Griechenland
EZB erleichtert Banken Zugang zu frischem Geld

Die EZB kommt den griechischen Banken entgegen: Athen besorgt sich immer wieder frisches Geld am Kapitalmarkt, um Löcher im Haushalt zu stopfen. In Zukunft werden die Sicherheitsmaßnahmen für die Banken gelockert.
  • 2

AthenDie EZB erleichtert griechischen Banken nach Informationen aus griechischen Zentralbankkreisen den Zugang zu frischem Geld. Eine entsprechende Entscheidung sei am Vorabend nach Gesprächen zwischen der EZB, der Athener Regierung und dem Zentralbankchef Griechenlands gefallen, sagte ein Athener Notenbank-Vertreter am Donnerstag zu Reuters. Demnach will die EZB auf Sicherheiten, die griechische Institute bei ihr als Pfand für frisches Geld hinterlegen, einen geringeren Abschlag als bisher erheben. Damit könnten die Banken zusätzliche zwölf Milliarden Euro an Liquidität bei der EZB abschöpfen. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat“, sagte der Zentralbanker. Griechische Banken hatten jüngst herbe Kursverluste erlitten, als die Athener Aktienbörse binnen zwei Tagen um mehr elf Prozent eingebrochen war.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte sich nicht zu dem Reuters-Bericht äußern. Der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras war am Mittwoch in Frankfurt zur turnusmäßigen EZB-Ratssitzung. Die griechischen Banken haben im September bei der EZB zwar etwas weniger frisches Geld abgerufen, hängen aber weiterhin am Tropf der Zentralbank. Die Renditen für zehnjährige griechische Staatsanleihen waren jüngst in die Höhe geschnellt. Investoren zweifeln zunehmend daran, dass Griechenland sich am Markt refinanzieren kann, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet.

Der einstige Pleitekandidat will sich im kommenden Jahr mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um so aus dem seit 2010 laufenden Rettungsprogramm von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union aussteigen zu können. Bei den Anlegern herrscht zudem Unsicherheit vor, wie es politisch weitergehen wird. Falls es im nächsten Jahr Neuwahlen geben sollte, könnten mit der Syriza-Partei Gegner der internationalen Rettungsaktion an die Macht kommen, fürchten viele Investoren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland: EZB erleichtert Banken Zugang zu frischem Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Findet dieser Irrsinn, der nicht nur uns, sondern vor allem den Griechen selbst so eklatant schadet, denn niemals ein Ende? Will das EURO-Kartell die Katastrophe wirklich um jeden Preis auf die Spitze treiben?

    Griechenland müßte dringendst -besser gestern als heute- seine Währung um mindestens 30% abwerten, kann es aber wegen der Wechselkursfessel der Währungsunion nicht.

    Man muß sich das mal vor Augen halten: Eine um 30% überbewertete Währung wirkt für ein Land wie eine 30%ige Subvention auf alle Importe und gleichzeitig eine 30%ige Strafsteuer auf alle Exporte.

    Wie soll denn ein solches Land, und wie sollen denn die Unternehmen in diesem Land, bei gleichzeitig völlig zusammengebrochener Binnenkonjunktur jemals wieder auf die Beine kommen?

    Das geradezu fanatische Festhalten am Euro legt den Verdacht nahe, daß in Berlin und Athen -hier wie dort- absolute ökonomische Analphabeten regieren.

  • Spätestens jetzt muss jeder deutsche Politiker mit Blick auf seine Überwachungspflichten "den Stecker ziehen".

    Deutschland ist mit ca. 28 % an der EZB beteiligt. Den deutschen Politikern kommen damit erhebliche Überwachungsaufgaben zu. Sie haben nicht nur das Recht der Überwachung sondern auch die Verpflichtung.

    Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt, muss den Hut nehmen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%