der einzig realistische sei. De facto beinhaltet Tsirpas Vorschlag nämlich keine Reformen und ob der erwiesenen Reformunfähigkeit Griechenlands wäre alles andere auch unrealistisch. Da sich der gesunde Menschenverstand in der Politik leider selten durchsetzt, ist Ende des Monats aber vermutlich mit einer weiteren Finanzspritze für das marode Griechenland zu rechnen. Durch das Gebrauchmachen von der sog. Sambia Option haben wir dann endgültig afrikanische Verhältnisse innerhalb der Eurozone.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%